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Wissenschaftszeitvertragsgesetz wird verabschiedet

Bald bessere Perspektiven für den Uni-Nachwuchs
Bild: Haufe Online Redaktion

Das zum Missbrauch einladende Wissenschaftszeitvertragsgesetz wird geändert. Die Hochschulen hatten als Arbeitgeber für den akademischen Nachwuchs zunächst Sorgen um ihre Flexibilität.

Die Gesetzesreform für den Wissenschaftsnachwuchs wird nach Einschätzung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) im Uni-Alltag nicht zu großen Problemen führen. «Wir sind angehört worden, es sind einige unserer Vorstellungen in die Novelle eingeflossen - leider nicht alle. Ich denke, wir können damit dennoch ganz gut leben», sagte HRK-Präsident Horst Hippler der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Flexibilität und Dynamik des Wissenschaftssystems sehe ich nicht gefährdet.»

Das Ende von prekären Beschäftigungsverhältnissen?

Der Bundestag verabschiedet an diesem Donnerstag das reformierte Wissenschaftszeitvertragsgesetz. Damit sollen vor allem prekäre Beschäftigungsverhältnisse an den Unis seltener werden. Nach Gewerkschaftsangaben haben bisher neun von zehn wissenschaftlichen Mitarbeitern an Hochschulen Zeitverträge, gut die Hälfte davon läuft nicht einmal ein Jahr.

Vertrag soll sich nach Qualifizierungsziel richten

Hippler sagte über die schwarz-rote Gesetzesnovelle: «Dass etwa Vertragslaufzeiten künftig an die Laufzeiten des Qualifizierungsziels angepasst werden sollen, halte ich für sehr positiv, solange auch Abweichungen - auch im Interesse der Mitarbeiter - möglich sind.» Hochschulen und wissenschaftliche Einrichtungen würden aber mit den Regelungen für das wissenschaftsunterstützende Personal in Technik und Verwaltung in Drittmittelprojekten Probleme kriegen. «Da wird dann regelmäßig auf rechtssichere befristete Einstellungen für nur zwei Jahre nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz zurückgegriffen werden, und damit wird es zu größerer Fluktuation kommen.»

Pakt für wissenschaftlichen Nachwuchs

Auch Bestrebungen von Bund und Ländern, mit einem «Pakt für den wissenschaftlichen Nachwuchs» die Berufsperspektiven unterhalb und neben der Professur zu verbessern, seien zu begrüßen, sagte Hippler. Dafür will allein der Bund eine Milliarde Euro über zehn Jahre zur Verfügung stellen und mehr als 1000 sogenannte Tenure-Track-Stellen schaffen, die nach einigen Jahren auf eine Professur zulaufen.

Nachhaltigkeit muss geklärt werden

Der HRK-Chef forderte, die Frage der Nachhaltigkeit zu klären. «Die Leute müssen ja länger als nur zehn Jahre finanziert werden, also länger als es der Dauer des geplanten Programms entspräche. Da müssen sich Bund und Länder schon auch einigen, wie man das hinbekommt. Wenn man das den Hochschulen allein aufbürdet, wird der ohnehin nicht ausreichende Grundhaushalt damit belastet», sagte Hippler. «Sehr wichtig auch: Eine "nackte" Professur reicht nicht, die notwendige Ausstattung mit Personal und Sachmitteln muss gewährleistet werden.»

Alternativen zur Professur schaffen

Zum geplanten Umfang des Programms sagte Hippler: «Die 100 Millionen Euro pro Jahr sind ein Tropfen auf den heißen Stein. Das Tor zur Professur wird sich nicht viel weiter öffnen. Wir haben in Deutschland etwa 20 000 Promotionen pro Jahr - und maximal Platz für fünf Prozent davon, die in eine Professur münden können im Laufe ihrer Karriere.» Den Hochschulen gehe es daher darum, «Positionen neben der Professur zu schaffen», betonte der HRK-Präsident.

Schlagworte zum Thema:  Universität, Befristung, Hochschule

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