31.07.2014 | Tarifverhandlungen

Kooperationen statt Tarifeinheit?

Die Deutsche Bahn steckt in schwierigen Tarifverhandlungen.
Bild: Haufe Online Redaktion

Was fehlende Regeln zur Tarifeinheit konkret bedeuten, zeigen die aktuellen Tarifverhandlungen bei der Deutschen Bahn. Neben Lohnforderungen geht es nun in der zweiten Verhandlungsrunde vor allem darum, Lösungen im Umgang mit zwei Gewerkschaften im Konzern zu finden.

Kurz vor der Sommerpause sollten die sechs Eckpunkte für eine gesetzliche Regelung der Tarifeinheit noch am Kabinettstisch diskutiert werden. In letzter Minute ließ Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles das Thema doch von der Agenda nehmen – vermutlich auch aufgrund zunehmender Kritik an dem Vorhaben.

Tarifpluralität: Welche Gewerkschaft vertritt welche Mitarbeiter?

Welche Schwierigkeiten die aktuelle Situation für Arbeitgeber bringt, muss zurzeit die Deutsche Bahn erfahren. Zusätzlich zum Entgelttarifvertrag der Bahn mit der Lokführergewerkschaft GDL endete im Juni auch ein Grundlagentarifvertrag, der bisher die Zuständigkeiten zwischen der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und der GDL abgrenzte. Die GDL fordert nun, künftig neben den Lokführern auch die Zugbegleiter zu vertreten. Im Gegenzug beansprucht die EVG auch die Vertretung der Lokführer.

Inhaltlich bekräftigte die GDL vor der zweiten Verhandlungsrunde mit der Bahn ihre Forderungen nach fünf Prozent mehr Lohn sowie Verbesserungen bei Arbeitszeit und Zulagen für das gesamte Zugpersonal. Im Anschluss an die Verhandlungen wird nach GDL-Angaben die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) zu Gesprächen über eine Kooperation hinzukommen. Dabei sollten Grundmechanismen für das Tarifgeschäft im DB-Konzern vereinbart werden.

Zwei Tarifverträge für eine Mitarbeitergruppe?

Eine Tarifkonkurrenz möchte vor allem die Bahn vermeiden. "Zwei Tarifverträge für Lokführer mit zwei unterschiedlichen Regelungen zur Arbeitszeit – das geht gar nicht. Deshalb wollen wir in den nächsten Wochen neue Spielregeln vereinbaren", sagte eine Bahnsprecherin. Gesprochen werde über ein Kooperationsmodell, "mit dem geklärt werden soll, wer zukünftig mit wem über was und über welche Mitarbeitergruppe verhandelt."

Sollte der Versuch scheitern, bliebe der Deutschen Bahn doch nur die - zugegeben wohl vage - Hoffnung auf ein baldiges Gesetz zur Tarifeinheit.

Schlagworte zum Thema:  Tarifeinheit, Tarifverhandlung, Koalitionsvertrag

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