08.03.2016 | Gender Pay Gap

Arbeitgeber sind gegen einen Rechtsanspruch auf befristete Teilzeit

Arbeitgeber sehen betriebliche Abläufe durch einen Rechtsanspruch auf befristete Teilzeit gefährdet.
Bild: Stockbyte

Arbeitgeber sprechen sich in der aktuellen Diskussion zur Lohnungleichheit gegen einen Rechtsanspruch auf befristete Teilzeit aus. Stattdessen sollten besser die Ursachen für Lohnunterschiede behoben werden.

Insbesondere Frauen sind es, die sich nach der Geburt ihrer Kinder und der anschließenden Elternzeit von ihrem Vollzeitjob verabschieden. Danach heißt der Normalzustand für die meisten: Teilzeitarbeit, um so die Betreuung der Kinder und den Beruf unter einen Hut zu bekommen. Verbunden ist dies mit Lohneinbußen – die meist von Dauer sind.

DGB fordert Recht auf befristete Teilzeit für Frauen und Männer

Frauen verdienen in Deutschland im Schnitt brutto rund 22 Prozent weniger als Männer. Zum Internationalen Frauentag macht sich der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) für ein Recht auf befristete Teilzeit stark, damit Beschäftigte ihre Arbeitszeit nach Bedarf auch wieder aufstocken können, "und auch Männer sich trauen, in bestimmten Lebensphasen ihre Arbeitszeit zu reduzieren“.

Arbeitgeber fürchten negative Auswirkungen auf die Planungssicherheit

Aus Sicht der Arbeitgeber ist das eindeutig der falsche Ansatz. Die Wirtschaftsvertreter wehren sich gegen die Einführung eines Rechtsanspruch auf Teilzeit. Ein solcher fest verankerter rechtlicher Anspruch würde sich negativ auf betriebliche Abläufe und die Planungssicherheit auswirken, teilte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Achim Dercks, der Deutschen Presse-Agentur mit.

Bei Berufswahl ansetzen: Frauen für technische Berufe gewinnen

Statt einen solchen Rechtsanspruch einzuführen, sollten seiner Meinung nach eher die Ursachen für die Lohnunterschiede angepackt werden. Ganz vorne steht für ihn damit die Berufswahl. Frauen wählten häufig schlechter bezahlte Berufe. Hinzu kämen dann lange Familienauszeiten und Teilzeitbeschäftigung. Er bedauerte, dass es trotz aller Bemühungen bisher nicht gelungen sei, deutlich mehr junge Frauen für technische Ausbildungsberufe zu gewinnen – „und das, obwohl hier die Verdienstmöglichkeiten höher sind als in vielen anderen Berufen“. Es gelte weiter, Vorurteile abzubauen.

Flexible Arbeitszeiten: mehr Lösungen nötig

Achim Dercks betonte, dass statt neuer bürokratischer Lasten eine flexiblere Kinderbetreuung gebraucht würde. Zudem machte er sich für "mehr Aufstiegsperspektiven in Teilzeit" stark. Auch das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hält hochwertige Kinderbetreuungsangebote für entscheidend. Zudem sollten mehr Lösungen für flexible Arbeitszeiten entwickelt werden, erklärte IAB-Experte Enzo Weber. Von der Politik könnten dafür finanzielle Anreize gesetzt werden.

 

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Schlagworte zum Thema:  Teilzeitarbeit, Teilzeit, Frauenförderung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf

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