1

17.04.2015 | Serie Erkrankung eines Kindes

Unbürokratische Berechnung des Kinderkrankengeldes

Serienelemente
Kinderkrankengeld zählt zu den Entgeltersatzleistungen
Bild: iStockphoto

Seit das Kinderkrankengeld neu berechnet wird, werden die notwendigen Verdienstangaben von den Arbeitgebern im Papierverfahren übermittelt. An der erneuten maschinellen Umsetzung wird derzeit unter Hochdruck gearbeitet.

Seit Anfang des Jahres müssen, sozusagen im Retrostyle, die Verdienstbescheinigungen von den Arbeitgebern wieder "per Hand" gefüllt werden. Diese notwendige Übergangsmaßnahme soll jedoch schnellstmöglich wieder der Vergangenheit angehören. Der Datensatz befindet sich deshalb bereits in der Endabstimmung: Die Umsetzung wird zum 1.1.2016 avisiert.

Umstellung bei künftiger Meldung des Kinderkrankengeldes

Wie auch bei den vorherigen Versionen des Datenaustausches, wird sich fachlich in der Arbeitsgruppe „Kommentierung des Datenaustausches Entgeltersatzleistungen“ mit den Auswirkungen im Datensatz auseinandergesetzt. Hierzu beraten Vertreter der Arbeitgeber, Softwareersteller und Sozialversicherungsträger, wie der Datensatz anzupassen ist. Eine möglichst einfache und wenig bürokratische Umsetzung ist das Ziel. Focus ist daher die kurzfristige Umsetzung der Neuerungen zum Kinderkrankengeld und Hilfestellung bei der Umsetzung der Details.

Details der Vordruckerläuterungen bedürfen der Überarbeitung

In den Beratungen kristallisierte sich schnell heraus, dass die vom Gesetzgeber gewählte Formulierung „tatsächlich ausgefallenes Arbeitsentgelt“ schwieriger umzusetzen ist, als vorab gedacht. So berichteten die Arbeitgebervertreter über Schwierigkeiten bei der Ermittlung der geforderten Beträge. Die bisher in den Vordruckerläuterungen enthaltene Definition musste deshalb überprüft und den praktischen Bedürfnissen angepasst werden.

Tatsächlich ausgefallenes Bruttoarbeitsentgelt

Basis der Beitragsberechnung aus dem Kinderkrankengeld ist das während der Freistellung tatsächlich ausgefallene Bruttoarbeitsentgelt. Grundsätzlich erscheint dies einfach, jedoch insbesondere wenn Mitarbeiter variable Lohnbestandteile wie Überstunden oder Provisionen erhalten und die steuerliche Progression greift, ergeben sich Schwierigkeiten.

Um den Arbeitgebern eine bekannte Größe als Berechnungsbasis zu geben, orientiert sich das während der Freistellung ausgefallene Bruttoarbeitsentgelt am Sozialversicherungs-Bruttoarbeitsentgelt nach der Entgeltbescheinigungsverordnung. Zusätzlich müssen jedoch die bekannten Besonderheiten wie z. B. Nichtanwendung der Gleitzone und Beitragsbemessungsgrenze beachtet werden. Diese treten bereits beim normalen Krankengeld auf.

Das ausgefallene Bruttoarbeitsentgelt ergibt sich demnach aus dem SV-Brutto, welches der Arbeitnehmer ohne die Freistellung wegen des kranken/verletzten Kindes erzielt hätte, abzüglich dem SV-Brutto, welches dem Arbeitnehmer aufgrund der Kinderkrankung gekürzt zusteht (Brutto 2).

Bei der Bestimmung des ausgefallenen Arbeitsentgelts wird wie bisher bei gleichbleibendem Monatsentgelt/Stundenlohn auf das vertraglich vereinbarte Arbeitsentgelt abgestellt.

Umgang mit variablen Entgeltbestandteilen

Werden zusätzlich variable Entgeltbestandteile gezahlt, wie z. B. Überstunden oder Provisionen oder ein schwankendes Monatsentgelt, hilft das ggf. vorliegende vertragliche vereinbarte Arbeitsentgelt nicht weiter. Können die variablen Bestandteile nicht exakt bestimmt werden, war in den Vordruckerläuterungen der Durchschnitt der letzten 3 Monate vorgesehen. Dies gestaltete sich oft sehr umständlich. Deshalb soll zukünftig auf die im Entgeltfortzahlungsgesetz vorgesehene Durchschnittsberechnung für Entgeltfortzahlung bei Arbeitsunfähigkeit abgestellt werden. Hierdurch wird den individuellen arbeits- und tarifvertraglichen Regelungen Rechnung getragen. Auch Einzelfälle können so geregelt werden.

Bestimmung des ausgefallenen Nettoarbeitsentgelts

Aufgrund der steuerlichen Progression kann das Nettoarbeitsentgelt nicht einfach aus dem ausgefallenen Bruttoarbeitsentgelt bestimmt werden. Um diese Besonderheit  abbilden zu können, muss daher ein Nettoarbeitsentgelt aus dem Brutto 1 und aus dem Brutto 2 ggf. auch fiktiv ermittelt werden. Zieht man das Netto 2 vom Netto 1 ab, so ergibt sich hieraus das ausgefallene Nettoarbeitsentgelt.

Praxis-Tipp: Da das Thema Kinderkrankengeld schwer abzuwickeln ist und sich bei der Anwendung oft weitere Fragen ergeben, wurde vom GKV-Spitzenverband eine umfangreiche Kommentierung zum Datenaustausch Entgeltersatzleistungen (Anlage 4) erstellt. Darin wird ausführlich zu jedem Feld erläutert, was hier gefordert ist und mit Beispielen (Anlage 5) leichter nachvollziehbar. Wer immer auf dem aktuellsten Stand sein will, kann unter www.gkv-datenaustausch.de immer die neuesten Informationen abrufen und einen Blick auf die neue Version 8 des Datenaustausches riskieren.

Diese Artikel könnten Sie ebenfalls interessieren:

Ab 1.1.2015 geänderte Berechnung des Kinderkrankengeldes

Mehr Väter beantragen Kinderkrankengeld

Haufe Online Redaktion

Kinderkrankengeld, Krankengeld, Entgeltbescheinigung, Entgeltfortzahlung

Aktuell

Meistgelesen