0

| Urlaub

Kann der Arbeitnehmer vom Urlaub einfach zurücktreten?

Urlaubsantrag ist Makulatur
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Wegen der Schäden des Hurrikan Sandy fiel der New York-Marathon aus. Viele Läufer hatten sich extra dafür Urlaub genehmigen lassen. Kann der Arbeitnehmer in einem solchen Fall den Urlaub einseitig wieder aufheben? Der Arbeitsrechtler Dr. Marc Spielberger von Beiten Burkhardt gibt Auskunft.

Haufe Online-Redaktion: Kann ein Arbeitnehmer den genehmigten Urlaub beliebig abbrechen und wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren, weil er den Urlaub plötzlich nicht mehr braucht?

Dr. Marc Spielberger: Nein, denn sobald der Zeitpunkt des Urlaubs vom Arbeitgeber genehmigt wurde, kann er einseitig weder vom Arbeitgeber noch vom Arbeitnehmer eine Änderung vorgenommen werden. Ein einseitiges Urlaubsabbruchsrecht des Arbeitnehmers gibt es also nicht. So gibt es im Gegenzug auch nicht einen Rückruf des Arbeitnehmers aus dem Urlaub oder ein Widerruf des Arbeitgebers vor Urlaubsantritt. Der Urlaub ist sozusagen fest vereinbart. Daran sind beide gebunden.

Haufe Online-Redaktion: Was ist in einem Fall wie der Absage eines Großereignisses, für das einer Urlaub genommen hat, zu tun?

Dr. Marc Spielberger: Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen das miteinander besprechen. In vielen Fällen wird die Urlaubsfestlegung einvernehmlich aufgehoben und der Urlaub an einem anderen Termin gelegt, weil der Arbeitgeber nicht anders disponiert hat und den Arbeitnehmer problemlos beschäftigen kann.

Haufe Online-Redaktion: Wie sieht die Lage aus, wenn der Arbeitnehmer eine externe Vertretung engagiert hat für den Urlaubszeitraum?

Dr. Marc Spielberger: Wenn der Arbeitgeber bereits Dispositionen getroffen hat, kann und wird er das Ansinnen auf eine Urlaubsrückgängigmachung seines Arbeitnehmers ablehnen, was ihm zusteht. Der Arbeitnehmer hat dann in jedem Fall Urlaub – egal, was er mit der freien Zeit anfangen kann.

Haufe Online-Redaktion: Kann der Arbeitnehmer so einer Situation vorbeugen?

Dr. Marc Spielberger: In Einklang mit § 13 BUrlG könnte zugunsten des Arbeitnehmers abweichend vom Gesetz etwas geregelt werden. Wenn sich der Arbeitgeber darauf einließe, dem Arbeitnehmer ein einseitiges Recht zum Widerruf in einem wie hier beschriebenen Fall zu gewähren, spräche rechtlich nichts dagegen. Nur umgekehrt ist es dem Arbeitgeber untersagt, den von ihm gewährten Urlaub durch ein vorbehaltenes Widerrufsrecht wieder zu beseitigen.

Das Interview führte Renate Fischer, Ass. jur.

 

Autor: Dr. Marc Spielberger, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht, Partner der Kanzlei Beiten Burkhardt in München

Haufe Online Redaktion

Urlaub

Aktuell

Meistgelesen