Studenten, Schüler / 1.1 Sozialversicherungspflicht

Beschäftigungen, die gegen Arbeitsentgelt ausgeübt werden, unterliegen der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherungspflicht. Von diesem Grundsatz werden Beschäftigungen von Studenten unter bestimmten Voraussetzungen ausgenommen. Die für ordentliche Studierende (im Folgenden beschriebenen) geltenden Sondervorschriften finden erst dann Anwendung, wenn die Beschäftigung mehr als geringfügig ausgeübt und deshalb sozialversicherungspflichtig werden würde.

Für die Versicherungsfreiheit gelten unterschiedliche Voraussetzungen in der Rentenversicherung einerseits und in den übrigen Versicherungszweigen (Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung) andererseits.

In der Rentenversicherung sind beschäftigte Studenten nur dann gänzlich versicherungsfrei, wenn ihre Beschäftigung im Rahmen einer kurzfristigen Beschäftigung (Befristung auf maximal 3 Monate bzw. 70 Arbeitstage im Kalenderjahr) ausgeübt wird. Wird eine geringfügig entlohnte Beschäftigung (das regelmäßige monatliche Arbeitsentgelt übersteigt nicht 450 EUR) ausgeübt, besteht zwar Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherungsfreiheit, aber Rentenversicherungspflicht. Von dieser Rentenversicherungspflicht kann sich der Student auf seinen Antrag hin befreien lassen; der entsprechende Antrag ist beim Arbeitgeber zu stellen. Allerdings ist eine geringfügige Beschäftigung für den Arbeitgeber recht teuer; es fallen nämlich in aller Regel pauschale Beiträge zur Kranken- und Rentenversicherung i. H. v. (13 % + 15 % =) 28 %, ggf. weitere 2 % Pauschalsteuer, des Arbeitsentgelts an.

Deshalb empfiehlt es sich, Studenten zwar mehr als geringfügig entlohnt, aber nicht mehr als 20 Stunden wöchentlich zu beschäftigen. In diesem Fall besteht nur Rentenversicherungspflicht, was zur Folge hat, dass die zu zahlenden Beiträge (zzt. 18,6 % vom Arbeitsentgelt) vom Arbeitgeber und vom Studenten jeweils zur Hälfte zu tragen sind. Hier wird der Arbeitgeber also nur mit (18,6 % : 2 =) 9,3 % des Arbeitsentgelts belastet. Diese Regelung ist innerhalb und außerhalb der Semesterferien anzuwendenKranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung.

In der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung sind die Möglichkeiten einer Versicherungsfreiheit weiter als in der Rentenversicherung gefasst. Auch hier kann Versicherungsfreiheit wegen einer geringfügigen (geringfügig entlohnten oder kurzfristigen Beschäftigung) Beschäftigung bestehen. Werden die Grenzen einer geringfügig entlohnten bzw. kurzfristigen Beschäftigung überschritten, besteht auch noch dann Versicherungsfreiheit, wenn diese Personen nach ihrem Erscheinungsbild als ordentlich Studierende angesehen werden; dies ist dann der Fall, wenn eine wissenschaftliche Ausbildung in einem geordneten Studiengang erfolgt. Die Eigenschaft des ordentlich Studierenden beginnt mit der Einschreibung und endet – sofern das Studium ordnungsgemäß abgeschlossen wird – mit Ablauf des Monats, in dem der Studierende vom Gesamtergebnis der Prüfung durch das Prüfungsamt bzw. die Hochschule offiziell unterrichtet worden ist.

 

Hinweis

Nachweispflicht des Arbeitgebers

Der Nachweis des Prüfungsamtes bzw. der Hochschule über die Unterrichtung des Prüfungsteilnehmers ist den Entgeltunterlagen beizufügen.

Weitere Voraussetzung für die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherungsfreiheit ist, dass die wöchentliche Arbeitszeit nicht mehr als 20 Stunden beträgt; die Höhe des Arbeitsentgelts ist – sofern die Entgeltgrenze einer geringfügig entlohnten Beschäftigung überschritten wird – dabei ohne Bedeutung. In den Semesterferien können Studenten wesentlich mehr arbeiten, ohne dass dadurch Versicherungspflicht in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung eintritt.

 

Praxis-Beispiel

Jürgen Bauer arbeitet ausschließlich in seinen Semesterferien 3,5 Monate. Seine wöchentliche Arbeitszeit beträgt 35 Stunden, sein monatliches Arbeitsentgelt 1.300 EUR.

Es besteht nur Rentenversicherungspflicht. Beiträge sind i. H. v. 18,6 % des Arbeitsentgelts zu zahlen; Jürgen Bauer und sein Arbeitgeber tragen diesen Beitrag je zur Hälfte.

 

Praxis-Beispiel

Nadine Fischer arbeitet auch in ihren Semesterferien. Ihre Wochenarbeitszeit beträgt 8 Stunden, ihr monatliches Arbeitsentgelt 300 EUR.

Es besteht Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherungsfreiheit. Der Arbeitgeber entrichtet aber pauschale Beiträge zur Kranken- (13 %) und Rentenversicherung (15 %) in Höhe von insgesamt 28 %, ggf. zuzüglich weiterer 2 % pauschaler Steuer. Frau Fischer hat – sofern sie sich nicht von der Rentenversicherungspflicht befreien lässt – einen Beitragsanteil zur Rentenversicherung von 3,6 % zu tragen.

Eine Beschäftigung ist auch dann kranken-, pflege- und arbeitslosenversicherungsfrei, wenn diese zwar an mehr als 20 Stunden wöchentlich, aber entweder auf maximal 3 Monate bzw. 70 Arbeitstage befristet oder ausschließlich auf die Semesterferien begrenzt ausgeübt wird.

Wenn eine zunächst auf diese Zeiträume befristete Beschäftigung – unerwartet – so verlängert wird, dass der 3-Monats-Zeitraum ...

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