15.03.2011 | Arbeitsrecht

Serie: Kleiderordnung im Betrieb - Schwarze Dessous verboten, schwarze Fingernägel erlaubt

Was Arbeitnehmer tragen dürfen und was der Arbeitgeber verbieten darf, spielt in vielen Betrieben eine wichtige Rolle. In einem aktuellen Fall wurde sogar die Farbe der Fingernägel geregelt. Was geht, welche Regelung geht zu weit? Der Arbeitsrechtsexperte Dr. Marc Spielberger von Beiten Burkhardt erläutert die wichtigsten Grundsätze.

Mit dem Erscheinungsbild seiner Mitarbeiter ist nicht jeder Arbeitgeber immer einverstanden. Deswegen gibt es in einigen Unternehmen Kleiderordnungen.

 

Wann geht die Kleiderordnung zu weit?

Doch sind immer alle Vorgaben tatsächlich wirksam oder gehen manche vielleicht zu weit? Das LAG Köln befasste sich aktuell mit diesem Thema (Beschluss vom 18.8.2010, 3 TaBV 15/10).

Es ging hierbei um Fluggastkontrolleure am Flughafen. Der Arbeitgeber erließ für diese eine Dienstkleiderordnung. Der Betriebsrat wandte sich dagegen und machte insbesondere auch eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts der Beschäftigten geltend.

 

Die Kleiderordnung sah für weibliche Beschäftigte unter anderem vor:

- Das Tragen von Unterwäsche unter der Dienstkleidung ist vorgeschrieben.

- Die Unterwäsche ist in weiß oder in Hautfarbe zu tragen. Anders farbige Unterwäsche darf in keiner Form durchscheinen.

- Fingernägel sind einfarbig und in maximaler Länge von 0,5 cm über der Fingerkuppe zu tragen.

 

Für männliche Beschäftigte war vorgeschrieben:

- Haare sind immer sauber, niemals ungewaschen oder fettig wirkend zu tragen.

- Bei Haarfärbungen sind lediglich natürlich wirkende Farben gestattet.

- Das Tragen von künstlichen Haaren oder Einflechtungen ist grundsätzlich nicht gestattet, wenn es die Natürlichkeit der Haarpracht beeinträchtigt.

 

Grundsatz: Auf die Interessenabwägung kommt es an!

Klar ist, dass Kleiderordnungen immer einen Eingriff in das grundrechtliche geschützte allgemeine Persönlichkeitsrecht der Arbeitnehmer darstellen. Der jeweilige Eingriff muss verhältnismäßig sein. Das Interesse des Arbeitgebers an einem einheitlichen Erscheinungsbild ist abzuwägen mit dem Bedürfnis der Beschäftigten nach persönlicher Identität und selbst bestimmten Aussehen.

 

Entscheidend: Das Arbeitsumfeld der betroffenen Mitarbeiter

Es kommt bei Kleiderordnungen maßgeblich darauf an, in welchem Arbeitsumfeld der betroffene Mitarbeiter tätig ist. Für Mitarbeiter, die in der Öffentlichkeit das Unternehmen repräsentieren und/oder im Kundenkontakt stehen, dürfen grundsätzlich weiterreichende Einschränkungen vom Arbeitgeber gemacht werden als für Mitarbeiter, die ohne Außenkontakt nur im Betrieb tätig sind. Fingernägel dürfen beliebig farbig, aber nicht beliebt lang sein.

Nach Ansicht des LAG Köln kann selbst bei im direkten Kundenkontakt stehenden Mitarbeitern keine Vorgaben bezüglich der Fingernagelfarbe von Arbeitnehmerinnen gemacht werden. Ein einheitliches Erscheinungsbild leidet hierunter nicht. Anders kann es hinsichtlich der Länge der Fingernägel sein. Zur Vermeidung von Verletzungsgefahren darf der Arbeitgeber eine maximale Länge vorschreiben. Das wird aber nur dort gelten, wo der Mitarbeiter bestimmungsgemäß seine Hände mit anderen Personen in Berührung bringt, wie beim Abtasten von Passagieren nach unerlaubten Gegenständen, oder bei Handarbeiten in der Produktion.

 

Unterwäsche ist nicht immer Privatsache

Bei Arbeitnehmern mit Kundenkontakt darf zum einen vorgeschrieben werden, dass unter der Dienstkleidung Unterwäsche getragen werden muss, um diese zu schonen und ein ordentliches Erscheinungsbild zu gewährleisten. Außerdem kann der Arbeitgeber bestimmte Farben vorgeben bzw. vorschreiben, um die Einheitlichkeit im Erscheinungsbild zu wahren. Das heißt: Rote oder schwarze Dessous, die unter Umständen sichtbar sind, dürfen untersagt werden. Dies wird bei Mitarbeitern, die nur im Innendienst tätig sind, sicherlich weniger einschneidend geregelt werden dürfen. Die Grenze wird man hier wohl erst ziehen dürfen, wenn die Kleidung eine "obszöne" Tendenz hat und so aufreizend wirkt, dass sie den Betriebsfrieden zu stören geeignet ist.

 

Man(n) darf Toupet tragen

Es geht zu weit, wenn männlichen Arbeitnehmern bestimmte künstliche Haarteile verboten werden. Kein Mann muss also mit einer Glatze herumlaufen, sondern kann selbst bestimmen, wie seine Haargestaltung aussehen soll. Das gilt auch hinsichtlich der Farbe - "der Begriff "natürlich wirkende Farbe" ist zu unbestimmt. Der Arbeitgeber wird aber sicherlich "knallig-grelle" Farbgestaltungen wie neongelb oder pink untersagen dürfen, zumindest bei Arbeitnehmer mit Außenkontakt.

 

Gepflegtes Äußeres ist Pflicht

Der Arbeitgeber darf vorschreiben, dass Arbeitnehmer nicht mit sichtbar ungewaschenen Haaren zur Arbeit erscheinen. Gerade im Außendienst ist ein gepflegtes und ordentliches Erscheinungsbild selbstverständlich und im berechtigten betrieblichen Interesse. Einem Arbeitnehmer ist Schweißgeruch, ungewaschene Händen und einungepflegten Äußeres in der Probezeit zum Verhängnis geworden - er wurde gekündigt (Arbeitsgericht Köln, Urteil vom 25.3.2010, 4 Ca 10458/09).

Autor: Dr. Marc Spielberger, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht, Partner der Kanzlei Beiten Burkhardt in München

 

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