27.05.2011 | Arbeitsrecht

Den Chef auf Facebook beleidigen - Hat das Folgen?

Wer in sozialen Netzwerken den Chef beleidigt, wie aktuell den Daimler-Chef Zetsche, kann mit Reaktionen des Arbeitgebers rechnen. Denn in diesem Verhalten kann ein Verstoß gegen die firmeninternen Social-Media-Guidelines liegen. Wir haben für Sie zusammengefasst, wie solche Guidelines eingeführt und überwacht werden können.

Was war passiert?

Auf Facebook wurde Daimler-Chef Dieter Zetsche neben Angela Merkel und Stefan Mappus als "Spitze des Lügenpacks" im Zusammenhang mit dem Bahnprojekt "Stuttgart 21" genannt. "Ja, das finde ich auch", muss sich so manche Leser gedacht haben, denn einige Daimler-Mitarbeiter hatten den "Gefällt mir"-Button gedrückt.

 

Die Personalabteilung lud zum Gespräch

Die Personalabteilung sah in diesem Verhalten einen Verstoß gegen die Verhaltensrichtlinien, die die Mitarbeiter bei der Einstellung unterzeichnet hatten.

Daimler-Mitarbeiter, die den "Gefällt mir"-Button gedrückt hatten, wurden daraufhin zu einem Gespräch gebeten. Unter Beisein des Betriebsrats wurden sie darauf hingewiesen, "dass man die Kollegen und Mitarbeiter nicht beleidigen darf", so ein Sprecher des Daimler-Konzerns. Arbeitsrechtliche Konsequenzen hatten die Mitarbeiter nicht zu befürchten. Und so blieb es bei dem eindringlichen Gespräch und dem Hinweis.

 

Verstöße nicht unbeachtet lassen

Auch wenn firmeninterne Verhaltensrichtlinien oder Social-Media-Guidelines keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen bei Verstößen beinhalten und ihnen lediglich eine Appellfunktion zukommt, so ist die Handlungsweise des Arbeitgebers, dennoch auf Verstöße zu reagieren, unbedingt folgerichtig.

Denn nur, wenn Mitarbeitern klar vor Augen steht, dass ihr Verhalten Folgen hat - und sei es auch nur ein eindringliches Gespräch - können die Richtlinien auf Dauer zum Bestandteil der Firmenkultur werden.

„Social-Media-Guidelines" einführen und überwachen

 

In "Social-Media-Guidelines" werden den Mitarbeitern Vorgaben im Umgang mit unternehmensbezogenen Informationen gemacht.

Aus Unternehmenssicht ist es wichtig, klarzustellen, dass „Social-Media-Guidelines" nicht unverbindliche Handlungsempfehlungen sind, die der Mitarbeiter nach eigenem Ermessen befolgen oder ignorieren kann, sondern dass die in den Richtlinien enthaltenen Anweisungen den Umgang mit Social-Media-Plattformen verbindlich regeln.

Besteht ein Betriebsrat, sind bei der Einführung dessen Mitbestimmungsrechte zu beachten. In diesem Fall ist eine Betriebsvereinbarung regelmäßig das Mittel der Wahl.

Der Arbeitgeber ist gehalten, die Einhaltung der jeweiligen Regelungen jedenfalls stichprobenweise zu überwachen. Anderenfalls können Arbeitnehmer den Eindruck gewinnen, dass bestimmte Verhaltensweisen vom Arbeitgeber stillschweigend geduldet werden.

(Auszug aus dem Artikel: "Richtiger Umgang mit dem Web. 2.0")

 

 

 

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