12.09.2016 | Pflichtverletzung

Schadensersatz vom Verein wegen Dopingsperre?

Positiver Dopingbefund? Dafür, dass ein Profisportler eine Ausnahmegenehmigung für ein Medikament erhält, das auf der Dopingliste steht, ist der Verein nicht zuständig.
Bild: Haufe Online Redaktion

Einem Eishockey-Profi steht nach einer Dopingsperre wegen einer fehlenden erforderlichen Ausnahmegenehmigung für ein Medikament kein Schadensersatzanspruch gegen seinen Verein zu, entschied das Arbeitsgericht Düsseldorf. 

Die Einnahme von Medikamenten zur Leistungssteigerung im Sport ist verboten. Die Liste der Sportler, die des Dopings verdächtig sind oder überführt wurden, ist dennoch lang. Im vorliegenden Fall verklagte ein Eishockey-Profispieler nach einer Dopingsperre seinen ehemaligen Club auf Zahlung von Schadenersatz in Höhe von insgesamt mehr als 140.000 Euro.

Verein schadensersatzpflichtig wegen Fehlinformation?

Der gesperrte Sportler verlangte zudem vom Verein den Ersatz sämtlicher weiterer Schäden, die ihm aufgrund einer im Winter 2014/2015 gegen ihn verhängten Dopingsperre beispielsweise wegen Rufschädigung noch entstehen werden. 

Er argumentierte vor Gericht, man habe seitens des Vereins versäumt eine medizinische Ausnahmegenehmigung für ein Medikament bei der Nationalen Anti-Doping Agentur Deutschland (NADA) zu beantragen, ihn in der Folge falsch informiert und trotz Kenntnis der Einnahme des Medikaments am Spielbetrieb teilnehmen lassen. Hierdurch sei es zu einem positiven Dopingbefund gekommen, in dessen Folge er mit einer Dopingsperre belegt worden sei. 

Ärzte sind keine Erfüllungsgehilfen des Vereins

Das Arbeitsgericht Düsseldorf hat die Klage abgewiesen. In der Urteilsbegründung berief es sich darauf, dass ein etwaiges Fehlverhalten der Ärzte, bei denen der Eishockey-Profi den Antrag auf eine medizinische Ausnahmegenehmigung für ein Medikament unterzeichnet hatte, das aber wohl bei der Nationalen Anti-Doping Agentur Deutschland (NADA) nicht einging, dem beklagten Verein jedenfalls nicht zuzurechnen sei.

Die Ärzte seien insoweit keine Erfüllungsgehilfen, da es sich bei der Meldung um keine Verpflichtung handelte, die der Verein gegenüber dem Sportler zu erfüllen hatte. Die für den Fall einer Verletzung im Arbeitsvertrag vorgesehenen Klauseln zur medizinischen Betreuung seien auf den vorliegenden Sachverhalt nicht anzuwenden.

Keine schwerwiegende Pflichtverletzung des Vereins

Mangels Darlegung des Ursachenzusammenhangs zwischen behaupteter Pflichtverletzung und etwaigen Schäden kam es auch nicht darauf an, ob eine Äußerung des Geschäftsführers über den Spieler in Teilen unrichtig gewesen sein könnte. Selbst wenn die nachfolgende Behauptung des Geschäftsführers in der Öffentlichkeit, der Kläger habe sich an Absprachen mit der medizinischen Abteilung des Clubs nicht gehalten, unrichtig gewesen sei, stehe dem Sportprofi kein Schadensersatz zu.

Nach Ansicht des Gerichts habe dieser nicht dargelegt und nachgewiesen, dass dieses Fehlverhalten ursächlich für etwaige Einkommensverluste gewesen sei. Auch eine Entschädigung in Geld verneinte das Gericht mit der Begründung, es fehle bereits an einer schweren Pflichtverletzung, bei der keine Möglichkeit bestanden habe, auf andere Weise Genugtuung zu verlangen.


Die Entscheidung ist nicht rechtskräftig. Der Kläger hat die Möglichkeit, Berufung beim Landesarbeitsgericht Düsseldorf einzulegen.
Hinweis: Arbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 02.09.2016, Az. 4 Ca 7518/15

 

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Schlagworte zum Thema:  Urteil, Schadensersatz, Pflichtverletzung, Doping

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