22.10.2012 | Serie Nebenjob: Wenn der Mitarbeiter zwei Chefs hat

Nebenjobs im Sozialversicherungsrecht

Serienelemente
Im Sozialversicherungsrecht gelten klare Regeln bei Nebenjobs.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Nebeneinkünfte sind Inhalt vieler aktuellen Diskussionen. Tatsächlich haben rund 2,5 Mio. Bundesbürger einen Nebenjob. Im Sozialversicherungsrecht sind die Regelungen zu Nebenjobs vielfältig – sorgen aber letztlich für klare Verhältnisse.

Wenn ein Arbeitnehmer mehrere Minijobs mit einem Entgelt bis jeweils 400 EUR monatlich parallel nebeneinander ausübt, müssen die Entgelte addiert werden. Wird in der Summe die Entgeltgrenze überschritten, verliert der Arbeitnehmer den Minijobber-Status: Er ist dann sozialversicherungspflichtig.

Neben- und Hauptbeschäftigung

Nicht ganz so einfach verhält es sich, wenn ein Arbeitnehmer neben einer Hauptbeschäftigung bei einem anderen Arbeitgeber einen Minijob ausübt. Wenn die Hauptbeschäftigung nicht die Bedingungen einer geringfügig entlohnten Beschäftigung erfüllt, werden beide Tätigkeiten für die Sozialversicherung nicht zusammengerechnet. Der Minijob bleibt versicherungsfrei – die Hauptbeschäftigung versicherungspflichtig.

Mehrere Minijobs neben einer Hauptbeschäftigung

Übt ein Arbeitnehmer neben seiner versicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung mehrere geringfügig entlohnte Beschäftigungen parallel aus, werden Hauptbeschäftigung und die zeitlich zuerst aufgenommene geringfügig entlohnte Beschäftigung nicht zusammengerechnet. Die 2. und alle weiteren Minijobs müssen allerdings mit der Hauptbeschäftigung aufaddiert werden. Sie unterliegen folglich der Versicherungspflicht. Dies gilt für die Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung.

Für die Arbeitslosenversicherung wird nie zusammengerechnet. Hier bleibt es bei der Versicherungsfreiheit.

Minijob und Gleitzone

Versicherungsrechtlich entspricht das Zusammentreffen von Minijobs mit einer versicherungspflichtigen Beschäftigung mit Entgelt innerhalb der Gleitzone dem mit einer Hauptbeschäftigung. Knackpunkt ist dann eher die Beitragsberechnung. Dabei gilt: Die Gleitzonenreglung gilt nur für versicherungspflichtige Beschäftigungen. Außerdem kann die Formel für die Gleitzone nur angewandt werden, wenn das insgesamt erzielte Arbeitsentgelt aller versicherungspflichtigen Beschäftigungen (Gesamtarbeitsentgelt) innerhalb der Gleitzone liegt (regelmäßiges monatliches Arbeitsentgelt zwischen 400,01 EUR und 800 EUR).

Beschäftigung neben der Rente

Einer der am häufigsten auftretenden Fälle in der Entgeltabrechnung: Minijobber, die bereits Rentner sind. Sozialversicherungsrechtlich ist dies vergleichsweise einfach zu lösen, denn es gelten die allgemeinen Grundsätze. Sofern bei mehreren Minijobs durch Zusammenrechnung (ohne die Rente) 400 EUR überschritten werden, besteht Versicherungspflicht in allen Beschäftigungen.

Nebenjob und Selbstständigkeit

Hauptberuflich Selbstständige sind in einer daneben ausgeübten Beschäftigung nicht kranken- und pflegeversicherungspflichtig. Das betrifft auch die meisten Geschäftsführer und Gesellschafter-Geschäftsführer, wenn sie nicht als Arbeitnehmer gelten. Es stellt sich damit auch nicht die Frage nach einer Zusammenrechnung - sie ist nicht erforderlich. Selbst bei mehreren parallel ausgeübten Minijobs neben einer hauptberuflich selbstständigen Tätigkeit tritt keine Versicherungspflicht zur Kranken- und Pflegeversicherung ein.

Vorsicht: RV und ALV weichen bei Selbstständigen ab

Anders ist es in der Renten- und Arbeitslosenversicherung: Hier findet zwar keine Zusammenrechnung mit den Einnahmen aus der selbstständigen Tätigkeit statt. Wenn aber die Entgeltgrenze von 400 EUR durch eine Beschäftigung oder mehrere parallel ausgeübte Minijobs überschritten wird, besteht in den Beschäftigungen Renten- und Arbeitslosenversicherungspflicht als Arbeitnehmer.

Schlagworte zum Thema:  Minijob, Geringfügig entlohnte Beschäftigung, Hauptbeschäftigung, Gleitzone, Selbständigkeit, Nebenjob, Nebenbeschäftigung

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