| Arbeitsrecht

Royal Wedding: Im Büro vor dem Bildschirm live miterleben?

Am 29. April sitzen Millionen von Menschen vor dem Fernseher und verfolgen die Hochzeit des Jahrzehnts zwischen William und Kate. Wer arbeiten muss, hat Pech gehabt? Oder darf man das Ja-Wort im Büro vor dem Bildschirm oder dem Radio miterleben?

Wer das "Yes" zwischen Prinz William und Kate Middleton in der Westminster Abbey während der Arbeitszeit medial live erleben möchte, sollte vorher mit seinem Chef sprechen.

Denn ansonsten könnte er ein "No" vom Arbeitgeber hören und sich eine Abmahnung einhandeln.

 

Kein Anspruch auf das Ja-Wort live im Büro

Einen Anspruch auf das Verfolgen eines medialen Großereignisses am Arbeitsplatz haben Arbeitnehmer grundsätzlich nicht. Hauptleistungspflicht des Arbeitnehmers aus dem Arbeitsvertrag ist die Erbringung der geschuldeten Arbeitsleistung. Er muss deshalb alles unterlassen, was seine Arbeitsleistung beeinträchtigt. Tut er dies nicht, verletzt er seine Arbeitspflicht und riskiert eine Abmahnung durch den Arbeitgeber.

 

Fernsehen muss grundsätzlich aus bleiben

Deshalb dürfen Arbeitnehmer ohne Erlaubnis des Arbeitgebers in der Regel während der Arbeitszeit auch keine royale Hochzeit im Fernsehen verfolgen. Denn wer fern sieht, wird durch den optischen Reiz so stark abgelenkt, dass er sich nicht mehr auf seine Tätigkeit konzentrieren kann. Und optische Reize und Ablenkung versprechen alleine das bislang wohl gehütete Geheimnis des Hochzeitskleids.

Rechtlich anders ist übrigens die Lage, wenn es ansonsten am Arbeitsplatz erlaubt ist, den Fernseher anzuschalten.

 

Radio verfolgen ist möglich

Dagegen ist beim Radiohören je nach Tätigkeit vorstellbar, dass man einerseits zuhören und andererseits weiterarbeiten kann. Deshalb hat das Bundesarbeitsgericht (BAG, Beschluss v. 14.1.1986, 1 ABR 75/83) entschieden, dass Radiohören am Arbeitsplatz erlaubt ist, vorausgesetzt,

- der Arbeitnehmer erledigt seine Aufgaben konzentriert, zügig und fehlerfrei, und

- stört mit den Radiogeräuschen weder Kollegen noch Kunden.

Der Arbeitgeber kann das Radiohören dennoch verbieten. Er muss allerdings das Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats nach § 87 Abs. 1 Nr. 1 BetrVG beachten.

 

Arbeitnehmer müssen "Hochzeits"-Urlaub beantragen

Arbeitnehmer haben selbstverständlich keinen Anspruch auf Sonderurlaub. Auch wenn das britische Königshaus durch und durch deutsche Wurzeln und Vorfahren hat und die Hochzeit quasi historisch betrachtet als nationales Familienereignis interpretiert werden kann, so ist die Hochzeit dennoch kein wichtiger Grund für eine "vorübergehende Arbeitsverhinderung" im Sinne des § 616 BGB. Eine Freistellung von der Arbeit ist nur bei der eigenen Hochzeit, die der Kinder oder bei der Goldenen Hochzeit der Eltern möglich.

Anglophile, royalistische Arbeitnehmer müssen daher Erholungsurlaub in Anspruch nehmen, wenn Sie am morgigen Hochzeitstag frei haben möchten.

 

Empfehlung: Absprache zwischen Chef und Mitarbeitern

Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollten besprechen, was während der Liveübertragung am Arbeitsplatz erlaubt ist und was nicht. Ist der Arbeitgeber mit der Nutzung von Fernsehen etc. einverstanden, muss er dies grundsätzlich allen Arbeitnehmern erlauben. Etwas anderes gilt jedoch, wenn die Arbeitssituation in einzelnen Abteilungen sehr unterschiedlich ist. So kann der Arbeitgeber zum Beispiel einem Bankmitarbeiter am Schalter das Verfolgen der Hochzeit am Fernseher oder am Radio verbieten und es anderen Mitarbeitern erlauben, die in einem Büro ohne Kundenkontakt arbeiten.

 

Ein Trost bleibt

Ein Trost dürfte da für manche sein, dass die Hochzeitsmesse um 12.00 Uhr deutscher Zeit beginnen soll. Dann ist für viele schließlich Zeit für eine Mittagspause.

Aktuell

Meistgelesen