31.07.2012 | Serie Wie Sie Azubis rechtssicher beschäftigen

Stellenanzeigen: Wie Sie Fehler vermeiden

Serienelemente
Stellenanzeigen sollten auch für Azubis emotionaler gestaltet sein.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt hat sich in den vergangen Jahren dramatisch verändert: Potenzielle Azubis sind Kunden, um die Ausbildungsbetriebe werben müssen. Stellenanzeigen für Azubis werden dieser Anforderung derzeit aber nur zu einem geringen Teil gerecht. Unsere Expertin gibt Tipps.

In Stellenanzeigen geht es heute vor allem darum, die passenden Azubis für das eigene Ausbildungsangebot zu begeistern. Hier gilt es bei allen Abschnitten der Stellenanzeige (Ausbildungsinhalte, Unternehmen, Anforderungen, Angebote) Highlights herauszustellen. Die Zielgruppe liest nicht sonderlich gerne viel. Darauf sollten Ausbildungsbetriebe Rücksicht nehmen und ihre Stellenanzeigen kompakt formulieren. Die Ausbildungsanzeige ist heute im Idealfall ein überzeugender Teaser, der Antworten auf die wichtigsten Bewerberfragen (siehe Tabelle) überzeugend skizziert und auf ausführliche Informationen im Internet verlinkt. Dort können Betriebe dann zum Beispiel die Azubis in selbst gedrehten Videos zu Wort kommen lassen und so etwa die Inhalte einzelner Ausbildungen detaillierter beschreiben.

Bewerber-Fragen an Ausbildungsbetriebe 

Bewerberfrage

Abschnitt der Azubi-Anzeige

Wer sucht nach mir? Was macht das Unternehmen? In welcher Branche ist es tätig?

Unternehmensdarstellung

Was soll ich dort machen, was werde ich wie lernen?

Aufgabenbeschreibung/Ausbildungsinhalte

Bin ich der Richtige für diese Ausbildung? Bringe ich die notwendigen Voraussetzungen mit?

Anforderungsprofil

Warum sollte ich mich ausgerechnet für dieses Ausbildungsangebot entscheiden?

Bieten-Zeile

Wie kann ich mich bewerben? An wen richte ich meine Fragen?

Kontaktzeile

Fachchinesisch für Anfänger

Gelingt das Ausbildungsbetrieben? Ein Blick auf aktuelle Online-Stellenanzeigen für Azubis, zeigt: Die Sprache ist oftmals nicht zielgruppengerecht. Besonders häufig finden sich Sprachelemente aus dem Fachchinesischen im Unternehmensporträt, das meist nicht an die Zielgruppen der künftigen Auszubildenden angepasst wird.

In einigen Azubi-Anzeigen werden zudem ungeprüft Versatzstücke aus dem Personalmarketing für andere Zielgruppen eingesetzt: "Life-Balance" ist nicht unbedingt ein Begriff, mit dem 18-Jährige etwas anfangen können, die sich für die Ausbildung zum Steuerfachangestellten interessieren.

Fehlende Emotionalität und Informationslücken

Noch zu viele Angebote sind zudem lieblos formuliert, eine emotionale Ansprache findet nicht statt – darauf deutet auch die hohe Anzahl von Anzeigen hin, die ganz ohne Bilder auskommen. Zudem fehlen wichtige Informationen: Die Beschreibung der Tätigkeit und Ausbildungsinhalte wird schlichtweg vergessen oder lieblos mit drei Punkten in einer Aufzählung abgehakt. Oft erhalten die Bewerber lediglich die Information, dass sie für die nicht näher beschriebene Aufgabe "verschiedene Abteilungen im Haus" durchlaufen.

Mangelnde Verkaufsorientierung

Am häufigsten vergessen Ausbildungsbetriebe, das Plus an ihrer Ausbildung schmackhaft zu machen und ihre Azubis von morgen zu umwerben. In sehr vielen Anzeigen glänzt ein solcher Angebots-Abschnitt durch Abwesenheit. Oder das in diesen Anzeigenpassagen unterbreitete Angebot ist allgemein und austauschbar wie bei diesem IT-Unternehmen: "Wir bieten Ihnen eine interessante und vielseitige Ausbildung und einen Job mit Zukunftsperspektive."

Kaum Alleinstellungsmerkmale

Ein echtes Alleinstellungsmerkmal ist in den wenigsten Anzeigen für Azubis zu erkennen. Einen Ansatz dazu kann etwa die Branche bieten. Das macht sich der Betreiber von Seniorenresidenzen zunutze, der den Altenpfleger-Azubis in einer Anzeige den "Berufsstart in einer sicheren Zukunftsbranche" verspricht. Aber auch die Ausbildungsinhalte sowie die Qualität der Ausbildung bieten sich zur Formulierung eines Alleinstellungsmerkmals an: Ein interner IT-Dienstleister lockt mögliche Interessenten für die Ausbildung zum Informatikkaufmann mit der Einbindung „in anspruchsvolle unternehmensweite IT-Projekte", "ausführlichen Schulungen" und einer "intensiven Vorbereitung auf die Abschlussprüfung". Eine Einzelhandelskette wird da noch konkreter: „Bei den Abschlussprüfungen liegen unsere Azubis regelmäßig vorn." 

Autorin: Felicia Ullrich, Geschäftsführerin U-Form Verlag

Schlagworte zum Thema:  Stellenanzeige, Ausbildung, Recruiting, Auszubildende

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