10.07.2012 | Kündigung

Wenn der Griff zur Flasche zur Kündigung führt

Wenn der "Absturz" am Abend den Job am Morgen beeinträchtigt
Bild: Haufe Online Redaktion

Wenn die Alkoholsucht eines Mitarbeiters zu Problemen führt, steht unweigerlich auch die Frage nach der Möglichkeit einer Kündigung im Raum. Hier ist dann vor allem die Frage der Prognose hinsichtlich einer „Besserung“ zu diskutieren.

Alkoholabhängigkeit ist eine Krankheit im medizinischen Sinne. Daher ist eine Kündigung nur möglich nach den Grundsätzen der krankheitsbedingten Kündigung:

Entsprechend den Grundsätzen der Rechtsprechung zur krankheitsbedingten Kündigung muss es auch bei der Kündigung wegen einer Alkohol- oder Drogenabhängigkeit in der Vergangenheit zu betrieblichen Störungen gekommen sein, die eine entsprechende negative Prognose für die Zukunft begründen.

Mitarbeiter ist nicht therapiebereit: Ist der Arbeitnehmer im Zeitpunkt der Kündigung beispielsweise nicht therapiebereit, kann davon ausgegangen werden, dass er von dieser Krankheit in absehbarer Zeit nicht geheilt wird. Denn es ist für die Suchterkrankungen typisch, dass die Betroffenen glauben, einer Therapie nicht zu bedürfen.

Therapie erfolgte nach der Kündigung: Eine von dem betroffenen Arbeitnehmer nach Ausspruch der Kündigung durchgeführte Therapie und ihr Ergebnis können nicht zur Korrektur der Prognose herangezogen werden.

Therapie hatte keinen Erfolg: Hatte eine Entziehungskur keinen Erfolg, wird eine negative Prognose in aller Regel vorliegen.

Wenn es zu einem Rückfall kommt: Wenn eine Entziehungskur zunächst erfolgreich war und es dann zu einem Rückfall kommt, sind keineswegs die Grundsätze der verhaltensbedingten Kündigung heranzuziehen. Denn auch nach der Entziehungskur besteht die Suchterkrankung als latent bestehende Erkrankung fort und ist nicht etwa ausgeheilt. Es kann daher kein Verschulden des Alkoholikers oder Suchtkranken an dem Rückfall unterstellt werden.

Schlagworte zum Thema:  Kündigung, Krankheitsbedingte Kündigung, Alkohol

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