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Fußball-WM: Recht zum Ausschlafen nach nächtlichen Spielen?

Tor für Deutschland - live dabei sein trotz Frühschicht
Bild: Haufe Online Redaktion

Die Fußball-WM wird den Schlafrhythmus vieler Arbeitnehmer verändern. Wegen der Zeitverschiebung zu Brasilien und den späten Anstoßzeiten werden frühe Arbeitszeiten zum Problem. Müssen Arbeitgeber Rücksicht auf die Fußballfans nehmen?

Einvernehmliche Lösungen

Zu empfehlen sind bei diesem Thema - wie fast immer im Arbeitsrecht - einvernehmliche betriebliche Lösungen. So können Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Einzelfall vereinbaren, dass im Anschluss an bestimmte nächtliche Spielübertragungen der Arbeitsbeginn am nächsten Morgen verschoben wird, soweit die betrieblichen Verhältnisse es zulassen.

Auch generelle betriebliche Lösungen sind denkbar. Bei diesen besteht allerdings ein Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats gem. § 87 Abs. 1 Nr. 2 BetrVG. So äußerte z. B. auch der Vorsitzende der Gewerkschaft IG BCE, Michael Vassiliadis, dass  Arbeitgeber und Betriebsräte besprechen sollten, die Arbeitszeiten wenn möglich so zu gestalten, dass die Beschäftigten die WM-Spiele schauen können. Allerdings können in Betrieben mit Schichtsystemen die bestehenden Schichtzeiten in der Regel nicht kurzfristig angepasst werden. Hier können allenfalls (ebenfalls mit Zustimmung des Betriebsrats) Schichtwechsel von Fußballfans in spätere Schichten stattfinden.

Freistellungsansprüche von Fußballfans?

Ansprüche auf Arbeitszeitverschiebung oder „frei“ wegen Fußballübertragungen bestehen grundsätzlich nicht. Das Interesse an der Übertragung eines Fußballspiels ist private Angelegenheit des Arbeitnehmers und muss vom Arbeitgeber nicht als höherwertig gegenüber der Arbeitspflicht behandelt werden. Insbesondere steht es nicht unter dem Schutz des Grundgesetzes, wie z. B. religiöse Feste (Art. 3 GG).

Arbeitnehmer können einseitig nur dann die Freistellung verlangen, wenn sie entweder Urlaub beantragen oder flexible Arbeitszeitregelungen im Betrieb dies zulassen.

Urlaub

Urlaubsanträge von Arbeitnehmern sind auch nicht deshalb bevorzugt zu behandeln, weil der Urlaub wegen der WM beantragt wird. Nach § 7 Abs. 1 BUrlG sind bei der Gewährung von Urlaub die Urlaubswünsche des Arbeitnehmers zu berücksichtigen, es sei denn dass ihrer Berücksichtigung dringende betriebliche Belange oder Urlaubswünsche anderer Arbeitnehmer, die unter sozialen Gesichtspunkten den Vorrang verdienen, entgegenstehen. „Dringende betriebliche Belange“ liegen dann vor, wenn das Fehlen des Arbeitnehmers unzumutbare betriebliche Störungen verursachen würde, z. B. wegen eines in dieser Zeit abzuarbeitenden Großauftrags. „Soziale Gesichtspunkte“ sind vor allem die Bindung an Schulferien aufgrund eigener Kinder sowie z.B. Betriebszugehörigkeit und der Zeitpunkt des letzten Urlaubs. Im Einzelfall kann die Abwägung durchaus schwierig sein, wenn mehrere Arbeitnehmer gleichzeitig Urlaub wegen der WM beantragen. Nach § 87 Abs. 1 Nr. 5 BetrVG hat der Betriebsrat auch während der WM über Urlaubsgrundsätze, Urlaubspläne und im Einzelfall bei Verweigerung eines Urlaubsantrages mitzubestimmen.

Flexible Arbeitszeit

In vielen Betrieben sind Arbeitszeitverschiebungen auf Wunsch der Mitarbeiter wegen flexibler Arbeitszeitregelungen möglich. Übersteigt hier die Nachfrage das Angebot, wollen also mehr Arbeitnehmer frei als betrieblich möglich, sollte rechtzeitig ein gangbarer Weg gefunden werden. Auch hier hat der Betriebsrat mitzubestimmen, § 87 Abs. 1 Nr. 2 BetrVG. Die Mitbestimmung führt häufig dazu, dass eine im Betrieb akzeptierte Lösung gefunden wird.

 

Hinweis: In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz haben die Kultusministerien den Schulen bereits frei gestellt, während der WM den Unterrichtsanfang zu verschieben.

Haufe Online Redaktion

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