23.02.2010 | Arbeitsrecht

Beleidigung: Kündigung nicht ohne Abmahnung

Beleidigungen oder abwertende Äußerungen gegenüber Vorgesetzten können eine fristlose Kündigung rechtfertigen. In aller Regel ist aber eine vorherige Abmahnung erforderlich.

So entschied das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein (2 Sa 460/08).

Was war passiert?

Eine Tierärztin hate nebenberuflich als amtlich angestellte Veterinärmedizinerin auf mehreren Schlachthöfen gearbeitet. Gegenüber Kolleginnen äußerte sie sich zweimal abfällig über ihren Vorgesetzten. Einmal hatte sie beschrieben, wie sie das Verhalten ihres Vorgesetzten empfunden hatte, ein anderes Mal hatte sie ihn als frauenfeindlich bezeichnet und seine Qualifikation in Zweifel gezogen. Die Frau bestritt, sich so geäußert zu haben, erhielt jedoch eine ordentliche Kündigung „aus verhaltensbedingten Gründen“.

Gegen diese Kündigung  wehrte sie sich vor Gericht – mit Erfolg.

 

Die Entscheidung der Richter: Erst abmahnen – dann kündigen

Die Äußerungen rechtfertigten keine Kündigung ohne Abmahnung, entschieden die Richter.

Beleidigende oder abwertende Äußerungen gegenüber Vorgesetzten oder Kollegen könnten zwar eine fristlose Kündigung rechtfertigen, aber nur in Ausnahmefällen ohne Abmahnung.

Eine ihrer Bemerkungen sei zwar ehrverletzend. Allerdings sei das Arbeitsverhältnis problematisch gewesen, es habe immer wieder Meinungsverschiedenheiten gegeben. Die klagende Tierärztin habe sich von ihrem Chef massiv im Stich gelassen gefühlt. In der anderen umstrittenen Äußerung habe die sie darüber hinaus lediglich beschrieben, wie sie ein bestimmtes Verhalten empfunden habe.

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