11.12.2015 | Serie Jahreswechsel 2015/2016

Midijobber zahlen ab 1. Januar 2016 geringere Beiträge

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Der Faktor F führt für Midijobs in 2016 zu geringeren Arbeitnehmerbeiträgen
Bild: Haufe Online Redaktion

Bei einem Entgelt von 450,01 EUR bis 850 EUR spricht man von einem Midijob. Die Höhe der Beitragsbelastung für Midijobber orientiert sich am Faktor F. Dieser reduziert sich ab 1. Januar 2016, was positiv auf die Beitragsbelastung des Arbeitnehmers wirkt.

Das beitragspflichtige Arbeitsentgelt in der sogenannten Gleitzone wird über eine aufwendige Formel ermittelt. Diese Arbeit erledigen heute komfortable Gleitzonen-Rechner. Wesentlicher Parameter der Formel ist der Faktor F, der sich an der Höhe des Gesamtsozialversicherungsbeitrags orientiert.

Ermittlung des Faktors F

Der Faktor F berechnet sich wie folgt: Der Wert 30 % wird durch den Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz des Kalenderjahres geteilt, in dem Anspruch auf das Arbeitsentgelt entstanden ist. Für Entgeltabrechnungszeiträume ab 1. Januar 2016 gilt deshalb:

Allgemeiner Beitragssatz KV: 14,60 %
Durchschnittlicher Zusatzbeitragssatz KV: 1,10 % (2015: 0,9 %)
Beitragssatz RV: 18,70 %
Beitragssatz AV: 3,00 %
Beitragssatz PV: 2,35 %
Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz: 39,75 % (2015: 39,55 %)
Faktor F (30:39,75): 0,7547 (2015:0,7585)

Berechnung der Beiträge für Midijobs in drei Schritten

Die gekürzte Gleitzonenformel für das Jahr 2016 lautet:

1,2759625 x AE - 234,568125
Der Gesamtsozialversicherungsbeitrag ist von der reduzierten beitragspflichtigen Einnahme zu zahlen, die nach der Gleitzonenformel in den folgenden drei Schritten errechnet wird.

1. Berechnung des Gesamtbeitrags für jeden Versicherungszweig

Der Beitrag wird durch die Anwendung des halben Beitragssatzes auf die beitragspflichtige Einnahme und anschließender Verdoppelung des gerundeten Ergebnisses ermittelt. Darüber hinaus sind

  • der Zusatzbeitrag in der Krankenversicherung und
  • der Beitragszuschlag in der Pflegeversicherung bei Kinderlosigkeit von 0,25 %

jeweils durch Anwendung des Zusatzbeitragssatzes bzw. des Beitragszuschlags auf die reduzierte beitragspflichtige Einnahme gesondert zu berechnen. Dann werden diese Beträge dem ermittelten Arbeitnehmerbeitragsanteil hinzugerechnet. Das klingt zunächst kompliziert, ist anhand von Zahlen und mit dieser Formel aber gut nachvollziehbar.

2. Berechnung des Arbeitgeberanteils

Der Arbeitgeberbeitragsanteil zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung wird grundsätzlich jeweils durch Anwendung des halben Beitragssatzes auf das der Beschäftigung zugrunde liegenden Arbeitsentgeltes ermittelt. Der Zusatzbeitrag in der Krankenversicherung sowie der Kinderzuschlag in der Pflegeversicherung werden dabei nicht berücksichtigt. Ausnahmen davon können sich ergeben. Sie treten z. B.  für die Pflegeversicherung auf, wenn der Arbeitgeber bei einem Beschäftigungsort in Sachsen eine geringere Beitragsbelastung hat oder auch in der knappschaftlichen Rentenversicherung, wenn der Arbeitgeber einen höheren Beitragssatz zu tragen hat.

3. Berechnung des Arbeitnehmeranteils

Der Beitragsanteil des Arbeitnehmers für den einzelnen Versicherungszweig ergibt sich, indem der Arbeitgeberbeitragsanteil (Schritt 2) vom Gesamtbeitrag (Schritt 1) abgezogen wird.

Beispiel:
Arbeitsentgelt: 650 EUR
Ermittlung der beitragspflichtigen Einnahme: 1,2759625 x 650 - 234,568125 = 594,81 EUR
1. Berechnung des Gesamtbeitrags zur Rentenversicherung
594,81 EUR x 9,35 % (halber Beitragssatz) = 55,61 EUR x 2 = 111,22 EUR
2. Berechnung des Arbeitgeberanteils
650 EUR x 9,35 % = 60,78 EUR
3. Berechnung des Arbeitnehmeranteils
111,22 EUR (Gesamtbeitrag) – 60,78 EUR (AG-Beitragsanteil) = 50,44 EUR

Berechnung der Umlagen für Midijobs

Umlagen zum Ausgleich der Arbeitgeberaufwendungen bei Krankheit (U1) und Mutterschaft (U2) sowie die Insolvenzgeldumlage sind von dem Arbeitsentgelt zu berechnen. Hier ist jeweils das Entgelt maßgeblich, aus dem die Rentenversicherungsbeiträge bemessen werden. Insofern werden diese Umlagebeträge für Midijobber von der reduzierten beitragspflichtigen Einnahme ermittelt.

Achtung: Umlagebeiträge werden nicht aus der reduzierten beitragspflichtigen Einnahme für Arbeitnehmer berechnet, die ausdrücklich schriftlich gegenüber ihrem Arbeitgeber auf die Reduzierung ihres Beitragsanteils in der Rentenversicherung verzichtet haben. In diesen Fällen werden die Umlagen - wie die Rentenversicherungsbeiträge auch - vom tatsächlichen Arbeitsentgelt berechnet.

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Schlagworte zum Thema:  Midijob, Gleitzone, Sozialversicherungsbeitrag, Faktor F, Jahreswechsel, Sozialversicherung, Entgeltabrechnung, Lohnsteuer, Arbeitsrecht

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