19.05.2015 | Bildung und Erziehung

Viele Lehrer fühlen sich durch Inklusion überfordert

Viele Lehrer wünschen sich Unterstützung bei der Inklusion.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Lehrer in Deutschland fühlen sich nach einer aktuellen Studie kaum gerüstet, um Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam zu unterrichten.

Lehrkräfte beklagen unter anderem eine schlechte Vorbereitung, mangelhafte personelle und räumliche Ausstattung sowie zu große Klassen.

Lehrer wünschen sich Doppelbesetzung in den Klassen

In einer in Düsseldorf vorgestellten bundesweiten Umfrage für den Verband Bildung und Erziehung (VBE) beurteilten 77 Prozent der Lehrer das Fortbildungsangebot als «weniger gut» oder «gar nicht gut». 98 Prozent der insgesamt 1.003 Befragten sprachen sich für eine Doppelbesetzung aus Lehrern und Sonderpädagogen in gemeinsamen Lerngruppen aus. Laut VBE handelt es sich um die bundesweit erste repräsentative Lehrerbefragung zur Inklusion.

Deutschland hatte sich vor sechs Jahren verpflichtet, die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen (UN) und damit auch den sogenannten inklusiven Unterricht umzusetzen. Tatsächlich würden die Lehrer «vom Dienstherrn einfach ins kalte Wasser geworfen», kritisierte der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann. «Es wird von der Politik billigend in Kauf genommen, dass Inklusion vor die Wand gefahren wird.»

Über die Hälfte der Lehrer hat keine sonderpädagogischen Kenntnisse

Für 82 Prozent der Befragten war Inklusion kein Bestandteil der Lehrerausbildung. 57 Prozent verfügen über keine sonderpädagogischen Kenntnisse. 55 Prozent gaben an, sie hätten nur wenige Wochen Zeit gehabt, sich auf inklusives Unterrichten vorzubereiten.

Auch die räumliche Situation sei völlig unzureichend, kritisierte Beckmann. 55 Prozent aller Befragten gaben an, dass ihre Schule nicht barrierefrei sei. 75 Prozent arbeiten an einer Schule, die auch Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf unterrichtet. An beinahe jeder zweiten dieser Schulen gibt es den Angaben zufolge aber nicht einmal Räume für Kleingruppen.

Unterstützung durch Sozialpädagogen und Psychologen gefordert

Der VBE forderte eine ständige Doppelbesetzung für inklusiven Unterricht. Derzeit gebe es für die einzelnen Klassen allenfalls ein paar Wochenstunden gemeinsam mit einer sonderpädagogischen Fachkraft. Selbst wenn es nur in etwa drei Viertel aller Inklusionsstunden eine Doppelbesetzung mit zwei Fachkräften gäbe, fehlten allein in NRW 7.000 zusätzliche Sonderpädagogen, sagte Beckmann. Außerdem fehle Unterstützung durch Sozialpädagogen, Schulpsychologen und medizinische Assistenzen.

Schlagworte zum Thema:  Schule, Lehrer, Inklusion

Aktuell

Meistgelesen