07.04.2016 | Mindestlohn

Gestiegene Löhne, gestiegene Kosten

Die Einführung des Mindestlohns betrifft viele Jobs in Gastronomie und Einzelhandel - das schmälert die Gewinne.
Bild: Haufe Online Redaktion

Seit April 2014 sind vier Millionen Arbeitsplätze unter die Regelung durch das Mindestlohn-Gesetz gefallen. Betroffen sind insbesondere der Einzelhandel und die Gastronomie-Branche. Wie das Gastgewerbe mit den gestiegenen Kosten umgeht, hat eine Branchenumfrage untersucht.

Noch für den April 2014 – also im Vorfeld der Einführung des Mindestlohns Anfang 2015 – zählte das Statistische Bundesamt 5,5 Millionen Jobs, die geringer bezahlt wurden als der heutige Mindestlohn von 8,50 Euro je Stunde. Von dieser Zahl fielen bis heute vier Millionen Anstellungsverhältnisse – das sind 10,7 Prozent aller Jobs in Deutschland – unter die Regelung durch das Mindestlohn-Gesetz, teilte das Statistische Bundesamt jüngst mit.

Die übrigen 1,5 Millionen Jobs aus der Zählung von 2014 sind von der Mindestlohnregelung nicht betroffen, da es sich um Arbeitsverträge von Auszubildenden, Praktikanten und Beschäftigten unter 18 Jahren handelt.

Vom Minijob zum Mindestlohn

Mehr als die Hälfte - 2,2 Millionen - der Arbeitsverhältnisse, die heute mit 8,50 Euro oder mehr bezahlt werden, waren Minijobs; bei den Übrigen handelte es sich um Vollzeit- und Teilzeitstellen. Frauen machten an der Gesamtzahl der vormaligen Geringverdiener einen Anteil von 61,7 Prozent aus. Sie verdienten im April 2014 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Schnitt 7,21 Euro brutto je Stunde, die betroffenen Männer etwas weniger, nämlich 7,18 Euro.

Nach den Daten vom April 2014 wären, so die Statistiker aus dem Bundesministerium, durch die Einführung des Mindestlohns geschätzt 431 Millionen Euro mehr Bruttolohn monatlich ausgezahlt worden, davon 58 Prozent an Frauen.

Mehrkosten speziell für Einzelhandel und Gastronomie

Gerade der Einzelhandel sowie die Gastronomie sind in besonderem Maße von der Einführung des Mindestlohns betroffen. Für den Gastronomiebereich kam etwa eine qualifizierte Branchenumfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) unter bundesweit knapp 5.000 Betrieben zum Ergebniss, dass fast drei Viertel (74,0 Prozent) der befragten Gastgewerbe seit 1. Januar 2015 Personalkostensteigerungen verzeichnet hätten. Zusätzlich seien, so die Befragungsergebnisse, bei einer Mehrheit der Betriebe (67,1 Prozent) die Kosten für Lieferanten und Dienstleiter gestiegen.

Maßnahmen zur Kostenkontrolle

Wie die Gastronomie auf die gestiegenen Kosten reagiert, geht ebenfalls aus der Dehoga-Umfrage hervor: Die drei am häufigsten genannten Maßnahmen seien geänderte Dienstpläne (51 Prozent), höhere Preise (49,9 Prozent) und eingeschränkte Öffnungszeiten (35,8 Prozent).

"Das Stimmungsbild macht eine überaus große Betroffenheit unserer Branche deutlich", gibt Dehoga-Präsident Ernst Fischer zu verstehen. "Der Mindestlohn hat die Kosten und den bürokratischen Aufwand in die Höhe getrieben – beides ist Gift für unsere Investitions- und Wachstumsstärke.", ist die Warnung des Gastronomen.  

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Schlagworte zum Thema:  Mindestlohn, Personalkosten, Gastronomie

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