Kindergeld / 3.3.7 Höhe des Kindergelds, Zahlkinder und Zählkinder

Das Kindergeld beträgt gemäß § 66 Abs. 1 EStG monatlich

 
  Ab 1.1.2018 Für 2017 Für 2016 Für 2015
für das 1. und 2. Kind 194 EUR je Kind 192 EUR je Kind 190 EUR je Kind 188 EUR je Kind
für das 3. Kind 200 EUR 198 EUR 196 EUR 194 EUR
für das 4. und jedes weitere Kind 225 EUR je Kind 223 EUR je Kind 221 EUR je Kind 219 EUR je Kind

Wer 1., 2., 3. Kind usw. ist, richtet sich nach dem Zeitpunkt der Geburt. Das älteste Kind ist das 1., das zweitälteste das 2. Kind usw. Kinder, für die der Kindergeldanspruch – z. B. wegen Beendigung der Ausbildung, Überschreiten der Altersgrenze – erloschen ist, dürfen nicht mehr berücksichtigt werden, auch nicht als Zählkinder (zum Begriff vgl. "Zahlkinder, Zählkinder").

Fällt ein Kind aus der Kindergeldzahlung heraus, rücken die jüngeren Kinder auf die freigewordene Position nach.

 
Praxis-Beispiel

Ein Berechtigter erhält 2018 für 4 Kinder Kindergeld in Höhe von monatlich für das 1. und 2. Kind jeweils 194 EUR, für das 3. Kind 200 EUR, für das 4. Kind 225 EUR, insgesamt also 813 EUR. Entfällt der Kindergeldanspruch für das 1. Kind – z. B. wegen Vollendung des 25. Lebensjahres –, rücken die jüngeren Geschwister auf die freigewordene Position nach, d. h., das "2. Kind" wird 1., das "3. Kind" wird 2. Kind und das 4. Kind wird 3. Künftig wird nur noch Kindergeld gezahlt in Höhe von 2 × 194 EUR zzgl. 1 × 200 = 588 EUR. Durch den Wegfall des ältesten Kindes verringert sich das Kindergeld somit nicht um die 194 EUR, die bisher auf das aus der Kindergeldgewährung herausfallende "1. Kind" entfielen, sondern um 225 EUR.

Zahlkinder, Zählkinder

Bei Festsetzung der Rangordnung werden neben den Zahlkindern auch sog. "Zählkinder" mitgerechnet.

"Zahlkinder" sind die Kinder, für die tatsächlich Kindergeld ausgezahlt wird. "Zählkinder" dagegen sind alle nach § 63 EStG "zu berücksichtigenden" Kinder. Dazu gehören auch Kinder, für die Kindergeld nur deshalb nicht ausgezahlt wird, weil eine andere Person vorrangig berechtigt ist (§ 64 EStG) (Näheres unter "mehrere Anspruchsberechtigte").

Die Berücksichtigung eines Kindes als Zählkind begründet unter Umständen einen Anspruch auf erhöhtes Kindergeld für später geborene Kinder.

 
Praxis-Beispiel

Ein Beschäftigter beantragt 2018 Kindergeld für die 2, 5 und 7 Jahre alten Söhne aus seiner Ehe. Auf dem Kindergeldantrag hat er eine nichtehelich geborene Tochter (15 Jahre alt) aus einer früheren Beziehung angegeben. Sie lebt bei ihrer Mutter. Das Kindergeld für die Tochter ist nach dem Obhutsprinzip (Näheres unter "mehrere Anspruchsberechtigte") an die Kindesmutter auszuzahlen. Das Kind wird jedoch beim Vater als sog. Zählkind berücksichtigt, was zur Erhöhung des Kindergeldanspruchs für die beiden ehelich geborenen Kinder führt:

 
1. Kind: 15-jährige nichteheliche Tochter Keine Auszahlung
2. Kind: ehelich (7 Jahre alt) 194 EUR
3. Kind: ehelich (5 Jahre alt) 200 EUR
4. Kind: ehelich (2 Jahre alt) + 225 EUR
Gesamtkindergeld 619 EUR

Die nichtehelich geborene Tochter ist "Zählkind". Die 3 Kinder aus der Ehe sind "Zahlkinder".

Würde die Ehefrau das Kindergeld beantragen, so wäre das Gesamtkindergeld auf 588 EUR festzusetzen (2 × 194 für das 1. und 2. Kind zzgl. 1 × 200 EUR für das 3. Kind). Die nichteheliche Tochter des Ehemanns kann bei ihr nicht berücksichtigt werden, weil sie nicht in den Haushalt aufgenommen ist. Nach § 63 Abs. 1 Nr. 2 EStG besteht Anspruch auf Kindergeld nur für "vom Berechtigten in seinen Haushalt aufgenommene Kinder seines Ehegatten".

Besteht Anspruch auf Kindergeld für mehrere Kinder, handelt es sich gleichwohl um einen einheitlichen Anspruch auf das sog. Gesamtkindergeld.

Auf ein Kind entfällt der Betrag, der sich bei gleichmäßiger Verteilung des Kindergelds auf alle Kinder ergibt. Zählkinder bleiben hierbei unberücksichtigt.

 
Hinweis

Kein Zählkindervorteil in einer "Patchwork-Familie"

Leben die Eltern eines gemeinsamen Kindes in nichtehelicher Lebensgemeinschaft zusammen und sind in deren Haushalt auch ältere, aus einer anderen Beziehung stammende Kinder eines Elternteils aufgenommen, werden diese Kinder der Lebensgefährtin/des Lebensgefährten bei dem anderen Lebensgefährten nicht als Zählkinder berücksichtigt. Der andere Elternteil erhält für das gemeinsame Kind nicht den erhöhten Kindergeldbetrag für ein drittes oder weiteres Kind.

Kindergeldrechtlich werden nur Kinder des anderen Ehegatten/Lebensgefährten berücksichtigt.

Nach dem Urteil des BFH vom 25.4.2018, III R 24/17 begegnet es keinen verfassungsrechtlichen Bedenken, dass einem in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft lebenden Elternteil im Hinblick auf die in seinem Haushalt lebenden Kinder des anderen Elternteils der Zählkindervorteil (näher hierzu Ziffer 3.3.7 – Höhe des Kindergelds, Zahlkinder und Zählkinder) versagt wird, während einem Stiefelternteil dieser Zählkindervorteil für die Kinder seines Ehegatten gewährt wird.

Geklagt hatte der Vater einer im März 2016 geborenen Tochter, der mit der Kindsmutter (Lebensgefährtin) in nichtehelicher Lebensgemeinschaft in einem gemeinsamen Haushalt leb...

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