Sauer, SGB II § 11b Absetzbeträge

0 Rechtsentwicklung

 

Rz. 1

Die Vorschrift wurde durch das Gesetz zur Ermittlung von Regelbedarfen und zur Änderung des Zweiten und Zwölften Buches Sozialgesetzbuch v. 24.3.2011 (BGBl. I S. 453) mit Wirkung zum 1.4.2011 in das SGB II eingefügt. Dabei wurde § 11 in die §§ 11 (Neufassung), 11a und 11b aufgegliedert.

Abs. 1 wurde mit Wirkung zum 1.4.2012 durch das Gesetz zur Verbesserung der Eingliederungschancen am Arbeitsmarkt v. 20.12.2011 (BGBl. I S. 2854) geändert.

Abs. 2 wurde mit Wirkung zum 1.1.2013 durch das Gesetz zur Stärkung des Ehrenamtes v. 31.3.2013 (BGBl. I S. 556) geändert.

Abs. 1 und 2 wurden durch das Neunte Gesetz zur Änderung des Zweiten Buches Sozialgesetzbuch – Rechtsvereinfachung – und zur vorübergehenden Aussetzung der Insolvenzantragspflicht (9. SGB II-ÄndG) v. 26.7.2016 (BGBl. I S. 1824) mit Wirkung zum 1.8.2016 geändert.

1 Allgemeines

 

Rz. 2

Die Vorschrift regelt, welche Beträge bei der Berücksichtigung von Einkommen vor der Anrechnung auf den Bedarf der Bedarfsgemeinschaft von den Einnahmen abzusetzen sind. Das setzt voraus, dass die Einnahme als zu berücksichtigendes Einkommen zu qualifizieren ist.

Dazu werden Regelungen nicht nur in § 11b, sondern auch in den §§ 11, 11a getroffen. § 11b enthält Regelungen zur Bereinigung dieses Einkommens, um zu vermeiden, dass Einnahmen, die für den Lebensunterhalt nicht zur Verfügung stehen oder für einen besonderen anderen Bedarf gedacht sind, nicht auf die Leistungen zum Lebensunterhalt angerechnet werden. Beim Zusammentreffen von Einkünften aus Erwerbstätigkeit und aus steuerprivilegierter ehrenamtlicher Tätigkeit sind Absetzbeträge für jede Tätigkeit gesondert anzusetzen und können nebeneinander Anwendung finden.

 

Rz. 3

Basisvorschrift ist § 11. Diese Vorschrift bestimmt das zu berücksichtigende Einkommen und die Art und Weise der Berücksichtigung von laufenden und einmaligen Einnahmen. Abgrenzend dazu enthält § 11a grundsätzlich die Einnahmen, die nicht als Einkommen zu berücksichtigen sind. Daneben sind die Regelungen der Alg II–V zu beachten, die aufgrund der Ermächtigung in § 13 Abs. 1 erlassen wurden. Nach der Rechtsprechung des BSG ist die Ermächtigung i. S. v. Art. 80 Abs. 1 Satz 2 GG ausreichend bestimmt (BSG, Urteil v. 1.12.2016, B 14 AS 34/15 R; zuvor schon BSG, Urteil v. 30.7.2008, B 14 AS 43/07 R). Seit dem 1.1.2016 ist die Alg II–V i. d. F. der 7. ÄndVO v. 26.7.2016 (BGBl. I S. 1858) maßgebend. Absetzungsbeträge stehen im Grundsatz nicht zur Deckung des Bedarfs für den Lebensunterhalt zur Verfügung. Folglich werden sie auch nicht von dem gesetzlichen Anspruchsübergang in § 33 erfasst (BSG, Urteil v. 14.3.2012, B 14 AS 98/11 R). Die beabsichtigte Trennung der §§ 11, 11a und 11b nach zu berücksichtigendem Einkommen, nicht zu berücksichtigendem Einkommen sowie Absetzungen vom Einkommen ist spätestens seit dem 1.8.2016 nicht mehr strikt durchgehalten.

Zu beachten ist jedoch, dass nicht jede Minderung des Einkommens eine Absetzung darstellt. So ist es für das Recht der Grundsicherung unbeachtlich, wenn eine Einnahme auf einem Konto eingeht, das mit einem Dispositionskredit belastet ist und aus Anlass des Eingangs der Einnahme von dem kontoführenden Geldinstitut entsprechend zurückgeführt wird. Der Betrag, der dem Kontoausgleich dient, stellt keine Absetzung i. S. v. § 11b dar, darüber hinaus ist das Einkommen auch nicht um diesen Betrag zu verringern, bevor er nach § 11 zur Anrechnung gebracht wird (im entschiedenen Fall eine Erbschaft, die als einmalige Einnahme auf 6 Monate verteilt wird). Der Ausgleich des eingeräumten Dispositionskredites ist als Mittelverwendung zu verstehen, daher kann auch nicht davon ausgegangen werden, dass der Ausgleichsbetrag keine bereiten Mittel darstellt (BSG, Urteil v. 29.4.2015, B 14 AS 10/14 R).

 

Rz. 4

Die Vorschrift gehört zu den umstrittenen Vorschriften der Grundsicherung. Sie ist besonders häufig Gegenstand von Widerspruch und Klage. Regelmäßig werden höhere Absetzungen begehrt. Das liegt auch daran, dass tatsächliche Aufwendungen teilweise durch Pauschalen abgegolten werden, die zwar bürokratiearm zu handhaben sind, aber eben nach strenger Kalkulation durch den Gesetz- bzw. Verordnungsgeber doch so bemessen sind, dass die tatsächlichen Aufwendungen oft nicht gänzlich abgesetzt werden können. Außerdem steht immer wieder in Streit, ob eine Absetzung, die am Niveau von Beziehern geringer Einkommen zu orientieren ist, insoweit notwendig oder angemessen ist. Die Erfolgsquote ist beträchtlich, jedoch nur teilweise auf fehlerhafte Entscheidungen der Jobcenter zurückzuführen. Der Gesetzgeber wollte sich im Wesentlichen an das Recht der Sozialhilfe (jetzt SGB XII) halten. Die gegenüber der Arbeitslosenhilfe nach dem SGB III ungünstigeren Bestimmungen in § 11 zur Berücksichtigung von Einkommen begegnen nach der Rechtsprechung des BSG keinen verfassungsrechtlichen Bedenken (BSG, Urteil v. 23.11.2006, B 11b AS 1/06 R). Das BSG hat es schon als nicht verfassungswidrig angesehen, dass der Gesetzgeber die Ansprüche auf Arbeitslosenhilfe nach den Vorschrif...

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