Kommentierung zum Tarifvert... / 19.2.1 Erreichen der Altersgrenze (Absatz 1 Satz 1 Buchst. a)

§ 19 Abs. 1 Buchst. a TV-V in der ab 1. Januar 2010 geltenden Fassung entspricht § 33 Abs. 1 Buchst. a TVöD. Nach der früheren Rechtslage hatten Arbeitnehmer, die die allgemeine Wartezeit erfüllt haben, mit Vollendung des 65. Lebensjahrs einen Anspruch auf Altersrente (Regelaltersrente nach § 35 SGB VI).

Das BAG hat mit Urteil entschieden, derartige tarifliche Altersgrenzen seien zulässig. Die hierin liegende Befristung des Arbeitsverhältnisses sei nach seiner ständigen Rechtsprechung durch einen sachlichen Grund im Sinne von § 14 Abs. 1 TzBfG gerechtfertigt, wenn der Arbeitnehmer aufgrund der Beschäftigung eine gesetzliche Altersrente erwerben kann.

Der Wirksamkeit einer derartigen tariflichen Altersgrenzenregelung stehen - so das BAG - auch das gemeinschaftsrechtliche Verbot der Diskriminierung wegen des Alters und die Vorgaben aus der Richtlinie 2000/78/EG nicht entgegen. Die Ungleichbehandlung ist durch ein legitimes Ziel aus der Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik im Sinne von Art. 6 Abs. 1 der Richtlinie 2000/78/EG gerechtfertigt.

Die Entscheidung des BAG ist zu einer vor Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) vereinbarten tariflichen Altersgrenze ergangen. Nach § 19 Nr. 8 des allgemeinverbindlichen Rahmentarifvertrages für das Gebäudereinigerhandwerk vom 4. Oktober 2003 endet das Arbeitsverhältnis u.a. mit Ablauf des Monats, in dem die/der Beschäftigte das 65. Lebensjahr vollendet. Im Juni 2005 wurde die Klägerin 65 Jahre alt. Ihre gegen die Beendigung des Arbeitsverhältnisses gerichtete Klage blieb vor dem BAG ebenso wie in den Vorinstanzen erfolglos.

Das BAG hat mit Urteil die Wirksamkeit von § 33 Abs. 1 Buchst. a TVöD in der bis zum 30. Juni 2008 geltenden Fassung bestätigt und damit seine Entscheidung vom 18.6.2008, 7 AZR 116/07 zu einer vor Inkrafttreten des AGG vereinbarten tariflichen Altersgrenze fortgeführt.

Die Regelung im TVöD verstößt nach der zutreffenden Auffassung des BAG für Beschäftigte, die bis zum 30. Juni 2008 das 65. Lebensjahr vollendet und einen Anspruch auf Regelaltersrente erworben haben, nicht gegen das Verbot der Altersdiskriminierung (§§ 1, 7 Abs. 1 AGG). Sie führt zwar zu einer unmittelbaren Benachteiligung wegen des Alters. Diese ist aber nach § 10 Satz 3 Nr. 5 AGG erlaubt.

In Anbetracht dieser Rechtsprechung ist davon auszugehen, dass auch § 33 Abs. 1 Buchst. a TVöD in der ab 1. Juli 2008 geltenden Fassung sowie § 19 Abs. 1 Satz 1 Buchst. a TV-V europarechtskonform und mit dem AGG vereinbar sind.

Die frühere Regelaltersgrenze (Vollendung des 65. Lebensjahres) ist aufgrund des Gesetzes zur Anpassung der Regelaltersgrenze an die demografische Entwicklung und zur Stärkung der Finanzierungsgrundlagen der gesetzlichen Rentenversicherung (RV-Altersgrenzenanpassungsgesetz) vom 20. April 2007 angehoben worden, und zwar mit Wirkung ab 1. Januar 2008. Danach erreichen lediglich noch Versicherte, die vor dem 1. Januar 1947 geboren sind, die Regelaltersgrenze mit Vollendung des 65. Lebensjahres. Für Versicherte, die nach dem 31. Dezember 1946 geboren sind, wird die Regelaltersgrenze stufenweise angehoben.

Im TVöD ist die gesetzliche Neuregelung bereits mit Änderungstarifvertrag Nr. 2 vom 31. März 2008 durch eine entsprechende Änderung von § 33 Abs. 1 Buchst. a TVöD umgesetzt worden. Danach endet das Arbeitsverhältnis ohne Kündigung mit Ablauf des Monats, in dem die/der Beschäftigte das gesetzlich festgelegte Alter zum Erreichen der Regelaltersrente vollendet hat. Im 6. Änderungstarifvertrag vom 20. November 2009 zum TV-V ist vereinbart worden, dass das Arbeitsverhältnis mit Ablauf des Monats endet, in dem der Arbeitnehmer das gesetzlich festgelegte Alter zum Erreichen einer abschlagsfreien Regelaltersrente vollendet hat. Eine inhaltliche Abweichung vom TVöD ist damit nicht erfolgt.

Weiterbeschäftigung nach Rentenbeginn

Anders als der TVöD (dort § 33 Abs. 5) enthält der TV-V keine Regelungen zur Weiterbeschäftigung des Arbeitnehmers nach Erreichen der Regelaltersgrenze. Insoweit bestehen folgende Möglichkeiten: Nach § 41 Satz 3 SGB VI in der seit dem 1. Juli 2014 geltenden Fassung können die Arbeitsvertragsparteien durch Vereinbarung während des Arbeitsverhältnisses den Beendigungszeitpunkt, ggf. auch mehrfach, hinausschieben, wenn eine Vereinbarung (wie § 19 Abs. 1 Satz 1 Buchst. a) die Beendigung des Arbeitsverhältnisses mit dem Erreichen der Regelaltersgrenze vorsieht.

§ 41 Satz 3 SGB VI setzt demzufolge voraus, dass die befristete Anschlussbeschäftigung bereits während des Arbeitsverhältnisses vereinbart werden muss. Hierfür müssen nicht die Voraussetzungen des Teilzeit- und Befristungsgesetzes vorliegen. Das Gesetz erlaubt allerdings nur das Hinausschieben des Beendigungszeitpunktes und keine sonstigen vertraglichen Änderungen.

§ 41 Satz 3 SGB VI verstößt nicht gegen Unionsrecht. Die Regelung ist sowohl mit der Gleichbehandlungsrichtlinie als auch mit der Rahmenvereinbarung über befristete Arbeitsverträge vereinbar. Alternativ kommt der Abschluss eines neuen Arbe...

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