Praxis-Beispiele: Sachbezug

1 Benzingutschein, steuerliche Voraussetzungen

 

Sachverhalt

Ein Arbeitnehmer erhält von seinem Arbeitgeber monatlich zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn einen Gutschein mit folgenden Angaben:

  • "Treibstoff (Benzin, Super oder Diesel) im Wert von 44 EUR, einzulösen bei der Tankstelle A."
  • Der Inhaber des Gutscheins ist nicht berechtigt, andere Waren an Stelle des Treibstoffs auszusuchen.

Erfüllt der Gutschein die Voraussetzungen zur Abrechnung als Sachbezug und zur Anwendung der 44-EUR-Sachbezugsfreigrenze?

Ergebnis

Alle Voraussetzungen für einen steuer- und sozialversicherungsfreien Sachbezug sind erfüllt:

  • Der Gutschein wird zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gewährt.
  • Der Arbeitnehmer kann eine genau bestimmte Sachleistung bei der Tankstelle (hier: Treibstoff) beanspruchen.
  • Der Arbeitnehmer hat keinen Anspruch auf Geld.
  • Dem Arbeitnehmer wird das Recht eingeräumt, bei der Tankstelle die Sachleistung zu ordern.
  • Der auf dem Gutschein genannte Betrag übersteigt nicht die Freigrenze von 44 EUR.

Der Sachbezug bleibt bis zu 44 EUR monatlich steuerfrei. Durch die Steuerfreiheit bleibt der Sachbezug auch in der Sozialversicherung beitragsfrei.

Achtung

Seit 1.1.2020 gibt es eine neue Abgrenzung zwischen Sachbezügen und Barlohn. Danach können Benzingutscheine weiterhin als Sachbezug gewertet werden, wenn

  1. sie zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gewährt werden,
  2. ausschließlich Waren und Dienstleistungen bezogen werden können und
  3. es sich z. B. bei Tankkarten um sog. "Closed-Loop-Karten" (= Einkauf beim Aussteller des Gutscheins) oder "Controlled-Loop-Karten" (= Einkauf bei einem begrenzten Kreis von Akzeptanzstellen) handelt.

Vorsicht ist geboten bei sog. Prepaidkarten. Hier ist genau zu prüfen, inwiefern solche Guthabenkarten die Kriterien eines Sachbezugs erfüllen. Es ist davon auszugehen, dass das Bundesfinanzministerium ein klärendes Anwendungsschreiben veröffentlichen wird.

Hinweis

Bei dem Betrag von 44 EUR handelt es sich um eine Freigrenze, nicht um einen Freibetrag. Würde die monatliche Freigrenze von 44 EUR auch nur um 1 Cent überschritten, wäre der gesamte Betrag und nicht nur der übersteigende Betrag steuer- und sozialversicherungspflichtig. In einem Monat nicht ausgenutzte Teile der Freigrenze dürfen nicht auf andere Zeiträume verteilt und nicht auf einen Jahresbetrag hochgerechnet werden.

2 Benzingutschein, 96-%-Regelung

 

Sachverhalt

Der Arbeitgeber räumt seinem Arbeitnehmer das Recht ein, einmalig zu einem beliebigen Zeitpunkt bei einer Tankstelle auf Kosten des Arbeitgebers gegen Vorlage einer Tankkarte bis zu einem Betrag von 44 EUR zu tanken. Der Arbeitnehmer tankt im Februar für 46 EUR; der Betrag wird vom Konto des Arbeitgebers abgebucht.

Sind die Voraussetzungen zur Anwendung der 44-EUR-Sachbezugsfreigrenze erfüllt? Und kann der Bewertungsabschlag von 4 % in diesem Fall angewandt werden?

Ergebnis

Unter der Voraussetzung, dass der Arbeitnehmer von seinem Arbeitgeber nicht anstelle der ausgehändigten Tankkarte Barlohn verlangen kann, liegt im Februar ein Sachbezug vor. Dieser Sachbezug ist steuerfrei, wenn dem Arbeitnehmer in diesem Monat keine weiteren Sachbezüge gewährt werden und der Arbeitgeber die übersteigenden 2 EUR vom Arbeitnehmer einfordert.

Der Arbeitgeber darf keinen Bewertungsabschlag von 4 % vornehmen, da der Sachbezug durch einen Warengutschein mit Betragsangabe ausgegeben wird.

Falls der Arbeitgeber den Betrag von 2 EUR nicht einfordert, ist der gesamte Sachbezug nicht steuerfrei, da die 44-EUR-Freigrenze für Sachbezüge überschritten wurde. Zudem fallen Sozialversicherungsbeiträge an.

Hinweis

Die Sachbezugsfreigrenze von 44 EUR im Monat ist ausschließlich auf solche Sachbezüge anwendbar, die nach § 8 Abs. 2 Satz 1 EStG zu bewerten sind (sog. 96-%-Regelung). Nicht unter die 44-EUR-Sachbezugsfreigrenze fallen geldwerte Vorteile, die sich aus der privaten Nutzung eines Dienstwagens ergeben und Sachbezüge die nach der Sozialversicherungsentgeltverordnung (SvEV) mit amtlichen Sachbezugswerten anzusetzen sind (z. B. Verpflegung und Unterkunft) oder als sog. Belegschaftsrabatte unter den Rabattfreibetrag fallen.

3 Essenmarke

 

Sachverhalt

Die Mitarbeiter eines Unternehmens erhalten pro Arbeitstag eine Essenmarke im Wert von 5,90 EUR, die in einer externen Kantine eingelöst werden können. Die Arbeitnehmer zahlen pro Essenmarke jeweils den amtlichen Sachbezugswert 2021 von 3,47 EUR hinzu.

Wie hoch ist der geldwerte Vorteil für die Arbeitnehmer?

Ergebnis

Bei der gewählten Variante entsteht kein steuerpflichtiger geldwerter Vorteil, da der Arbeitnehmer genau den Sachbezugswert für die Essenmarke bezahlt.

 
Wert der Essenmarke 5,90 EUR
Abzgl. Zuzahlung des Arbeitnehmers 3,47 EUR
Anzusetzen ist höchstens der Sachbezugswert für die Mahlzeit 3,47 EUR
Geldwerter Vorteil 0,00 EUR

Durch die Zuzahlung der Arbeitnehmer in Höhe des amtlichen Sachbezugswerts für Verpflegung ergibt sich kein steuerpflichtiger geldwerter Vorteil. Im Kalenderjahr 2021 muss die Zuzahlung also mindestens 3,47 EUR für eine Essenmarke betragen.

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