29.01.2014 | Thüringen

Sozialverbände äußern sich kritisch zum Einsatz ausländischer Pflegekräfte

Pflegekräfte fehlen nicht nur in Thüringen, sondern in der ganzen Bundesrepublik.
Bild: Haufe Online Redaktion

In der vergangenen Woche startete ein bundesweites Pilotprojekt zum Einsatz chinesischer Fachkräfte in der Altenpflege. Die Sozialverbände in Thüringen haben daran kaum Interesse. Sie glauben nicht, dass sich die Neuangeworbenen lange im Freistaat halten ließen.

Die Thüringer Sozialverbände sehen den geplanten Einsatz von Pflegekräften aus China eher skeptisch. Im Vergleich zu anderen Bundesländern sei die Bezahlung des Pflegepersonals in den Einrichtungen im Freistaat niedriger, sagte der Sprecher der Diakonie Mitteldeutschland, Frieder Weigmann. Deshalb würden neuangeworbene chinesische Pflegekräfte Thüringen vermutlich nur als Durchgangsstation nutzen und schnell einen besser bezahlten Job in Hessen oder Bayern sowie im EU-Ausland finden. Auch die im Paritätischen Thüringen organisierten Alten- und Pflegeheime sehen in der Anwerbung von chinesischen Altenpflegern keine alleinige Lösung des Fachkräftemangels.

Sprachliche Barrieren sind das Hauptproblem

«Wir verschließen uns nicht den ausländischen Fachkräften und sind offen dafür», sagte die Beraterin im Pflegebereich des Paritätischen, Nicole Walther. Sie fügte hinzu: «Wir haben uns aber auch noch nicht auf den Weg gemacht». Ihr Verband setze verstärkt auf die Aus- und Weiterbildung von Jugendlichen und Pflegehilfskräften in Thüringen. Immerhin gebe es Einrichtungen in Gera und Erfurt, die polnische und spanische Pflegekräfte einsetzen. Allerdings habe sich dabei gezeigt, dass die sprachlichen Barrieren doch sehr groß seien. «Es ist sehr anstrengend, die Leute in ihren Heimatländern auf ihre Arbeit in Deutschland vorzubereiten», fügte Walther hinzu.

Thüringen befürchtet Abwanderung von Pflegekräften in andere Bundesländer

Mit Blick auf die Abwanderung von Fachpersonal aus Thüringen nach Bayern oder Hessen sagte Walther, dass auch Jobs in der Krankenpflege besser als in der Altenpflege bezahlt würden und Mitarbeiter schnell ihren Arbeitsplatz wechselten. «Das ist eine Bewegung, die nicht gesund ist», betonte sie.

Stefan Werner, Sprecher des Paritätischen, verwies darauf, dass es in China und auch in den osteuropäischen Ländern ebenfalls ein demografisches Problem gebe. Daher unterstütze der Paritätische aus ethischen Gründen nicht die Abwerbung von Mitarbeitern aus diesen Ländern. Allerdings sei man sehr interessiert an einem Erfahrungsaustausch.

Pilotprojekte laufen

Die Arbeiterwohlfahrt Thüringen (AWO) nimmt nach Angaben von Sprecher Dirk Gersdorf hingegen bereits an einem Pilotprojekt mit chinesischen Fachkräften teil. Diese würden derzeit in China auf ihren Einsatz in einem Pflegeheim in Suhl vorbereitet. Dazu gehörten ein Deutsch-Kurs sowie eine allgemeine Schulung. Vermutlich im Sommer würden sie in Thüringen eingesetzt. Ein entsprechendes Projekt der AWO mit Pflegern aus dem osteuropäischen Ausland läuft in diesem Jahr aus. Hier waren mehrere Pfleger aus dem Baltikum in Thüringen beschäftigt.

Der Arbeitgeberverband Pflege (AGVP) hatte in der vergangenen Woche ein Pilotprojekt vorgestellt, über das chinesische Pflegekräfte beim Kampf gegen den Fachkräftemangel helfen sollen. Demnach ist geplant, dass bis Ende des Jahres 150 chinesische Pflegekräfte in stationäre deutsche Einrichtungen geholt werden. Der Arbeitgeberverband sprach sich außerdem für eine stärkere Anwerbung von Pflegekräften aus Nicht-EU-Staaten aus und empfahl, neue Wege bei der Anwerbung zu gehen.

Steigender Bedarf an Pflegekräften bei niedrigem Lohnniveau

Nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung aus dem Jahr 2012 könnten in Deutschland im Jahr 2030 rund eine halbe Million Vollzeit-Pflegekräfte fehlen.

In Thüringen ist der Bedarf an Pflegekräften besonders hoch. Jede zehnte Stelle müsse laut einer Studie bis 2015 neu besetzt werden, sagte Werner. So würden 2440 Jobs wegen des höheren Pflegebedarfs und des altersbedingten Ausscheidens von Mitarbeitern frei. Insgesamt arbeiten rund 20.000 Menschen im Freistaat im Pflegebereich.

Seit dem Sommer gibt es hier den sogenannten Pflegepakt, in dem die Sozialverbände gemeinsam mit der Politik nach Lösungen für den Fachkräftemangel suchen. So wurde die Ausbildungszeit für ungelernte Pflegehilfskräfte verkürzt. Auch soll es in diesem Jahr eine Imagekampagne für den Beruf geben. Der Paritätische sei hier sehr in die Diskussion eingebunden, sagte Sprecher Werner. Konkrete Ergebnisse lägen aber noch nicht vor. Eines der großen Probleme sei weiterhin die vergleichsweise niedrige Bezahlung der Fachkräfte im Freistaat. Dies sei aber nicht schnell zu lösen, da mit einem höheren Entgelt für die Mitarbeiter auch die Kosten für die Pflegebedürftigen und für die Sozialkassen stiegen.

Schlagworte zum Thema:  Pfleger, Personalmangel, Fachkräfte, Pflege, Ausländische Fachkräfte, Ausländer

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