16.02.2011 | Arbeitsrecht

Jugendschutz im Fußball: Dürfen Jung-Profis in die Verlängerung oder zum Elfmeterschießen?

Ein skurriler Streit rückt das Jugendarbeitsschutzgesetz in den Fokus der Fußballwelt: Der 17-jährige Spieler Julian Draxler schoss in der Verlängerung Schalke 04 mit seinem Last-Minute-Treffer ins DFB-Pokal-Halbfinale. Durfte Draxler aber nach 22 Uhr überhaupt noch eingesetzt werden?

Das JArbSchG regelt den Schutz von arbeitenden Kindern und Jugendlichen. Unter 15-jährige werden als Kinder, 15-18-jährige als Jugendliche bezeichnet. Nach § 14 Abs. 1 JArbSchG dürfen Jugendliche grundsätzlich nur in der Zeit von 6 bis 20 Uhr beschäftigt werden.

 

Arbeitsrecht gilt auch im Profifußball

Profifußballer sind in der Regel Arbeitnehmer ihres Lizenzvereins. Das JArbSchG gilt daher auch für Spieleinsätze, da diese im Rahmen des Arbeitsverhältnisses stattfinden. Der Jugendarbeitsschutz ist zudem beidseitig zwingend, also nicht vom Einverständnis des Spielers mit seinem Einsatz abhängig.

 

Ausnahme für Profifußballer als „Künstler“?

In § 14 Abs. 2 - 7 JArbSchG sind Ausnahmen vom Beschäftigungsverbot ab 20 Uhr geregelt, z. B. für Bäckereien oder auch für Musik-, Theater- oder „andere Aufführungen“. Im letzten Fall dürfen Jugendliche bis 23 Uhr beschäftigt werden. Fraglich ist jedoch, ob ein Profifußballspiel eine künstlerisch-kulturelle „Aufführung“ i. S. d. Gesetzes ist.  Hierzu werden unterschiedliche Ansichten vertreten. Die Fußballvereine bejahen dies, um sich in Fällen wie Draxler nicht rechtswidrig zu verhalten. Auch werden prominente Fußballspieler häufig als „Ballkünstler“ gesehen, die das Publikum an ihrer Aufführung teilhaben lassen.

Andererseits ist z. B. in §§ 16 und 17 JArbSchG ein Beschäftigungsverbot von Jugendlichen an Samstagen und Sonntagen geregelt. Dennoch dürfen Jugendlichen an diesen Tagen, den Spieltagen der Fußball-Bundesliga, gem. §§ 16 Abs. 2 Nr. 9 und 17 Abs. 2 Nr. 6 JArbSchG eingesetzt werden. In diesen Ausnahmebestimmungen wird ausdrücklich zwischen künstlerisch-kulturellen „Aufführungen“ und Sport unterschieden. Das dürfte dagegen sprechen, Profifußballer pauschal als „Künstler“ i. S. d. JArbSchG zu betrachten.

 

Haben Verstöße Einfluss auf das Spielergebnis?

Verstöße gegen das JArbSchG können durch die Aufsichtsbehörde mit Bußgeldern geahndet werden. Auch Straftatbestände können durch den Arbeitgeber verwirkt werden. Unmittelbarer Einfluss auf das Ergebnis des Fußballspiels besteht jedoch nicht. Insbesondere wurde das von Draxler geschossene Tor nicht aberkannt. Der 1. FC Nürnberg hat sich ganz sportlich mit der Niederlage abgefunden und keine rechtlichen Schritte geplant.

 

Was sollten Felix Magath und Kollegen künftig beachten?

Neben dem o.g. Beschäftigungsverbot in den Abend- und Nachtstunden gibt es weitere wichtige Vorgaben des JArbSchG. Nach § 15 JArbSchG dürfen Jugendliche nur an 5 Tagen in der Woche beschäftigt werden. 2 Tage müssen also spiel- und trainigsfrei bleiben, auch wenn Bundesliga-, DfB-Pokal-, oder gar Europapokalspiele anstehen. Im Anschluss an die tägliche Arbeitszeit dürfen Jugendliche zudem nicht vor Ablauf von 12 Stunden wieder beschäftigt werden (§ 13 JArbSchG). Ein früh vormittags angesetztes Straftraining wegen eines am Vorabend verlorenen Spiels scheidet daher aus. Zu guter Letzt gilt es bei der Feier nach einem gewonnenen Spiel zu beachten, dass Jugendlichen kein Branntwein gegeben werden darf, selbst wenn diese schon über 16 Jahre alt sind (§ 31 Abs. 2 JArbSchG). Die Champagnerflasche nach dem Pokalsieg sollte daher nur unter den Volljährigen kreisen. Julian Draxler wäre auf den Kräutertee seines Trainers zu verweisen.

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