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Jungen Volljuristen gesucht - Verstoß gegen das AGG

Altersdiskriminierung wird seit dem AGG-Gesetz nicht mehr verziehen, auch nicht vom BAG: Eine Stellenausschreibung für "junge" Bewerber verstößt gegen das Verbot der Altersdiskriminierung und löst Schadensersatzpflichten aus.

In einer bekannten juristischen Fachzeitschrift suchte ein Unternehmen für seine Rechtsabteilung einen "jungen engagierten Volljuristen/Volljuristin".

Ein 49-jähriger Jurist bewarb sich und erhielt eine Absage. Zu einem Vorstellungsgespräch war er erst gar nicht eingeladen worden. Eingestellt hatte das Unternehmen eine 33-jährige Juristin.

Der erfolglose Bewerber fühlte sich wegen seines Alters benachteiligt. Er verlangte von dem Unternehmen eine Entschädigung in Höhe von 25 000 EUR  und Schadensersatz in Höhe eines Jahresgehaltes.

 

Verstoß gegen Gleichbehandlungsgebot

Das angerufene Arbeitsgericht verurteilte das Unternehmen zur Zahlung einer Entschädigung in Höhe von einem Monatsgehalt und wies die Klage im übrigen ab.

Das LAG wies die Berufung des Klägers und die Anschlussberufung der Beklagten zurück. Nach Auffassung der Richter verstieß der Text der Stellenausschreibung gegen das AGG (Gleichbehandlungsgesetz). Gemäß § 11 AGG dürfen Stellen nicht unter Verstoß gegen das Benachteiligungsverbot des § 7 AGG ausgeschrieben werden. Eine Benachteiligung wegen des Alters einer Person hat hiernach zu unterbleiben

 

Diskriminierende Stellenausschreibung indiziert die Benachteiligung des Betroffenen

Da die Stellenausschreibung unzulässig war, ist nach Auffassung der Richter zu vermuten, dass der erfolglose Bewerber wegen seines Alters nicht eingestellt worden war. Hieraus erwächst ihm der spezielle Entschädigungsanspruch des AGG, der nach Auffassung der Richter mit einem Monatsgehalt angemessen festgesetzt worden war.

 

Vollbeweis für Schadensersatz fehlte

Einen darüber hinaus gehenden Schadensersatzanspruch lehnten die Richter hingegen ab. Hierfür hätte der Kläger darlegen und beweisen müssen, dass er bei einer diskriminierungsfreien Auswahl von der Beklagten eingestellt worden wäre. Hierzu war er nicht in der Lage (BAG, Urteil v. 19.08.2010, 8 AZR 530/09).

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