10.05.2011 | Arbeitsrecht

"Jesus hat Sie lieb": Religiöser Telefonist verliert seinen Job

Seine religiöse Überzeugung kostete einen Callcenter-Agent den Job. Denn er verabschiedete die Kunden am Telefon mit einem religiösen Abschiedsgruß.

Religiöse Verabschiedung darf untersagt werden

"Vielen Dank für Ihren Einkauf. Jesus hat Sie lieb." Jahrelang hat sich ein 29-jähriger Callcenter-Agent mit diesen Worten von seinen Kunden verabschiedet. Daraufhin erhielt er eine Kündigung, die das Landesarbeitsgericht in Hamm bestätigte.

Der Callcenter-Betreiber QVC hatte den Mann Anfang 2010 vor die Tür gesetzt, weil er mit der Abschiedsformel die internen Dienstanweisungen übertreten habe. "Unser Bestreben ist es, in allen Bereichen Neutralität zu wahren", sagte eine Unternehmenssprecherin am Rande des Prozesses. Eine Revision wurde nicht zugelassen (LAG Hamm, Urteil vom 20.4.2011, 4 Sa 2230/10).

 

Keine negativen Kundenreaktionen

Der 29-Jährige zeigte sich nach der Entscheidung tief enttäuscht. Seit seiner Kindheit lebe er nach dem Gebot, "das Wort des Herrn in die Welt hinaus zu tragen", sagte er. Von seinen Kunden habe er zu keiner Zeit negative Reaktionen erhalten.

Auch das Unternehmen bestätigte vor Gericht: "Beschwerden, Stornierungen oder Abbestellungen hat es nicht gegeben." Allein die Gefahr, dass so etwas künftig passieren könnte, reicht nach Ansicht des Versandhandels jedoch aus, die Kündigung zu rechtfertigen.

 

Kein Gewissenskonflikt durch Arbeitsanweisung

Das Landesarbeitsgericht entschied zugunsten des Unternehmens. Das Recht auf freie Religionsausübung wiege nur dann schwerer als eine Arbeitsanweisung, wenn der Angestellte in schwere Gewissenskonflikte käme, würde er der Anweisung Folge leisten. Dies habe der 29-Jährige nicht darlegen können.

Für die Richter war in diesem Zusammenhang von Bedeutung, dass der Callcenteragent dem Arbeitgeber angeboten hatte, im Rahmen einer sogenannten Prozessbeschäftigung für den Versandhandel tätig zu werden – und sich zugleich für diese Beschäftigung verpflichtet hatte, auf die Ergänzung der Grußformel zu verzichten.

 

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