Arbeitszeitmodelle, allgeme... / 10 Sabbatical

10.1 Was ist ein Sabbatical?

Ein Sabbatical ist eine besondere, zeitlich befristete Form der Teilzeitbeschäftigung, die sich über einen längeren Zeitraum – meist mehrere Jahre – erstreckt und aus 2 Phasen besteht: aus einer Arbeitsphase ("Ansparphase"), in der der Beschäftigte i. d. R. ohne Arbeitszeitverkürzung vollzeitbeschäftigt ist, und aus einer Freistellungsphase, in der der Beschäftigte gänzlich vom Dienst freigestellt ist. Insofern entspricht sie der gesetzlich wie tariflich besonders ausgestalteten bisherigen Altersteilzeit im Blockmodell, bei der es sich im Grunde um die spezifische Ausformung eines Sabbaticals in der "Vorruhestands-Variante" handelt.

Die in der Freistellungsphase nicht erbrachte Arbeitsleistung muss in der vorhergehenden oder nachfolgenden Arbeitsphase erbracht werden (§ 7 Abs. 1a SGB IV). Innerhalb des vereinbarten Gesamtzeitraums eines Sabbaticals wird eine (befristete) durchgehende Teilzeitbeschäftigung ausgeübt. Auch während der Dauer der Freistellungsphase besteht eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung (Beschäftigungsfiktion nach § 7 Abs. 1a SGB IV). Während des Gesamtzeitraums des Sabbaticals erhält der Beschäftigte ein anteiliges Entgelt.

10.2 Anwendungsbereiche

"Das Leben ist kurz, nicht wegen der kurzen Zeit, die es dauert, sondern weil uns in dieser kurzen Zeit fast keine bleibt, es zu genießen" (Rousseau). Das Sabbatical verschafft die nötige Zeit für die private Lebensgestaltung z. B. für eine Weltreise, eine Auszeit für die Familie oder sich selbst.

Ein Sabbatical kann auch genutzt werden als Personalinstrument in einer Krise, die zu Auslastungsdefiziten und einem Personalüberhang führt. Neben Kurzarbeit und Aufhebungsvertrag kann das Sabbatical eine interessante Option darstellen, wenn der Arbeitgeber davon ausgeht, nach Ablauf der Auszeit des Beschäftigten dessen Arbeitskraft in vollem Umfang wieder zu benötigen.

Schließlich kann ein Sabbatical genutzt werden für den Übergang in den Ruhestand als eine Alternative zur Altersteilzeit oder zu dem neuen Modell der Flexiblen Alterszeitregelung. Nach der Tarifeinigung im öffentlichen Dienst vom 27. Februar 2010 wird es neben dem bisherigen TV ATZ eine neue tarifliche Regelung geben hinsichtlich flexibler Regelungen für ältere Beschäftigte. Danach wird die Möglichkeit einer Altersteilzeit ab dem 60. Lebensjahr auch auf tariflicher Basis wieder eröffnet. Allerdings beträgt die tarifliche Aufstockung lediglich 20 % des Teilzeitregelentgelts, führt also zu einem Gesamtbruttoentgelt von (lediglich) 60 %. Ein Rechtsanspruch besteht nur, wenn in der Einrichtung die Quote von 2,5 % Alterteilzeitbeschäftigte nicht erreicht wird. Auf betrieblicher Ebene können abweichende – sprich günstigere – Regelungen durch Betriebs-/Dienstvereinbarung getroffen werden. Ohne eine derartige günstigere Regelung dürfte die Altersteilzeit in dieser Ausgestaltung für die Beschäftigten keine große Attraktivität entfalten und ein Rechtsanspruch scheidet angesichts der geringen Quote in den meisten Fällen ohnehin aus.

Des Weiteren wird allerdings ohne Gewährung eines Rechtsanspruchs ein neues Modell der Flexiblen Alterszeitregelung eingeführt, das einen gleitenden Übergang in den Ruhestand bei gleichzeitig längerer Teilhabe am Berufsleben ermöglicht. Das Modell sieht vor, dass die Beschäftigten über einen Zeitraum von 4 Jahren ihre Arbeitszeit auf die Hälfte der bisherigen Arbeitszeit reduzieren und gleichzeitig eine Teilrente in Höhe von 50 % der jeweiligen Altersrente beziehen. Die reduzierte Arbeitsphase beginnt 2 Jahre vor Erreichen des Kalendermonats, für den der Beschäftigte eine abschlagsfreie Altersrente in Anspruch nehmen kann und geht 2 Jahre über diese Altersgrenze hinaus. Die Beschäftigten erhalten nach Erreichen der Altersgrenze für eine abschlagsfreie Altersrente einen Anschlussarbeitsvertrag für 2 Jahre unter der Bedingung, dass das Arbeitsverhältnis mit der Inanspruchnahme einer mehr als hälftigen Teilrente oder einer Vollrente endet. Ob dieses Modell in der betrieblichen Praxis angenommen wird, bleibt abzuwarten, erscheint aber angesichts der damit verbundenen Verlängerung der Lebensarbeitszeit und dem teilweisen Rentenverzicht eher zweifelhaft.

10.3 Gesetzliche Rahmenbedingungen

Sozialrechtlich besteht ein rechtlicher Rahmen für Lebensarbeitszeit- und Langzeitkonten – und damit auch für ein Sabbatical – seit 1998 mit dem "Gesetz zur sozialrechtlichen Absicherung flexibler Arbeitszeitregelungen", kurz: Flexi-Gesetz.

Diese Rechtsgrundlage wurde zum 1. Januar 2009 durch das Gesetz zur Verbesserung von Rahmenbedingungen der sozialrechtlichen Absicherung flexibler Arbeitszeitregelungen (Flexi II – Gesetz) erheblich geändert. Für das Sabbatical als einer Unterform einer Wertguthabenvereinbarung gem. § 7b SGB IV sind u. a. folgende Änderungen von besonderem Interesse:

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