| Urlaub

Kann man zusätzliche Urlaubstage kaufen?

Dr. Markus Diepold, Rechtsanwalt, Kanzlei Dentons
Bild: Haufe Online Redaktion

Sie sind urlaubsreif? Dann kaufen Sie sich doch einfach einen zusätzlichen Urlaubstag. In vielen US-Unternehmen ist das möglich. Aber: Geht so etwas auch in Deutschland? Wir haben hierzu Rechtsanwalt Dr. Markus Diepold, Fachanwalt für Arbeitsrecht, Kanzlei Dentons, befragt.

In 5 Prozent der Unternehmen in den USA soll dieses System bereits etabliert sein, schrieb die britische Ausgabe der "Daily Mail" am 9. Juni.

Haufe-Online: Kann auch ein Arbeitnehmer in Deutschland von seinem Arbeitgeber Urlaub kaufen?

Dr. Markus Diepold: Ja, der Erwerb ist grundsätzlich möglich. Allerdings ist es rechtlich gesehen kein echter "Kauf", sondern die Vorgehensweise entspricht einer unbezahlten Freistellung: Der Arbeitnehmer verzichtet auf die Vergütung für z. B. einen Arbeitstag, dafür muss er aber auch nicht arbeiten.

Haufe-Online: Kann der Arbeitgeber den „Kauf“ verhindern? Oder steht dies allein in der Entscheidung des Arbeitnehmers?

Diepold: Der Arbeitgeber hat ja einen vertraglichen Anspruch darauf, dass der Arbeitnehmer in dem vereinbarten Umfang zur Arbeit kommt. Will der Arbeitnehmer das nicht, weil er zusätzlichen Urlaub möchte, muss der Arbeitgeber damit einverstanden sein.

Allerdings zeigt unsere Erfahrung, dass man es in der Praxis auch anders machen kann. So schließen z. B. Unternehmen und Betriebsräte Betriebsvereinbarungen ab, aus denen sich dann exakt ergibt, unter welchen Voraussetzungen, in welchem Umfang und zu welchen Konditionen ein Arbeitnehmer zusätzlichen Urlaub erhalten kann. Solange die Betriebsvereinbarung Anwendung findet und die Voraussetzungen für den zusätzlichen Urlaub vorliegen, kann der Arbeitgeber seine Zustimmung nicht verweigern. Dann hat der Arbeitnehmer einen verbindlichen Anspruch auf den zusätzlichen Urlaub. Arbeitgeber sind allerdings gut beraten, wenn sie z. B. die maximale Anzahl an zusätzlichem Urlaub und die Mindestbesetzung der Belegschaft bzw. bestimmter Abteilungen ebenfalls in der Betriebsvereinbarung verbindlich regeln.

Haufe-Online: Ist auch der umgekehrte Fall denkbar? Ist es zulässig, dass ein Arbeitnehmer seinen Urlaub verkauft?

Diepold: Dieser Fall ist nur begrenzt zulässig. Das Bundesurlaubsgesetz enthält zum Schutz des Arbeitnehmers Regelungen zum Mindesturlaub. Der Arbeitnehmer soll vor einer Überlastung geschützt werden und deshalb in einem bestimmten Umfang im Kalenderjahr nicht arbeiten müssen. Könnte der Arbeitnehmer unbegrenzt Urlaubstage verkaufen, so dass er nur noch einen Urlaubsanspruch unterhalb des gesetzlichen oder tariflichen Mindesturlaubs hätte wäre dies unzulässig.

Haufe-Online: Ist der Erwerb von zusätzlichem Urlaub ein neuer Trend, der aus den USA zu uns kommen wird?

Diepold: Nein, das glaube ich nicht. Allerdings müssen Arbeitgeber aufgrund des Fachkräftemangels und des Wettbewerbs um Mitarbeiter sich immer mehr bemühen, attraktive Arbeitsbedingungen anzubieten. Dazu gehört z. B. auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. In Deutschland hat sich z. B. das Modell des Arbeitszeitkontos bewährt. Bei einer richtigen Ausgestaltung kann ein Mitarbeiter gewinnbringend für beide Seiten in einem begrenztem Umfang Minus- oder Plusstunden auf- und abbauen. Auch diese Modelle dienen seit langem dazu, die Mitarbeiterzufriedenheit zu erhöhen, indem Arbeitnehmer flexibler ihre Arbeitszeit einteilen können.

Das Interview führte Renate Fischer, Ass. jur.

Dr. Markus Diepold ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht in der Rechtsanwaltskanzlei Dentons, Berlin.

Schlagworte zum Thema:  Mindesturlaub, Urlaubsanspruch, Urlaub

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