18.01.2012 | Arbeitsrecht

Unternehmensverbände wollen Raucherpausen abschaffen

Schluss mit dem blauen Dunst während der Arbeitszeit? Das Aus für die Kippenpause soll Geld sparen, sagen Wirtschaftsverbände. Die Gewerkschaften sehen das anders.

Raucherpausen am Arbeitsplatz soll es nach dem Willen von Unternehmensverbänden künftig nicht mehr geben. Die Mitarbeiter sollen stattdessen Zigaretten nur noch in der Mittagspause oder nach Feierabend konsumieren dürfen. "Schluss mit dem blauen Dunst während der Arbeit", forderte der Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW), Mario Ohoven, in der "Bild"-Zeitung (13.1.). "Raucherpausen kosten die Betriebe bares Geld und stören den Arbeitsablauf" Bei Gewerkschaften und Politikern stieß die Forderung auf harsche Kritik.

 

Gesundheitsexperte Lauterbach befürchtete "Nichtraucher-Diktatur"

"Die Behauptung, Raucherpausen würden den Arbeitsablauf stören oder gar den Betrieb lahmlegen, ist geradezu grotesk", erklärte Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Pausen seien angesichts der zunehmenden Arbeitsbelastung immer wichtiger. Ein Rauchverbot auch während dieser Pausen erhöhe unnötig den Druck auf die Arbeitnehmer. Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach äußerte sich ablehnend: "Ein Rauchverbot in kleinen Pausen vor der Tür wäre eine massive Diskriminierung - und ein Schritt Richtung Nichtraucher-Diktatur", sagte er der Zeitung.

 

Nichtraucher dürfen nciht diskriminiert werden

Unterstützung erhielt Ohoven von der Chefin des Unternehmerverbands mittelständische Wirtschaft (UMW), Ursula Frerichs. "Extra-Pausen für Raucher müssen abgeschafft werden", sagte sie der "Bild"-Zeitung. Nichtraucher dürften gegenüber ihren rauchenden Kollegen nicht benachteiligt werden, weil sie weniger Pausen nähmen. Oft würden mehrere Raucher zusammen stehen und mehr als nur eine Zigarette rauchen, was im Extremfall den ganzen Betrieb lahmlegen könne, sagte Frerichs.

 

Schweden als Vorbild

Vorbild für die "rauchfreie Arbeitszeit" ist Schweden, wo viele Firmen und Kommunen das Konzept bereits seit längerem umsetzen. Nach Berechnungen des schwedischen Volksgesundheitsinstituts kostet jeder Raucher seinen Arbeitgeber im Jahr mehr als 3500 EUR zusätzlich. Im Schnitt summierten sich die Raucherpausen täglich auf eine halbe Stunde der Arbeitszeit.

 

BDA: Gesetzliche Regelungen reichen aus

Eine gesetzliche Regelung des Nichtraucherschutzes über das bereits geltende Maß hinaus ist nach Ansicht der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) dennoch unnötig. "Entscheidungen über Rauchverbote und den Nichtraucherschutz muss jedes Unternehmen selbst treffen", teilte der Verband mit. Wie der Nichtraucherschutz in den Betrieben umgesetzt werde, solle auch künftig von Betriebsrat und Arbeitgeber bestimmt werden.

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