Jung, SGB VIII § 34 Heimerz... / 2.3 Voraussetzungen der Hilfe
 

Rz. 7

Die Maßnahme der Heimerziehung setzt als Hilfe zur Erziehung voraus, dass eine kindeswohlgerechte Erziehung eines Kindes oder Jugendlichen in seiner Familie nicht gewährleistet ist, wobei die Gründe hierfür unerheblich sind. Entsprechend des präventiven Charakters muss ein Erziehungsdefizit bei dem Kind oder Jugendlichen noch nicht vorliegen, es ist ausreichend, wenn eine Gefährdungssituation besteht. Der Bedarf ist bereits dann gegeben, wenn in der Familie verschuldet oder unverschuldet keine ausreichende Erziehungsfähigkeit vorliegt und eine Überforderungssituation gegeben ist.

Zu beachten ist allerdings, dass es sich bei der Hilfsmaßnahme um Förderung außerhalb der Familie über Tag und Nacht handelt, also um eine Fremdunterbringung. Diese stellt den schwerwiegendsten Eingriff in das Elternrecht dar. Vor einer Heimerziehung ist daher dem Verhältnismäßigkeitsgrundsatz entsprechend zu prüfen, ob nicht familienunterstützende ambulante oder teilstationäre Hilfen zur Abwendung der Gefährdung ausreichend sind. Dies wird im Rahmen der Prüfung der "Geeignetheit" und "Notwendigkeit" aufzuklären sein, wobei letztlich jedoch die Sicherung des Kindeswohles ausschlaggebend sein muss, vgl. auch § 8a, Schutzauftrag des Jugendamtes bei Kindeswohlgefährdung. Häufig jedoch werden bei den Kindern und Jugendlichen bereits Erziehungsdefizite vorliegen (vgl. im Einzelnen die Komm. zu § 27).

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