02.11.2016 | Untersuchung

Das Mindestlohn-Problem junger Unternehmen

Der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro führte besonders bei jungen Unternehmen zu zusätzlichen Belastungen.
Bild: M. Schuppich - Fotolia

Der Mindestlohn hat gerade bei jungen Unternehmen für zusätzliche Belastungen gesorgt, zeigt eine aktuelle Untersuchung. Lohnhöhe, Bürokratie und Schwierigkeiten bei der Praktikantensuche waren neue, durch das Gesetz geschaffene Beeinträchtigungen, die zudem viele junge Unternehmen überrascht haben.

Der gesetzliche Mindestlohn belastet einer Studie zufolge die Entwicklung junger Unternehmen. Probleme seien vor allem bürokratische Hürden wie Berichtspflichten sowie eine geringere Flexibilität bei den Bezahlungsmodellen, heißt es im "Mannheimer Gründungspanel Herbst 2016" des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und des Verbands der Vereine Creditreform.

Mindestlohn: doch mehr junge Unternehmen betroffen

Das führe etwa dazu, dass sich die Gründer zu lange etwa mit Abrechnungen aufhalten müssten und sich weniger um die Weiterentwicklung kümmern könnten. Denn gerade junge Unternehmen verfügten häufig noch nicht über eine professionelle Personalabteilung.

Gut ein Viertel (28 Prozent) der Unternehmen habe in einer Befragung angegeben, direkt durch die Mindestlohnregelung betroffen zu sein, heißt es in der Studie. Vor der Einführung des Mindestlohns von 8,50 Euro je Stunde zum 1. Januar 2015 hätten gerade einmal elf Prozent mit Auswirkungen gerechnet. 2017 steigt der Mindestlohn auf 8,84 Euro.

Mindestlohn-Hürden: Lohn, Bürokratie und Praktikantensuche

Hauptbelastung sind demnach die höheren zu zahlenden Löhne. Das gaben 20 Prozent der jungen Unternehmen an. Dabei waren Firmen, die niedrige oder mittlere Löhne bezahlen, doppelt so häufig betroffen wie Betriebe derselben Branche mit höheren Gehältern.

Ein weiteres Problem der Mindestlohnregelungen: Die Unternehmen hätten nun größere Schwierigkeiten, Praktikanten sowie studentische und andere Aushilfskräfte einzustellen. Bürokratische Hürden machen acht Prozent der befragten Unternehmen zu schaffen - vor der Einführung des Mindestlohns habe keine Firma mit solchen Problemen gerechnet, schreiben die Experten.

Dokumentationspflichten führen zu unflexiblen Lohnmodellen

Dabei geht es außer den Berichtspflichten und Nachweisen von Stundenaufschrieben auch um unflexiblere Lohnmodelle. "Dies kann negative Konsequenzen für die Entwicklung der jungen Unternehmen haben und scheint vielen der befragten Gründern vor der Einführung der Regelung nicht bewusst gewesen zu sein", betonen die Wirtschaftsforscher.

Dabei seien gerade flexible erfolgsabhängige Entlohnungsmodelle besonders wichtig für junge Unternehmen, da deren Umsätze noch sehr schwankten. "Eine Einschränkung dieser Flexibilität führt daher sehr wahrscheinlich zu mehr Vorsicht und Zurückhaltung bei der Umsetzung von Wachstumsplänen", urteilen die Autoren der Studie.

Schlagworte zum Thema:  Mindestlohn, Lohnuntergrenze, Gründer

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