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Warnstreiks werden fortgesetzt

Bild: Haufe Online Redaktion

Statt ins Büro oder ins Klassenzimmer steuern viele Angestellte des öffentlichen Dienstes in Nordrhein-Westfalen am Mittwoch in Richtung Düsseldorf. Ähnliche Proteste gibt es zur gleichen Zeit in anderen Bundesländern. Die Beschäftigten fordern lautstark mehr Geld ein.

Sie sind zu Tausenden gekommen - eine bunte Mischung aus Lehrern, Angestellten der Polizei, Personal aus Unikliniken und Mitarbeitern der Landesverwaltungen. Eines eint die Demonstranten in Düsseldorf: «Wir haben alle Wut im Bauch», sagt Peter Walther, beschäftigt bei einem Sozialversicherungsträger, bei einer Kundgebung am Mittwoch in der NRW-Landeshauptstadt. «Im öffentlichen Dienst sind hoch qualifizierte Leute beschäftigt. Wenn die keinen gerechten Lohn bekommen, dann gibt es eben nur noch dritte Wahl. Gammelfleisch und griechische Verhältnisse.»

Es geht um mehr Geld. Die Gewerkschaften machen nach zwei Wochen deutschlandweiter Proteste noch einmal in mehreren Bundesländern mobil. Sie fordern 6,5 Prozent für die bundesweit 800 000 Angestellten des öffentlichen Dienstes der Länder. An diesem Donnerstag geht es in Potsdam in die dritte Tarifrunde und damit in die entscheidende Phase. Vorher wollen die Betroffenen noch ein lautstarkes Ausrufezeichen setzen - versehen mit Trommeln und Trillerpfeifen. «Dummheit ist kostenlos - Lehrer nicht» oder «Verbrechen lohnt sich nicht - Polizeiarbeit auch nicht», heißt es auf ihren Transparenten.

«Ohne Moos nix los», ruft der Verhandlungsführer des Beamtenbundes dbb den 6000 Demo-Teilnehmern in der Altstadt zu. Man dürfe die Angestellten nicht «am langen Arm verhungern lassen». Vor allem die Ungleichbehandlung der 200 000 angestellten Lehrer gegenüber ihren verbeamteten Kollegen ist den Gewerkschaften ein Dorn im Auge. Sie wollen sie mit einer deutschlandweit einheitlichen Entgeltordnung abschaffen.

«Für diesen bundeseinheitlichen Tarif kämpfen wir schon länger», sagt Kollegschullehrerin Tanja Stracke. «Wir marschieren dafür jetzt zum dritten Mal mit. Ich befürchte aber, dass auch weiter auf unsere Kosten gespart werden wird», meint die Krefelderin. Ihre Kollegin Michaela Schulz-Jaworski ergänzt: «Dass wir im Schnitt 500 bis 700 Euro monatlich weniger verdienen als die verbeamteten Kollegen, das geht natürlich gar nicht. Das muss man im Berufsalltag immer wieder verdrängen, um motiviert arbeiten zu können.»

Verdi-Bundeschef Frank Bsirske gibt bei einer zweiten Demo die Devise aus: «Gutes Geld, gute Leute, gute Arbeit.» Die 10 000 Demonstranten hören es gern. Das gilt auch für die Droh-Botschaft an die Arbeitgeber, falls die dritte Runde ebenfalls scheitern sollte: Gehe die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) nicht auf die Kernforderungen der Arbeitnehmerseite ein, «dann legen wir nach».

Schlagworte zum Thema:  TV-L, Streik, Tarifrecht

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