14.08.2012 | Serie Wie Sie Azubis rechtssicher beschäftigen

Lohnsteuerabzug bei Auszubildenden

Serienelemente
Auskünfte bei den Azubis anfordern
Bild: Haufe Online Redaktion

In wenigen Wochen beginnt der neue Ausbildungsjahrgang. Für viele Azubis bedeutet das auch den erstmaligen Kontakt mit der Lohnsteuer. Damit für Arbeitgeber, Azubis und natürlich auch für deren Eltern steuerlich nichts daneben geht, geben wir Ihnen in dieser Serie alle wichtigen Informationen an die Hand und beantworten die häufigsten Zweifelsfragen.

Grundlagen

Die meisten Ausbildgänge werden im Rahmen eines Ausbildungsdienstverhältnisses absolviert. Dies bedeutet, dass der Auszubildende vom jeweiligen Arbeitgeber im Rahmen eines Anstellungsvertrags ausgebildet wird. Er oder sie erzielt damit Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit. Die gewährte Ausbildungsvergütung unterliegt dem Lohnsteuerabzug.

In steuerlicher Hinsicht bestehen keine Besonderheiten. Die Ausbildungsvergütung ist wie bei anderen Arbeitnehmern als laufender Arbeitslohn zu besteuern. Der Arbeitgeber des Auszubildenden hat dessen individuelle Lohnsteuerabzugsmerkmale dem Lohnsteuerabzug zugrunde zu legen.

Gibt es noch eine Lohnsteuerkarte?

Für den Lohnsteuerabzug in 2012 gelten - wegen des verspäteten Starts der elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale - grundsätzlich noch immer die (letzten) Lohnsteuerkarten aus 2010. Diese liegen aber bei vielen Azubis nicht vor.

Viele Arbeitgeber fordern daher, dass sich die Auszubildenden dann eine sog. „Ersatzbescheinigung“ beim Finanzamt besorgen müssten. Dies ist jedoch nicht zwingend erforderlich. Nach dem Einkommensteuergesetz kann ein Arbeitgeber bei einem Auszubildenden, der bei ihm im Laufe des Jahres 2012 ein Ausbildungsverhältnis als erstes Dienstverhältnis beginnt, auf die „Bescheinigung für den Lohnsteuerabzug 2012“ verzichten und die Lohnsteuer – trotz nicht vorgelegter Lohnsteuerkarte und Ersatzbescheinigung – nach der Steuerklasse I ermitteln (vgl. § 52b Abs. 4 EStG). Diese Lohnsteuerklasse ist für unverheiratete Steuerzahler gedacht, die zudem nicht Alleinerziehend sind und kommt für die meisten Auszubildenden in Betracht.

Damit aber der Lohnsteuerabzug ohne besondere Dokumente zu lässig ist, muss der Auszubildende seinem Arbeitgeber allerdings

-              seine Steuer-Identifikationsnummer,

-              seinen Geburtstag und

-              die Zugehörigkeit zu einer steuererhebenden Religionsgemeinschaft mitteilen

-              sowie schriftlich bestätigen, dass es sich um das erste Dienstverhältnis handelt.

Der Arbeitgeber hat die Erklärung des Auszubildenden als Beleg zum Lohnkonto aufzubewahren.

Hintergrund für die vorstehende Vereinfachungsregelung ist, dass für Ausbildungsvergütungen in vielen Fällen nur eine geringe oder gar keine Lohnsteuer anfällt. Die steuerlichen Frei- und Pauschbeträge führen nämlich dazu, dass in der Steuerklasse I derzeit erst ab einem Arbeitslohn von mehr als jährlich 10.863 EUR Lohnsteuer anfällt.

Tipp: Wer seine Identifikationsnummer nicht oder nicht mehr kennt, kann diese beim Bundeszentralamt für Steuern und folgendem Link erneut anfordern:        
https://www.bzst.de/DE/Steuern_National/Steueridentifikationsnummer/ID_Eingabeformular/ID_Node.html

Was ist mit Azubis aus dem Ausland?

Das deutsche Steuerrecht unterscheidet zwischen unbeschränkt und nur beschränkt steuerpflichtigen Personen andererseits. Wenn ein Auszubildender in Deutschland seinen Wohnsitz hat – oder sich länger als 6 Monate in Deutschland aufhält – ist er stets unbeschränkt steuerpflichtig. Die Staatsangehörigkeit spielt dabei keine Rolle. Wenn ein Ausländer für seine gesamte Berufsausbildung nach Deutschland kommt, führt dies regelmäßig zur unbeschränkten Steuerpflicht. Der Arbeitgeber kann den Lohnsteuerabzug nach den individuellen Lohnsteuerabzugsmerkmalen bzw. nach der vorstehenden Vereinfachungsregelung durchführen.

Etwas anders gilt für beschränkt steuerpflichtige Auszubildende. Solche Fälle sind insbesondere im Grenzgebiet denkbar (Wohnsitz in der Schweiz oder in den Niederlanden, Ausbildung in Deutschland). Sie benötigen jährlich neu eine Lohnsteuerabzugsbescheinigung, die alle für den Lohnsteuerabzug durch den Arbeitgeber erforderlichen Besteuerungsmerkmale enthält. Diese besondere Bescheinigung für den Lohnsteuerabzug bei beschränkt steuerpflichtigen Arbeitnehmern wird auf Antrag von dem für den Arbeitgeber zuständigen Betriebsstätten-Finanzamt ausgestellt.

Schlagworte zum Thema:  Lohnsteuerabzug, Auszubildende

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