04.03.2016 | Lohnuntergrenze

Mindestlohn dürfte ab 2017 erhöht werden

Mindestlohn von 8,50 Euro: Steigt die Lohnuntergrenze bald auf neun Euro an?
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Wie hoch der Mindestlohn ab dem kommenden Jahr sein soll, das bestimmt eine unabhängige Kommission. Stand heute dürfte sich die Lohnuntergrenze aber in jedem Fall erhöhen, immerhin stieg der sogenannte Mindestlohnbarometer bereits um 2,6 Prozent. Gewerkschaften plädieren sogar für neun Euro.

Beim gesetzlichen Mindestlohn von derzeit 8,50 Euro zeichnet sich eine deutliche Erhöhung zum kommenden Jahr ab. Das liegt an der starken Entwicklung des monatlichen Tarifindexes, der laut Gesetz als Barometer für die alle zwei Jahre anstehende Anpassung der Lohn-Untergrenze herangezogen werden muss. In den 14 Monaten seit Einführung des Mindestlohns sind die tariflichen Stundenverdienste bis einschließlich Februar um 2,6 Prozent gestiegen, wie das Statistische Bundesamt nun berichtete.

Mindestlohnhöhe: Kommission entscheidet Mitte des Jahres

Die tatsächliche Erhöhung des Mindestlohns dürfte noch höher ausfallen, weil die mit Arbeitgebern und Gewerkschaften paritätisch besetzte Mindestlohn-Kommission die Entwicklung bis zur Jahresmitte abwarten kann und zudem die Entwicklung für die zweite Jahreshälfte 2016 hochrechnen wird. Zudem sollen vor der Mindestlohnempfehlung an das Bundesarbeitsministerium auch konjunkturelle Entwicklungen berücksichtigt werden. Eine Erhöhung um beispielsweise vier Prozent würde ab dem 1. Januar 2017 zu einem Stunden-Mindestlohn von 8,84 Euro führen.

Bereits Ende Januar hat Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles von der unabhängigen Mindestlohnkommission eine Weichenstellung hin zu einer Erhöhung der Lohnuntergrenze erwartet. Die Kommission berate nun "über die erste Erhöhung, hoffe ich", sagte Nahles damals bei einer Tagung zum Mindestlohn vor Gewerkschaftsvertretern. Sie denke, "dass es wahrscheinlich ist", ergänzte sie mit Blick auf eine mögliche Erhöhung. Zugleich betonte Nahles, sie sei froh, dass nicht sie und die Politik über den Schritt entscheiden müssten.

Bald Mindestlohn von neun Euro?

Zudem plädierten damals bereits gewerkschaftsnahe Forscher für eine Erhöhung des Mindestlohns von 8,50 auf mindestens neun Euro. Eine Erhöhung auf neun Euro ergebe sich, wenn man wie gesetzlich vorgesehen die Tarifentwicklung zugrundelege, sagte Thorsten Schulten, Experte des Instituts WSI der Hans-Böckler-Stiftung. Geprüft werden müsse auch, ob eine solche Höhe für die Arbeitnehmer tatsächlich ausreiche.

Andrea Kocsis vom Bundesvorstand der Gewerkschaft Verdi bekräftigte sogar die Forderung nach zehn Euro Mindestlohn. Man müsse überall in Deutschland vom Lohn leben können, ohne auf Sozialleistungen angewiesen zu sein.

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