Sauer, SGB II § 56 Anzeige- und Bescheinigungspflicht bei Arbeitsunfähigkeit

0 Rechtsentwicklung

 

Rz. 1

Die Vorschrift trat mit Art. 1 des Vierten Gesetzes für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt v. 24.12.2003 (BGBl. I S. 2954) am 1.1.2005 (Art. 61 Abs. 1 des genannten Gesetzes) in Kraft.

 

Rz. 2

Die Vorschrift ist mit Art. 2 Nr. 48 des Gesetzes zur Ermittlung der Regelbedarfe und zur Änderung des Zweiten und Zwölften Buches Sozialgesetzbuch v. 24.3.2011 (BGBl. I S. 453) mit Wirkung zum 1.4.2011 geändert worden. Die Änderung betraf Abs. 1 und war rein redaktionell (Ersetzen des Wortes "Hilfebedürftige" durch das Wort "Leistungsberechtigte"). Sie steht jedoch in unmittelbarem Zusammenhang mit § 25. Aufgrund der Beschlussempfehlung des Ausschusses für Gesundheit und Soziale Sicherung ist in der Ausschussberatung eine Änderung des § 25 eingefügt worden (BT-Drs. 15/4751, Begründung S. 41 f.). Sie ist durch Art. 2a des Gesetzes zur Vereinfachung der Verwaltungsverfahren im Sozialrecht (Verwaltungsvereinfachungsgesetz) v. 21.3.2005 (BGBl. I S. 818, 822) rückwirkend zum 1.1.2005 in Kraft getreten (vgl. Art. 32 Abs. 6). Der Bezug von Krankengeld für Bezieher von Arbeitslosengeld (Alg) II ist entfallen. Erwerbsfähige Leistungsberechtigte erhalten seitdem ohne zeitliche Begrenzung bei Arbeitsunfähigkeit Leistungen nach dem SGB II.

 

Rz. 3

Die Vorschrift ist mit Art. 1 des Neunten Gesetzes zur Änderung des Zweiten Buches Sozialgesetzbuch – Rechtsvereinfachung – sowie zur vorübergehenden Aussetzung der Insolvenzantragspflicht v. 26.7.2016 (BGBl. I S. 1824) mit Wirkung zum 1.8.2016 geändert worden. Dabei ist Abs. 1 Satz 1 neu gefasst worden und nach Abs. 1 Satz 1 der Satz 2 angefügt worden, wonach § 31 Abs. 1 kein Anwendung findet. Nach der bis zum 31.7.2016 geltenden Rechtslage war jede erwerbsfähige leistungsberechtigte Person verpflichtet, eine Arbeitsunfähigkeit anzuzeigen und zu bescheinigen. Dies galt auch für Personen, für die eine Eingliederung in den Arbeitsmarkt aktuell nicht in Betracht kam, weil sie z. B. als Schüler eine allgemeinbildende Schule besuchten (BT-Drs. 18/8041 S. 60). Mit der im Rahmen des Neunten Gesetzes zur Änderung des Zweiten Buches Sozialgesetzbuch – Rechtsvereinfachung – sowie zur vorübergehenden Aussetzung der Insolvenzantragspflicht erfolgten Neufassung von Abs. 1 Satz 1 wurde die Anzeige- und Bescheinigungspflicht flexibilisiert. Jetzt besteht die Pflicht zur Anzeige und Bescheinigung nur dann, wenn die Pflichterfüllung für die Integration in Ausbildung oder Arbeit oder für die Feststellung der Anspruchsvoraussetzungen erforderlich ist. Die Anzeige und Bescheinigungspflicht gilt daher nicht mehr kraft Gesetzes, sondern muss in der Eingliederungsvereinbarung individuell geregelt werden (BT-Drs. 18/8041 S. 60). Mit der Neufassung von Satz 1 zum 1.8.2016 ist auch eine Entlastung der betroffenen Leistungsberechtigten durch Minimierung ihrer Informations- und Mitwirkungspflichten verbunden.

 

Rz. 4

Zuletzt ist die Vorschrift durch das Gesetz zur Änderung des Bundesversorgungsgesetzes und anderer Vorschriften v. 17.7.2017 (BGBl. I S. 2541) mit Wirkung zum 25.7.2017 geändert worden. Dabei wurde nur die Bezugnahme in Abs. 2 Satz 1 (statt Abs. 1 Satz 5 nun Satz 6) redaktionell geändert.

1 Allgemeines

 

Rz. 5

Durch die Änderung des § 25 verliert § 56 seinen Hauptanwendungsbereich. Nach der Neufassung des § 25 beziehen auch arbeitsunfähig erkrankte erwerbsfähige Leistungsberechtigte i. S. d. § 8 rückwirkend seit dem 1.1.2005 Alg II. Der Bezug von Krankengeld für erwerbsfähige Leistungsberechtigte ist ersatzlos gestrichen worden. Nur für Bezieher von Verletztengeld der Unfallversicherung nach § 45 SGB VII und Bezieher von Übergangsgeld bei medizinischen Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung nach § 20 SGB VI bleibt es bei der vorschussweisen Gewährung durch die Träger der Grundsicherung, wenn die Bezugsdauer mehr als einen Monat beträgt.

Der bedeutsamste Anwendungsfall des § 56, die Krankengeldzahlung bei mehr als 6-wöchiger Arbeitsunfähigkeit, ist entfallen. Der Norm kommt daher praktisch kaum noch Bedeutung zu. Sie dient jetzt wohl im Wesentlichen der Kontrolle, ob die Arbeitsunfähigkeit zur Erwerbsunfähigkeit führt (vgl. ähnlich: Blüggel, in: Eicher/Luik, SGB II, § 56 Vorbem. Rz. 3).

 

Rz. 6

Die Vorschrift bestimmt die Anzeige- und Nachweispflicht für erwerbsfähige Antragsteller oder Bezieher von Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts nach dem SGB II, wenn diese arbeitsunfähig erkrankt sind. Die Anzeigepflicht dient zum einen dazu, auf eine möglicherweise entfallene Erwerbsfähigkeit i. S. v. § 8 oder auf eine vorrangige Leistungspflicht eines anderen Trägers (z. B. Unfallversicherung bei Arbeitsunfällen) aufmerksam zu machen (BT-Drs. 18/8041 S. 59). Zum anderen wird mit der Anzeige die aktuelle Nichtleistungsfähigkeit der leistungsberechtigten Person im Eingliederungsprozess dokumentiert. Die Regelung entspricht im Grundsatz § 311 SGB III (vgl. BT-Drs. 15/1516, Begründung S. 65 Art. 1 zu § 56), der seinerseits der für Arbeitnehmer geltenden Norm des § 5 EFZG nachgebildet ist. Die Rechtsprechung und L...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt TVöD Office Professional. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich TVöD Office Professional 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge