0 Rechtsentwicklung

 

Rz. 1

Mit § 15 wurde der früher in § 5 Abs. 5 JWG enthaltene Landesrechtsvorbehalt übernommen. Die Vorschrift ist seit dem Inkrafttreten des SGB VIII unverändert geblieben.

1 Allgemeines

 

Rz. 2

Hintergrund dieser Vorschrift ist die verfassungsrechtlich vorgegebene Aufteilung der Gesetzgebungskompetenz im föderalen System der Bundesrepublik Deutschland. § 15 stellt klar, dass das SGB VIII als bundesrechtliche Gesetzgebung den Ländern die eigentliche konkrete Ausgestaltung der Jugendhilfeleistungen überlässt.

2 Rechtspraxis

2.1 Die konkurrierende Gesetzgebung gemäß Art. 74, Art. 72 GG

 

Rz. 3

Nach Art. 74 Abs. 1 Nr. 7 GG erstreckt sich die konkurrierende Gesetzgebung auf die öffentliche Fürsorge. Die Vorschrift umfasst im Kern die öffentliche Hilfe bei wirtschaftlicher Notlage und wird im Hinblick auf das Sozialstaatsprinzip weit ausgelegt (Jarass/Pieroth, GG, Art. 74 Rz. 17). Das BVerfG hat u. a. die Jugendpflege und den Jugendschutz als öffentliche Fürsorge angesehen (BVerfG, Urteil v. 18.7.1967, 2 BvF 3/62 u. a.; BVerfG, Beschluss v. 4.5.1971, 2 BvL 10/70).

Im Bereich der konkurrierenden Gesetzgebung haben die Länder die Befugnis zur Gesetzgebung, solange und soweit der Bund von seiner Gesetzgebungszuständigkeit nicht durch Gesetz Gebrauch gemacht hat, Art. 72 Abs. 1 GG.

Das heißt, gebraucht der Bund rechtmäßig seine Zuständigkeit zur Gesetzgebung, tritt eine Sperrwirkung für die Landesgesetzgebung ein. Das Gebrauchmachen durch den Bund ist nur zulässig, wenn es gemäß Art. 72 Abs. 2 GG notwendig ist, nämlich wenn und soweit die Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse im Bundesgebiet oder die Wahrung der Rechts- oder Wirtschaftseinheit im gesamtstaatlichen Interesse eine bundesgesetzliche Regelung erforderlich macht.

Im Rahmen der Leistungen der Jugendhilfe hat der Bundesgesetzgeber von seiner Regelungskompetenz nach Art. 74 Nr. 7 GG zurückhaltend Gebrauch gemacht; die bestehenden bundesrechtlichen Regelungen in §§ 11 bis 14 haben lediglich einen allgemeinen und wenig konkreten Charakter. In § 15 fordert der Bund ausdrücklich die Länder zu weiterführenden Regelungen auf. Dies hat aufgrund der in Art. 74, Art. 72 GG geregelten konkurrierenden Gesetzgebungskompetenz nur deklaratorische Wirkung, verdeutlicht aber die vom Bund gesehene besondere Dringlichkeit weitergehender konkretisierender Vorschriften.

Allerdings kamen bisher nur einige Bundesländer (Baden-Württemberg, Berlin, Bremen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Schleswig-Holstein und Thüringen, vgl. Tabelle unten) ihrer Regelungskompetenz nach.

2.2 Die Gesetzgebung einzelner Bundesländer

 

Rz. 4

 
Bundesland Gesetz Schwerpunkte
Baden-Württemberg Kinder- und Jugendhilfegesetz für Baden-Württemberg i. d. F. v. 14.4.2005 (GBl. S. 376)  
Bayern Gesetz zur Ausführung der Sozialgesetze v. 8.12.2006 (GVBl. S. 942) Teil 7 Vorschriften für den Bereich des Achten Buches Sozialgesetzbuch – Kinder- und Jugendhilfe – und für weitere Regelungen des Kinder- und Jugendhilferechts  
Berlin Gesetz zur Ausführung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes AG-KJHG v. 27.4.2001 (GVBl. S. 134)  
Brandenburg Erstes Gesetz zur Ausführung des Achten Buches Sozialgesetzbuch – Kinder- und Jugendhilfe (AGKJHG) v. 26.6.1997 (GVBl. I S. 87)  
Bremen Erstes Gesetz zur Ausführung des Achten Buches Sozialgesetzbuch – Gesetz zur Ausführung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes im Lande Bremen (BremAGKJHG) v. 17.9.1991 (BremGBl S. 318); Bremisches Kinder-, Jugend- und Familienförderungsgesetz (BREM KJFFöG), Viertes Gesetz zur Ausführung des 8. Buches Sozialgesetzbuch v. 22.12.1998  
Hamburg Hamburgisches Gesetz zur Ausführung des Achten Buches Sozialgesetzbuch – Kinder- und Jugendhilfe – (AG SGB VIII) v. 25.6.1997 (HmbGVBl. S. 273)  
Hessen Hessisches Kinder- und Jugendhilfegesetzbuch v. 18.12.2006 (GVBl. I S. 698)  
Mecklenburg-Vorpommern Gesetz zur Ausführung des Achten Buches des Sozialgesetzbuches – Kinder- und Jugendhilfe – (Landesjugendhilfeorganisationsgesetz -KJHG-Org M-V v. 23.2.1993 (GVOBl. M-V S. 158); Gesetz zur Förderung und Entwicklung der Kinder- und Jugendarbeit, der Jugendsozialarbeit, des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes, der Freistellung ehrenamtlicher Mitarbeiter und der Fortbildung hauptberuflicher Fachkräfte und Mitarbeiter (Kinder- und Jugendförderungsgesetz – KJfG M-V) – Drittes Landesausführungsgesetz zum Kinder- und Jugendhilfegesetz v. 7.7.1997 (GVOBl. M-V S. 287)  
Niedersachsen Jugendförderungsgesetz v. 15.7.1981 (Nds.GVBl. S. 199), zuletzt geändert durch Art. 13 des Gesetzes v. 15.12.2006 (Nds.GVBl. S. 597) und Art. 4 des Gesetzes v. 25.11.2007 (Nds.GVBl. S. 661); Niedersächsisches Gesetz zur Ausführung des Achten Buchs des Sozialgesetzbuchs und zur Niedersächsischen Kinder- und Jugendkommission (Nds. AG SGB VIII) v. 5.2.1993 (Nds. GVBl. S. 45)  
Nordrhein-Westfalen Erstes Gesetz zur Ausführung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes – AG – KJHG – v. 12.12.1990 (GV NRW S. 664); Drittes Gesetz zur Ausführung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes; Gesetz zur Förderung der Jugendarbeit, der Jugendsozialarbeit und des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes v. 12.10.2004, zuletzt geändert durch Art. 5 des G...

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