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Auszubildende unterliegen der allgemeinen Steuerpflicht Bild: Project Photos GmbH & Co. KG

Für viele Azubis bedeutet der Ausbildungsbeginn auch der erstmalige Kontakt mit Lohnsteuerfragen. Damit für Arbeitgeber und Azubis sowie für deren Eltern steuerlich nichts daneben geht, geben wir Ihnen alle wichtigen Informationen an die Hand und beantworten die häufigsten Steuerfragen.

Die meisten Ausbildungsgänge werden im Rahmen eines Ausbildungsdienstverhältnisses absolviert. Dies bedeutet, dass der Auszubildende vom jeweiligen Arbeitgeber im Rahmen eines Anstellungsvertrags ausgebildet wird. Er oder sie erzielt damit Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit. Die gewährte Ausbildungsvergütung unterliegt grundsätzlich dem Lohnsteuerabzug. 

Berechnung der Lohnsteuer für Auszubildende

In steuerlicher Hinsicht bestehen keine Besonderheiten. Die Ausbildungsvergütung ist wie bei anderen Arbeitnehmern als laufender Arbeitslohn nach den Lohnsteuerabzugsmerkmalen (ELStAM) zu besteuern. Der Arbeitgeber muss also auch für Auszubildende die ELStAM abrufen. Hierfür muss der Auszubildende dem Arbeitgeber 

  • seine Steuer-Identifikationsnummer,
  • seinen Geburtstag und
  • die Zugehörigkeit zu einer steuererhebenden Religionsgemeinschaft mitteilen sowie
  • schriftlich bestätigen, dass es sich um das erste Dienstverhältnis handelt.

Der Arbeitgeber muss die Erklärung des Auszubildenden als Beleg zum Lohnkonto aufzubewahren.

Tipp: Wer seine Identifikationsnummer nicht oder nicht mehr kennt, kann diese beim Bundeszentralamt für Steuern erneut anfordern.   

Arbeitgeber kann Vergünstigungen gewähren 

Entsprechend ist es auch möglich, dass ein Arbeitgeber seinen Auszubildenden neben der Ausbildungsvergütung die gleichen Vergünstigungen lohnsteuerfrei zukommen lässt, die er auch dem "normalen" Arbeitnehmer gewährt, wenn sie zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn freiwillig geleistet werden. Das können beispielsweise

Hinweis: Weitere Beispiele führt das Stichwort "Berufsausbildung" in Ihrem Haufe Produkt auf. 

Arbeitgeber können ihren Azubis auch Gehaltsextras, wie beispielsweise Fahrtkostenzuschüsse, gewähren. Für diesen Zuschuss kann der Arbeitgeber die Lohnsteuer pauschal übernehmen, sodass der Azubi netto steuerlich nicht belastet wird.

Was ist mit Azubis aus dem Ausland?

Das deutsche Steuerrecht unterscheidet zwischen unbeschränkt und nur beschränkt steuerpflichtigen Personen andererseits. Wenn ein Auszubildender in Deutschland seinen Wohnsitz hat – oder sich länger als sechs Monate in Deutschland aufhält – ist er stets unbeschränkt steuerpflichtig. Die Staatsangehörigkeit spielt dabei keine Rolle. Wenn ein Ausländer für seine gesamte Berufsausbildung nach Deutschland kommt, führt dies regelmäßig zur unbeschränkten Steuerpflicht.

Besonderheiten gelten für beschränkt steuerpflichtige Auszubildende. Solche Fälle sind insbesondere im Grenzgebiet denkbar (Wohnsitz in der Schweiz oder in den Niederlanden, Ausbildung in Deutschland). Für beschränkt einkommensteuerpflichtige Arbeitnehmer werden keine ELStAM bereitgestellt. Sie benötigen jährlich neu eine Lohnsteuerabzugsbescheinigung, die alle für den Lohnsteuerabzug durch den Arbeitgeber erforderlichen Besteuerungsmerkmale enthält. Diese besondere Bescheinigung für den Lohnsteuerabzug bei beschränkt steuerpflichtigen Arbeitnehmern wird auf Antrag von dem für den Arbeitgeber zuständigen Betriebsstätten-Finanzamt ausgestellt.

Hinweis: Ausführliche Hintergrundinformationen zum Lohnsteuerabzug bei ausländischen Arbeitnehmern erläutert ein Fachbeitrag in Ihrem Haufe Produkt. 

Schlagworte zum Thema:  Auszubildende, Lohnsteuerabzug, ELStAM, Ausbildung, Ausbildungsverhältnis, Ausbildungsvergütung

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