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30.10.2012 | Serie Nebenjob: Wenn der Mitarbeiter zwei Chefs hat

Nebenjob und Lohnsteuer

Serienelemente
Zusatzverdienst durch Nebenjob
Bild: Haufe Online Redaktion

Die lohnsteuerliche Behandlung von Neben- und Minijobs knüpft in vielen Bereichen an die sozialversicherungsrechtliche Behandlung an, weist aber auch einige Besonderheiten auf.

Der Arbeitslohn aus einem Nebenjob ist grundsätzlich steuerpflichtig. Die Steuer kann einerseits nach den individuellen (elektronischen) Lohnsteuermerkmalen berechnet werden. Dabei wird die Lohnsteuer regelmäßig nach der Steuerklasse VI ermittelt, in der bereits schon bei vergleichsweise geringen Arbeitslöhnen Steuern anfallen. Beträgt der Arbeitslohn aus einem oder mehreren Nebenjobs nicht mehr als derzeit 400 EUR bzw. ab nächstem Jahr 450 EUR, kann er alternativ mit einem Steuersatz von 2 % oder in einigen Fällen mit einem Steuersatz von 20 % pauschal besteuert werden.

Einheitliche Pauschsteuer von 2 %

Der Arbeitgeber kann die Lohnsteuer mit einem einheitlichen Pauschsteuersatz in Höhe von 2 % des Arbeitsentgelts erheben, wenn er für seinen geringfügig beschäftigten Arbeitnehmer den Pauschalbeitrag zur Rentenversicherung entrichtet (§ 40a Abs. 2 EStG). Diese Pauschsteuer umfasst auch den Solidaritätszuschlag sowie die Kirchensteuer (unabhängig von der Religionszugehörigkeit des Arbeitnehmers). 

Voraussetzung für die Anwendung des einheitlichen Pauschsteuersatzes von 2 % ist, dass

  • das regelmäßige Arbeitsentgelt im Sinne der Sozialversicherung 400 EUR monatlich nicht übersteigt (ab 2013: 450 EUR) und

  • der Arbeitgeber im jeweiligen Lohnzahlungszeitraum pauschale Beiträge zur Rentenversicherung zu entrichten hat (bei Beschäftigungen in Privathaushalten 5 % und bei anderen Beschäftigungen 15 %; Aufstockungsbeiträge zur Rentenversicherung sind unschädlich).

Einzug durch die Minijob-Zentrale: Die einheitliche Pauschsteuer von 2 % wird beim Arbeitgeber zusammen mit den Sozialversicherungsbeiträgen von der Minijob-Zentrale eingezogen, eine Abrechnung mit dem Finanzamt ist nicht nötig.

Lohnsteuerpauschalierung mit 20 %

Sind für eine geringfügig entlohnte Beschäftigung keine pauschalen Beiträge zur Rentenversicherung (ggf. mit Aufstockungsbeiträgen) zu zahlen (insbesondere weil die Beschäftigung mit einer weiteren geringfügig entlohnten Beschäftigung zusammenzurechnen ist, deshalb in der Rentenversicherung Versicherungspflicht besteht und Regelbeiträge gezahlt werden), ist die Erhebung der zweiprozentigen Pauschsteuer nicht mehr möglich. In diesen Fällen besteht die Möglichkeit, die Lohnsteuer mit einem Pauschalsteuersatz von 20 % zu erheben (§ 40a Abs. 2a EStG).

Voraussetzung: Der Arbeitgeber kann die Lohnsteuer mit einem Pauschalsteuersatz von 20 % des Arbeitsentgelts erheben, wenn

  • er auf den Abruf der Lohnsteuerabzugsmerkmale verzichtet,
  • für ein geringfügiges Beschäftigungsverhältnis keine pauschalen Rentenversicherungsbeiträge entrichtet und
  • das regelmäßige Arbeitsentgelt 400 EUR monatlich nicht übersteigt (ab 2013: 450 EUR).

Zusätzlich zur Lohnsteuer werden der Solidaritätszuschlag und ggf. die Kirchensteuer erhoben. Bemessungsgrundlage ist die pauschale Lohnsteuer. Die pauschale Lohnsteuer von 20 % ist ans Finanzamt anzumelden und abzuführen. 

Besteuerung nach Lohnsteuerabzugsmerkmalen bei Überschreiten der Entgeltgrenze

Ab einem regelmäßigen Arbeitslohn(-entgelt) von monatlich 400,01 EUR ist die Lohnsteuerpauschalierung mit 2 % oder 20 % nicht mehr möglich (ab 2013: ab 450,01 EUR). Folglich hat der Arbeitgeber den Arbeitslohn nach den Lohnsteuerabzugsmerkmalen individuell zu besteuern, bei Nebenjobs regelmäßig nach der Steuerklasse VI.

Gelegentliches Überschreiten der Entgeltgrenze unschädlich: Für die Prüfung der Verdienstgrenze ist das regelmäßige Arbeitsentgelt maßgebend. Das ist das Arbeitsentgelt, auf das der Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch hat. Ein gelegentliches und nicht vorhersehbares Überschreiten der Arbeitsentgeltgrenze (z. B. unvorhersehbarer Überstunden) ist für die Pauschalierung mit 2 % oder 20 % unschädlich. Bei der Definition von «gelegentlich» wird auf die Auslegung der Sozialversicherung zurückgegriffen: als gelegentlich gilt eine Zeitdauer von nicht mehr als 2 Monaten im Jahr. Auch der Mehrverdienst kann dann mit 2 % bzw. 20 % versteuert werden. 

Haufe Online Redaktion

Lohnsteuer, Nebenjob, Minijob, Geringfügige Beschäftigung, Nebenbeschäftigung

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