09.11.2011 | Arbeitsrecht

Arbeitsrecht und Kirche: Die Sonderregeln sollen beibehalten werden

Die Evangelische Kirche in Deutschland will trotz Kritik aus Gewerkschaften und den eigenen Reihen am kirchlichen Sonderweg im Arbeitsrecht festhalten.

Der Verdi-Forderung nach klassische Tarifverhandlungen mit Streikrecht und Aussperrungen erteilte die Evangelischen Kirch in Deutschland EKD am 07.11 auf ihrer Jahrestagung in Magdeburg eine Absage.

 

Am sog. "Dritten Weg" soll festgehalten werden

Stattdessen soll der sogenannte Dritte Weg der Kirche, bei dem von Arbeitgeber und Arbeitnehmer besetzte Kommissionen einvernehmlich über die Gehälter entscheiden, in einem Kirchengesetz festgehalten werden. Dieses betrifft rund 1,2 Millionen Beschäftigte in Diakonie und Kirche und soll am Mittwoch verabschiedet werden.

 

Niedriges Lohnniveau in der Diakonie wird kristisiert

Hintergrund der Gewerkschaftsforderung ist vor allem die Lage in der Diakonie, wo das festgelegte Lohnniveau in einigen Einrichtungen über Ausgründungen und Zeitarbeit unterlaufen wird - das bestreitet auch die Kirche nicht.

"Der Dritte Weg steht auch künftig nicht zur Disposition", erklärte dennoch EKD-Ratsmitglied Marlehn Thieme bei der Vorlage des Gesetzes. "Der Rat ist überzeugt, bei einem Abschied vom Dritten Weg käme es zu noch größeren Verwerfungen in der Diakonie." Der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider hatte allerdings Sanktionen gegen "schwarze Schafe" in der Diakonie angekündigt.

 

Verbesserungen sind erforderlich

"Wir wissen, dass nicht immer überall alles in Ordnung ist", räumte Thieme ein. "Deutliche Verbesserungen an einigen Punkten sind erforderlich." Diese beträfen vor allem die Interessensvertretung der Mitarbeiter. Etliche Mitglieder des Kirchenparlaments kritisierten in Magdeburg indes die pauschale Ablehnung der Gewerkschaftsforderungen.

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