Rz. 2

Die Vorschrift definiert die Anspruchsvoraussetzung der Hilfebedürftigkeit i. S. des § 7 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 für die Zugehörigkeit zum Berechtigtenkreis auf Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende nach § 7. Damit grenzt die Vorschrift ab, wer unabhängig von Alter und Wohnort bzw. gewöhnlichem Aufenthalt sowie Erwerbsfähigkeit Leistungen der Allgemeinheit aus Steuermitteln als Fürsorgeleistung bedarf. Die Vorschrift wird durch § 44a ergänzt. Dort ist in 3 Absätzen das Verfahren auch der Träger zueinander geregelt. Im Gegensatz zu den bedürftigkeitsunabhängigen Versicherungsleistungen – insbesondere das Arbeitslosengeld (Alg) nach dem Recht der Arbeitsförderung im SGB III – wird zugleich klargestellt, dass die staatlichen Leistungen nachrangig sind.

§ 9 bestimmt die Eckpunkte der Hilfebedürftigkeit, die dann in den nachfolgenden Vorschriften konkretisiert werden. Der Gesetzgeber legt damit den Maßstab für die aus Steuermitteln finanzierte Sozialleistung an. Fehlende Hilfebedürftigkeit muss vom Jobcenter (im Auftrag der Agentur für Arbeit bzw. für den zugelassenen kommunalen Träger) ausdrücklich festgestellt werden, sie ergibt sich nicht aus einer fehlenden Mitwirkung des Antragstellers auf Leistungen zum Lebensunterhalt. In solchen Fällen kann die Leistung nach Maßgabe des § 66 SGB I versagt oder entzogen werden. Auch Fälle des § 31, in denen eine Sanktion vorgesehen ist, können nicht dazu führen, dass Leistungen wegen fehlender Hilfebedürftigkeit nicht erbracht oder entzogen werden; ggf. ist die Sanktion nach § 31a festzustellen. Zu Sofortangeboten vgl. § 3 Abs. 2.

 

Rz. 2a

Abs. 1 definiert Hilfebedürftigkeit in Verbindung mit den nachfolgenden Regelungen im Ergebnis als einen Zustand, in dem die Bedarfsgemeinschaft, die auch nur aus einem erwerbsfähigen Leistungsberechtigten bestehen kann, nicht über ausreichende eigene Kräfte und Mittel verfügt und die erforderliche Hilfe auch nicht von anderen erhält, um den Lebensunterhalt insgesamt für alle Personen der Bedarfsgemeinschaft und die Eingliederung in Arbeit der erwerbsfähigen Personen aus der Bedarfsgemeinschaft zu sichern. Damit ist umfassend beschrieben, dass die Träger der Grundsicherung für Arbeitsuchende durch ihre gemeinsamen Einrichtungen (vgl. § 44b) oder als zugelassene kommunale Träger nach § 6a nach dem SGB II erst nach Ausschöpfen aller Selbsthilfemöglichkeiten und erreichbarer Hilfe durch Dritte zur Gewährung von Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende verpflichtet werden sollen. Der Hilfesuchende hat insbesondere seine Arbeitskraft und das zu berücksichtigende Einkommen und Vermögen einzusetzen, um Hilfebedürftigkeit zu vermeiden, zu verringern oder zu beenden (verkürzen oder beseitigen). Dies korrespondiert mit den Grundsätzen des Forderns, insbesondere der Eigenverantwortung (vgl. auch § 3 Abs. 1 Satz 1). Andererseits wird verdeutlicht, dass nicht jegliche Habe geopfert werden muss, bevor die Leistungen nach dem SGB II in Anspruch genommen werden können. Allerdings sind vorrangig Hilfen von Angehörigen und Sozialleistungsträgern einzusetzen. Das Gesetz differenziert hierbei nicht nach der Nähe der Angehörigen und grenzt auch die Träger von Sozialleistungen nicht näher ein. Damit wird noch einmal herausgestellt, wie umfassend der Nachrang der Leistungen nach dem SGB II ist (vgl. auch § 5 Abs. 1 und 3). Die Gesetzesbegründung weist darauf hin, dass sich trotz der Neufassung des Abs. 2 zum 1.1.2011 an der materiellen Rechtslage nichts geändert hat. Die Hilfebedürftigkeit der Mitglieder der Bedarfsgemeinschaft werde erst nach Abs. 2 bestimmt, Abs. 2 sei insofern in Bezug auf Abs. 1 eine Sonderregelung für die verschiedenen Konstellationen, in denen mehrere Personen in einer Bedarfsgemeinschaft leben. Zwar unterfällt jedes einzelne Mitglied der Bedarfsgemeinschaft zunächst Abs. 1; Abs. 2 betrachtet jedoch die Bedarfsgemeinschaft insgesamt und das Verhältnis des einzelnen Mitgliedes zu der Bedarfsgemeinschaft.

Hilfebedürftigkeit liegt wegen der Erzielung von Einkommen auch dann nicht vor, wenn das Einkommen lediglich eine Sollstellung auf dem Konto des Antragstellers deckt, das Einkommen verliert dadurch seinen Charakter nicht (BSG, Urteil v. 29.4.2015, B 14 AS 10/14 R). Es liegt vielmehr eine Einkommensverwendung vor. Im Ergebnis ist das bei einer einmaligen Einnahme eine vorzeitige Verwendung, sodass die Zahlung eines Darlehens nach § 24 Abs. 4 Satz 2 geprüft werden kann.

 

Rz. 2b

Abs. 2 Satz 1 und 2 regeln die Berücksichtigung von Einkommen und Vermögen innerhalb der Bedarfsgemeinschaft. In jedem Fall ist das Einkommen und Vermögen von Partnern zu berücksichtigen (Abs. 2 Satz 1). Das sind der nicht dauernd getrennt lebende Ehegatte oder Lebenspartner sowie der Partner in einer Einstehensgemeinschaft i. S. d. § 7 Abs. 3a. Ggf. ist das Einkommen wechselseitig zu berücksichtigen. Das Einkommen und Vermögen der in der Bedarfsgemeinschaft lebenden Elternteile (Vater, Mutter oder beide Elternteile) eines unverheirateten Kindes unter 25 ...

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