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| Cross-Dressing am Arbeitsplatz

Dürfen Männer in Frauenkleidern zur Arbeit kommen?

Rechtsanwalt Dr. Marc Spielberger
Bild: Haufe Online Redaktion

Der Sänger Thomas Neuwirt alias "Conchita Wurst" hat den ESC gewonnen. Über diese Kunstfigur, eine Diva mit Vollbart in Frauenkleidern, wird kontrovers diskutiert. Wie wäre die Debatte in der Arbeitswelt zu verankern? Arbeitsrechtler Dr. Marc Spielberger erläutert die Grundsätze.  

Der Fall des so genannten "Cross Dressing", also des Tragens von Kleidung des anderen Geschlechts kann vielfältigste persönliche Hintergründe haben. Bei Conchita Wurst zum Beispiel geht es nach eigenen Aussagen nicht um eine Transsexualität, sondern es wurde eine künstlerische Figur geschaffen. Bei Transsexuellen ist dies wiederum anders, hier gehört dies zur (neuen) Identität und ist wesentlicher Bestandteil derselben. Als weitere Gruppe kann es Transgender geben, die sich nicht einem Geschlecht per se zuordnen lassen möchten. Insofern spielt der auch der jeweilige Hintergrund eine Rolle.

Spannungsfeld Arbeitnehmer- versus Arbeitgeberinteressen

Der Ausgangspunkt ist der Konflikt zwischen dem Persönlichkeitsrecht des Arbeitnehmers und dem Direktionsrecht des Arbeitgebers. Inwieweit sich am Ende welches Recht durchsetzt, hängt von den Umständen des Einzelfalls, Regelungen und Vorschriften und dem konkreten Arbeitsumfeld des Arbeitnehmers ab. Es findet also eine Interessensabwägung statt.

Anordnung zum Tragen von bestimmter Kleidung im Allgemeinen

Der Arbeitgeber kann grundsätzlich einmal Vorgaben für eine dienstliche Kleidung machen. Die Berechtigung zur Anordnung zum Tragen von Dienstkleidung während der Arbeitszeit kann sich aus tarifvertraglichen Regelungen ergeben, so zum Beispiel einheitliche Kleidung im Kundenservice eines Restaurants. Daneben gibt es Regelung zur Dienstkleidung auch in Betriebsvereinbarungen.

Der Betriebsrat hat nach § 87 Abs. 1 Nr. 1 BetrVG ein Mitbestimmungsrecht. Gibt es keine solchen kollektivrechtlichen Regelungen, dann können Arbeitgeber und Arbeitnehmer solche Fragen auch im Arbeitsvertrag regeln. Fehlt es an jeglicher Regelung besteht grundsätzlich über das Direktionsrecht des Arbeitgebers nach § 106 GewO die Möglichkeit bestimmte Vorgaben zu machen, die billigem Ermessen entsprechen müssen.

Konkreter Fall: Cross Dressing

Kommt es also zum Fall, dass ein Arbeitnehmer in Frauenkleidung erscheint (ohne dass eine Transsexualität vorliegt), ist zu prüfen, ob es eine Regelung zur Kleidung im Betrieb gibt. Sofern dies der Fall ist, muss die Regelung mit dem Persönlichkeitsrecht im Einklang stehen und insbesondere einem betrieblich anerkennenswertem Bedürfnis dienen.

Gibt es keine Regelungen hierzu, kommt es zum Beispiel darauf an, wo der Mitarbeiter konkret in welcher Funktion und Hierarchieebene arbeitet (Kundenkontakt, Innendienst, Hierarchieebene, Berufsbild et cetera) und welche Betriebsüblichkeiten bestehen. So kann der Arbeitgeber im Außendienst leichter ein Cross Dressing untersagen, als wenn der Mitarbeiter als Sachbearbeiter nur am Schreibtisch im Innendienst sitzt und keinen Kundenkontakt hat. Von Führungskräften kann der Arbeitgeber wiederum auch mehr an Kleidungskonformität verlangen.

Weißt der Arbeitgeber den "cross gedressten" männlichen Mitarbeiter an, einen Anzug mit Krawatte anzuziehen, muss diese Anweisung billigem Ermessen entsprechen. Ein Conchita-Wurst-Outfit muss nicht jeder Arbeitgeber, wenn es ihn stört, am Ende hinnehmen. Die Frage ist dann, welches schützenswerte Interesse kann der Arbeitgeber für sich vortragen. So kann es im Einzelfall auch möglich sein, dass ein Cross Dressing akzeptiert werden muss, wenn das Persönlichkeitsrecht des Arbeitnehmers höher zu gewichten ist. Natürlich spielen hierin auch der Zeitgeist und die gesellschaftliche Akzeptanz eine Rolle. Die Toleranzschwelle wird auf diese Weise verschoben.

Transsexuelle Arbeitnehmer: Es kann eine Diskriminierung vorliegen

Bei transsexuellen Arbeitnehmern liegt genau genommen kein Fall des Cross Dressings vor, denn die Person gehört nach § 10 Transsexuellengesetz dem neu gewählten Geschlecht an. Diese Person kleidet sich damit geschlechtsgemäß und hat hierauf ein Anrecht. Es kann in diesem Fall daher diskriminierend sein, einer transsexuellen Personen, die das weibliche Geschlecht gewählt hat, das Schminken und Tragen von Frauenkleidern im Dienst zu untersagen.

Fazit: "Es kommt darauf an!"!

Ein Conchita-Wurst-Outfit kann also in einem Betrieb möglich sein, im anderen nicht. Arbeitgebern ist grundsätzlich zumindest für bestimmte Bereiche, in denen die Kleidung und das Erscheinungsbild wichtig sind, Regelungen zu treffen und Vorgaben zu machen. Das prägt das Bild eines Betriebs oder einer Abteilung und hieran wird der Ausnahmefall gemessen. Ob dann ein Cross Dressing sich hierin einfügt, muss in jedem Einzelfall geprüft werden. Transsexuelle Arbeitnehmer haben ein Recht darauf, geschlechtsspezifische Kleidung zu tragen, da sie diesem Geschlecht auch angehören.

Autor: Dr. Marc Spielberger, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht, Partner der Kanzlei Beiten Burkhardt in München

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