22.08.2012 | Serie Wie Sie Azubis rechtssicher beschäftigen

Beiträge für Auszubildende berechnen

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Bei der Beitragsberechnung für Azubis sind Besonderheiten zu beachten.
Bild: Haufe Online Redaktion

Die Beitragsberechnung bei Auszubildenden ist anders geregelt als bei anderen Arbeitnehmern.

Die Gleitzonen-Regelung darf bei Azubis während der gesamten Dauer der Ausbildung nicht angewendet werden. Folglich werden  die Beiträge immer aus dem tatsächlich erzielten Entgelt berechnet. Die Beiträge werden grundsätzlich zu den einzelnen Versicherungszweigen vom Auszubildenden und vom Arbeitgeber tragen.

Azubi mit Nebenbeschäftigung

Auch wenn ein Auszubildender neben der Ausbildung einen Nebenjob ausübt, hat die Gleitzone keine Bedeutung. Der zuerst aufgenommene Minijob neben einer Hauptbeschäftigung (Ausbildung) bleibt nach den Regelungen für geringfügige Beschäftigungen versicherungsfrei.

Praxisbeispiel:

Peter ist ab 1.8.2012 als Auszubildender für den Beruf des Mechatroniker für Kältetechnik bei Arbeitgeber A. beschäftigt. Die monatliche Ausbildungsvergütung beträgt im 1. Jahr der Ausbildung 425 EUR. Peter nimmt ab 1.10.2012 zusätzlich am Wochenende einen Minijob als Kellner bei Arbeitgeber B auf und verdient dort zusätzlich monatlich 250 EUR.

Erläuterung:
Arbeitgeber A muss die Beiträge aus 425 EUR berechnen, ohne dabei die Gleitzone zu beachten. Die Tätigkeit bei Arbeitgeber B ist als Minijob versicherungsfrei in allen Versicherungszweigen. Eine Addition des Entgelts aus dem Ausbildungsverhältnis und dem Entgelt aus dem Minijob erfolgt nicht, da das Ausbildungsverhältnis als versicherungspflichtige Hauptbeschäftigung gilt. Arbeitgeber B trägt die Pauschalbeiträge zur Kranken- und Rentenversicherung aus 250 EUR allein - die Gleitzone spielt in dieser Fallkonstellation keine Rolle.

Bei Azubis ist die Geringverdienergrenze zu beachten

Abweichend vom Grundsatz der gemeinsamen Betragstragung sind die Sozialversicherungsbeiträge vom Arbeitgeber allein zu tragen, wenn das Arbeitsentgelt im Rahmen der betrieblichen Berufsausbildung die Geringverdienergrenze von 325 EUR monatlich nicht übersteigt. Das gilt auch für den Beitragszuschlag zur Pflegeversicherung für Kinderlose in Höhe von 0,25 %.

Spezialfall: Geringverdiener mit Einmalzahlung

Überschreitet das Arbeitsentgelt eines Auszubildenden in einem Abrechnungszeitraum durch eine Einmalzahlung 325 EUR, ist die Beitragstragung unterschiedlich. Der Arbeitgeber hat die Beiträge bis zur Geringverdienergrenze allein zu übernehmen. Das gilt ohne Ausnahme - die Höhe des „normalen“ laufenden Entgelts spielt dabei keine Rolle.

Oberhalb der Geringverdienergrenze wird aufgeteilt

Für den die Geringverdienergrenze übersteigenden Betrag sind die Beiträge, wie für alle anderen Arbeitnehmer auch, aufzuteilen.

Zur Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung sind sie von Azubi und Arbeitgeber je zur Hälfte aufzubringen. Falls für den Auszubildenden der Beitragszuschlag zur Pflegeversicherung für Kinderlose nach Vollendung des 23. Lebensjahrs zu zahlen ist, muss der Azubi diesen Beitragsteil allein tragen. Für die Krankenversicherung gilt: Der Arbeitgeber trägt die Beiträge in Höhe von 7,3 % des Entgelts, der Auszubildende zahlt den Arbeitnehmeranteil mit 8,2 %. Da die Geringverdienergrenze jeden Monat erneut in Abhängigkeit von der Höhe des beitragspflichtigen Entgelts zu prüfen ist, kann es von Monat zu Monat unterschiedliche Ergebnisse bei der Tragung der Beiträge geben.

Praxisbeispiel:

Petra ist 24 Jahre alt, kinderlos und macht eine Ausbildung zur Dekorateurin. Sie erhält eine monatliche Ausbildungsvergütung in Höhe von 280 EUR. Im Dezember erhält sie zusätzlich ein Weihnachtsgeld in Höhe von 100 EUR.

Erläuterung:
Der Arbeitgeber trägt im Dezember die Beiträge aus 325 EUR allein -  auch den Beitragszuschlag für Kinderlose zur Pflegeversicherung (0,25 %). Aus dem Betrag von 55 EUR tragen Arbeitgeber und Auszubildender die Beiträge in der Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung je zur Hälfte. Zur Krankenversicherung übernimmt der Arbeitgeber die Beiträge nach dem Beitragssatz von 7,3 %, die Auszubildende 8,2 %. Aus dem Betrag von 55 EUR hat die Auszubildende auch den Beitragszuschlag zur Pflegeversicherung für Kinderlose allein zu tragen.

Entgelterhöhungen während der Ausbildung

Übersteigt die monatliche Ausbildungsvergütung z. B. durch Anhebung der Vergütung in den folgenden Ausbildungsabschnitten oder aus anderen Gründen dauerhaft die Geringverdienergrenze, gilt die besondere Beitragslastverteilung nach der Geringverdiener-Regelung nicht mehr.

Schlagworte zum Thema:  Gleitzone, Minijob, Geringverdiener, Auszubildende

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