Benachteiligung wegen des Alters durch Bezeichnung Junior Consultant

LAG Baden-Württemberg, Urteil v. 19.11.2015, 6 Sa 68/14

Amtliche Leitsätze

1. Die Bezeichnungen "Junior Consultant" in der Überschrift und "Berufsanfänger" im Profil einer Stellenanzeige sind je für sich und zusammen keine Indizien für eine Benachteiligung wegen des Alters.

2. "Junior Consultant" ist ein altersunabhängiger betriebshierarchischer Begriff.

Sachverhalt

Die Beklagte betreibt in Europa eine Supermarktkette mit mehr als 9.000 Filialen. Freie Stellen werden von der Hauptverwaltung der Beklagten ausgeschrieben und besetzt. Im Jahre 2013 schrieb sie die Stelle eines "Senior Consultant/Jurist (w/m) Recht International" und daneben die Stelle eines "Junior Consultant/Jurist (w/m) Projekte kaufmännische Verwaltung" aus. Im geforderten Profil hieß es u. a. "Sie sind Volljurist, (w/m) mit überdurchschnittlichen Staatsexamina (mindestens "befriedigend") und haben Ihren Schwerpunkt im Wirtschaftsrecht gesetzt. Sie sind Berufseinsteiger oder konnten bereits erste Erfahrungen in einer Rechtsanwaltskanzlei oder in einem Unternehmen sammeln ..."

Der Kläger, promovierter Rechtsanwalt mit eigener Kanzlei seit dem Jahre 1988, bewarb sich laut eigener Aussage mit E-Mail vom 2.5.2013 bei der Beklagten – ohne Erfolg. Der Kläger, der sich durch die Stellenanzeige und die dort verwendeten Begriffen "Junior Consultant" und "Berufseinsteiger" aufgrund seines Lebensalters diskriminiert sah, machte Entschädigungsansprüche nach dem AGG geltend. Die Beklagte brachte dagegen vor, die Klage sei rechtsmissbräuchlich, weil der Kläger eine Vielzahl von Entschädigungsklagen betreibe. Zudem beziehe sich der Begriff "Junior Consultant" auf die Berufserfahrung und Hierarchie im Unternehmen.

Die Entscheidung

Die Klage hatte keinen Erfolg. Revision wurde nicht zugelassen.

Nach Ansicht des LAG konnte es dahinstehen, ob der Kläger sich auf die Stellenanzeige der Beklagten überhaupt beworben hatte und ob die Geltendmachung eines Entschädigungsanspruchs rechtsmissbräuchlich war; denn die Stellenanzeige enthält schon keine ausreichenden Indizien, die eine Benachteiligung wegen des Alters gem. § 22 AGG vermuten lassen. Nach Auffassung des Gerichts indizieren weder der Begriff "Junior Consultant" noch der Begriff "Berufseinsteiger" je für sich und zusammen eine Altersdiskriminierung. Das Gericht begründete seine Entscheidung damit, dass der Begriff "Berufseinsteiger" altersneutral sei; denn dieses Kriterium kann auch derjenige erfüllen, der ungewöhnlich lange studiert und erst im vorgerückten Alter einen Abschluss gemacht hat.

Auch der Begriff des "Junior Consultant" stellt für sich keine Altersdiskriminierung dar, sondern bezeichnet eine Hierarchieebene im Unternehmen (vgl. hierzu auch LAG Brandenburg-Berlin Urt. v. 21.7.2011 – 5 Sa 847/11 sowie LAG Rheinland-Pfalz, Urt. v. 10.2.2014 – 3 Sa 27/13). Denn selbst wenn das Wort "Junior" im Englischen auch "jung" bedeutet, hat es, wenn es im Zusammenhang mit einer betrieblichen Stellung verwendet wird, die Bezeichnung "von geringerem Dienstalter" bzw. "von niedrigerem Rang". Der Begriff kennzeichnet somit jeweils eine geringere spezifische berufliche Erfahrung bzw. Position, ohne Bezug zum Alter des betreffenden Mitarbeiters.

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