04.04.2013 | Kündigung

Kinder vor Hai gerettet – aber vom Arbeitgeber gekündigt

Sich erst mutig er Bestie entgegengestellt und dann den Job verloren
Bild: Haufe Online Redaktion

Der britische Urlauber, der vor kurzem in Australien Kinder vor einem Hai gerettet hat, erhielt von seinem Arbeitgeber zuhause die Kündigung. Denn er war krankgeschrieben. Wie wäre die Rechtslage in Deutschland?

Als Held gefeiert, aber den Job verloren - eine wahrhaft tragische Geschichte. Was war passiert? Der mutige Einsatz des Briten wurde zufällig von einem Fernsehteam gefilmt. So erfuhr auch der Arbeitgeber des Urlaubers, bei dem er und seine Ehefrau wegen Stresssymptomen zwei Monate krankgeschrieben waren, von der Aktion. Statt einer Belobigung bekamen die Eheleute die Kündigung wegen „Vertrauensbruch“.

Hätte der Held mit einer deutschen Staatsangehörigkeit seinen Job behalten?

 

Grundsatz: Keine Einschränkungen durch Arbeitgeber während Krankheit

Ist ein Arbeitnehmer wegen Krankheit arbeitsunfähig, besteht keine Verpflichtung zur Arbeitsleistung. Nach § 3 Entgeltfortzahlungsgesetz muss der Arbeitgeber für längstens 6 Wochen die Vergütung fortbezahlen. Der Arbeitgeber ist nicht berechtigt, vom Arbeitnehmer während der Arbeitsunfähigkeit bestimmte Verhaltensweisen zu verlangen.

Was der Arbeitnehmer außerhalb der Arbeitszeit tut, bleibt auch im Fall der Krankheit dessen private Angelegenheit. Insbesondere besteht nicht - wie häufig angenommen - ein generelles Verbot, das Haus zu verlassen, Freizeitaktivitäten durchzuführen oder abends auszugehen.

Ausnahme: Genesungswidriges Verhalten

Was der Arbeitnehmer während der Arbeitsunfähigkeit tun und lassen darf entscheidet daher in erster Linie der behandelnde Arzt. Verordnet dieser z.B. Bettruhe, verhält sich der Arbeitnehmer genesungswidrig, wenn er dennoch beim Stadtbummel erwischt wird. Sog. genesungswidriges Verhalten ist zugleich eine arbeitsrechtliche Pflichtverletzung gegenüber dem Arbeitgeber. Der Arbeitgeber hat Anspruch darauf, dass der Arbeitnehmer als Vertragspartner sich so verhält, dass er baldmöglichst wieder arbeitsfähig ist.

Erklärt sich der behandelnde Arzt dagegen - wie häufig bei psychischen Krankheitsbildern - damit einverstanden, dass Freizeitaktivitäten stattfinden, ist der Arbeitnehmer nicht verpflichtet, sich zu Hause zu „verstecken“. Gleichwohl bereitet diese Frage wegen des innerhalb der Restbelegschaft häufig bestehenden Erwartungsdrucks Probleme. Es ist dann aber Aufgabe des Arbeitgebers den anderen Arbeitnehmern zu verdeutlichen, dass aus ärztlicher Sicht der Heilungserfolg nicht beeinträchtigt wird oder sogar beschleunigt wird.

So ärgerten sich vermutlich die Arbeitskollegen der britischen Urlauber auch darüber, dass sie deren Arbeit mit erledigen mussten während diese in Australien am Strand lagen. Nach Angaben des „Haikämpfers“ hatte ihm aber sein behandelnder Arzt zu dem Urlaub geraten.

Keine Präsenzpflicht vor Ort

Es besteht ebenfalls keine Verpflichtung des Arbeitnehmers, seinen Wohnort während der Arbeitsunfähigkeit nicht zu verlassen. Entscheidend ist auch hier immer die ärztliche Beurteilung. Ist der Arzt mit einer Reise während der Arbeitsunfähigkeit einverstanden oder befürwortet diese sogar, darf der Arbeitnehmer wegfahren.

Kündigung oder Abmahnung?

Erlaubtes, nicht genesungswidriges Verhalten darf arbeitsrechtlich natürlich nicht sanktioniert werden. Nach deutschem Recht wäre daher die Kündigung der britischen Urlauber unwirksam.

Genesungswidriges Verhalten muss als arbeitsvertragliche Pflichtverletzung zunächst abgemahnt werden, bevor eine verhaltensbedingte Kündigung erfolgen kann. Nur in Ausnahmefällen bei krassen Verstößen, ist die Abmahnung entbehrlich. So wurde z.B. die außerordentliche Kündigung eines Mitarbeiters des medizinischen Dienstes für wirksam gehalten, der während seiner Arbeitsunfähigkeit wegen einer Hirnhautentzündung und damit verbundener Konzentrationsschwächen einen Skiurlaub in Zermatt abhielt und dabei während eines Skikurses schwer stürzte (BAG 2.3.2006, 2 AZR 53/05).

Schlagworte zum Thema:  Kündigung, Arbeitsunfähigkeit, Urlaub

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