17.06.2016 | Arbeitnehmerbegriff

Ist ein Unfall beim Turmspringen für Pro-Sieben-Show ein Arbeitsunfall?

Arbeitsunfall beim Turmspringen? Nicht für Selbstständige, da das Arbeitsgericht ein Arbeitsverhältnis verneinte.
Bild: Haufe Online Redaktion

Den Unfall des Schauspielers Stephen Dürr beim Training für Stefan Raabs Pro-Sieben-Show "TV Total Turmspringen" wertete das Arbeitsgericht Köln nicht als Arbeitsunfall. Es sei kein Arbeitsverhältnis zustande gekommen, befanden die Richter und verwiesen den Fall an das Landgericht.  

Ohne Arbeitsverhältnis kein Arbeitsunfall: Regelmäßig beschäftigt die Gerichte, nicht nur im Show-Gewerbe, die Frage nach der Abgrenzung zwischen abhängiger Beschäftigung und selbstständiger Tätigkeit. Für Artisten entschied das BAG zuletzt, dass regelmäßig kein Arbeitsverhältnis vorliegt, wenn eine Artistengruppe mit dem Zirkusunternehmen vereinbart eine bestimmte Artistennummer aufzuführen.

Arbeitsverhältnis ohne schriftlichen Vertrag?

Das Arbeitsgericht Köln hatte nun einen ähnlichen Fall vorliegen. Der Schauspieler Stephen Dürr ("Unter Uns", "Alles was zählt") verletzte sich im November 2012 beim Training für die Pro-Sieben-Show "TV-Total" beim Sprung vom Drei-Meter-Brett. Er musste daraufhin an der Halswirbelsäule operiert werden. Anschließend war er mehrere Monate lang arbeitsunfähig. Einen schriftlichen Vertrag zwischen Brainpool und Dürr gab es nicht. Der Schauspieler bestand vor Gericht darauf, dass ein mündlich vereinbartes Arbeitsverhältnis bestanden habe und forderte 1.250 Euro Gage sowie Schadenersatz und Schmerzensgeld in Höhe von 10.000 Euro von der Produktionsfirma Brainpool. 

Freischaffender Künstler, Arbeitsgericht nicht zuständig

Die für die Show verantwortlich zeichnende Produktionsfirma stellte sich auf den Standpunkt, Dürr sei "freischaffender Künstler". Für die Teilnahme habe er eine Tagesgage in Höhe von 1.250 Euro bekommen sollen. Diese habe er nicht erhalten, da schon vor dem Unfall eine Trainerin befunden habe, er sei für die Show nicht geeignet. Deshalb habe der Schauspieler gar nicht mehr an dem Training teilnehmen sollen. 

Das Arbeitsgericht Köln folgte der Ansicht und entschied, dass es sich bei dem Engagement des 41-Jährigen nicht um ein Arbeitsverhältnis gehandelt habe. Wegen der fehlenden Zuständigkeit verwiesen die Richter den Fall an das Landgericht (Az: 6 Ca 9446/15).

Selbstständig oder abhängig beschäftigt?

Die Abgrenzung, ob eine Tätigkeit - wie hier der Einsatz als Turmspringer für eine Fernsehshow - als abhängiges Arbeitsverhältnis gilt oder die Leistung selbstständig auf Honorarbasis erbracht wird, richtet sich nicht nach der Bezeichnung des Vertragsverhältnisses. Entscheidend sind vielmehr die inhaltliche Ausgestaltung und vor allem die tatsächliche Durchführung.

Arbeitsrechtlich betrachtet ist für die Unterscheidung vor allem der Grad der persönlichen Abhängigkeit ein wichtiges Kriterium. Dabei geht es um die Frage, wie sehr der vermeintliche Arbeitnehmer in die Arbeitsorganisation eingegliedert und abhängig bezüglich der Tätigkeit, der Arbeitszeit oder auch des Arbeitsorts ist. Wobei dies nicht die einzigen Kriterien sind.

Auch lohnsteuer- oder sozialversicherungsrechtlich wird häufig ein Arbeitsverhältnis anzunehmen sein, wenn der "freie Mitarbeiter" bei seiner Tätigkeit letztendlich in den Betrieb des vermeintlichen Auftraggebers eingegliedert ist.

 

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Schlagworte zum Thema:  Arbeitsverhältnis, Selbstständige Arbeit, Urteil

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