27.04.2016 | Tarifrunde 2016

Verdi-Streiks legen Flughäfen lahm

Der Tarifstreit sorgt für Stillstand an den Flughäfen!
Bild: Haufe Online Redaktion

Zehntausende Fluggäste haben am Mittwochmorgen auf Deutschlands größten Flughäfen die Ausweitung des Warnstreiks im öffentlichen Dienst deutlich zu spüren bekommen.

Allein am Airport in Frankfurt wurden nach Angaben eines Sprechers der Gewerkschaft Verdi bislang 392 Flüge gestrichen. Insgesamt waren acht Flughäfen betroffen. Ein Ausweichen auf die Schiene war ebenfalls mit Problemen verbunden, da auf einem Teil der Hochgeschwindigkeitstrecken der Bahn Bauarbeiten für Verzögerungen sorgen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) verurteilte die Ausweitung der Warnstreiks, die bundesweit auch andere Teile des öffentlichen Lebens trafen.

Verzögerungen in Frankfurt

In Frankfurt hielten sich die Verzögerungen in Grenzen. Seit 8.00 Uhr schloss sich auch die Flughafenfeuerwehr dem Ausstand an und legte damit die Nordwestlandebahn still. «Wir haben genügend Kapazitäten auf der Süd- und der Centerbahn», sagte eine Fraport-Sprecherin. Ohne Feuerwehr ist ein Flugbetrieb aus Sicherheitsgründen zwar nicht möglich, doch für den Ernstfall gibt es Notdienstvereinbarungen.

Chaos in Köln

Auch am Airport Köln/Bonn wirbelte der Ausstand der Flughafen- Feuerwehr den Flugplan mächtig durcheinander. Betroffen waren zunächst 30 Passagierflüge. Auch im Laufe des Tages werden große Teile der Flughafenbelegschaft in Köln/Bonn ihre Arbeit niederlegen. Bislang wurden 103 von 276 geplanten Flügen gestrichen.

In Düsseldorf wurden zunächst 48 der insgesamt 590 Flüge annulliert. Inwieweit noch weitere Verbindungen betroffen sind, könne man bislang noch nicht absehen.

Am Flughafen München seien vor allem Mitarbeiter der Bodenabfertigung und der Sicherheitsgesellschaft dem Streikaufruf gefolgt, sagte ein Verdi-Sprecher. Konkrete Zahlen würden im Laufe des Vormittags erwartet.

An den Flughäfen Hannover und Bremen fielen 25 Flüge aus. In Hamburg wurden nach Angaben des Betreibers insgesamt 31 Abflüge und 31 Ankünfte gestrichen. Auf den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld wurden insgesamt 99 Flüge annulliert.

Verdi hofft auf Tarifeinigung

Verdi hatte im Rahmen der Tarifrunde Öffentlicher Dienst zu den Streiks an Flughäfen aufgerufen. Gewerkschaftschef Frank Bsirske verteidigte die Entscheidung. Sinn solcher Arbeitsniederlegungen sei es, Tarifverhandlungen zu beschleunigen, sagte er der «Süddeutschen Zeitung». «Ich hoffe, dass dieses Signal verstanden wird und wir bei der dritten Runde am Donnerstag und Freitag zu einer Einigung kommen.»

Außer an den Flughäfen legten in Berlin und anderen Städten am Mittwoch die Mitarbeiter diverser Behörden wie der Stadtreinigung, der Wasserbetriebe und der Bäderbetriebe die Arbeit nieder.

De Maizière verurteilt Streik

Bundesinnenminister de Maizière bewertete die Ausweitung der Warnstreiks im öffentlichen Dienst als unverhältnismäßig. «Für die Bestreikung ausgerechnet von wichtigen Flughäfen und Berliner Kliniken gibt es keinen vernünftigen Grund. Damit treffen die Gewerkschaften nur Unbeteiligte», sagte der CDU-Politiker in einer am Mittwoch verbreiteten Mitteilung seiner Behörde. Dies sei «umso ärgerlicher», da der bisherige Verhandlungsverlauf dafür keinen Anlass geboten habe.

Den Gewerkschaften seien zuletzt eine Tariferhöhung von drei Prozent sowie weitere Zugeständnisse angeboten worden. «Darüber sollte man doch erstmal reden, anstatt zu streiken», sagte de Maizière. «Verschonen Sie die Bürgerinnen und Bürger und suchen mit uns Lösungen am Verhandlungstisch», forderte er.

Dritte Verhandlungsrunde am 28. und 29. April

In dem Tarifstreit fordert Verdi sechs Prozent mehr Geld bei einem Jahr Laufzeit des Vertrages. Die Arbeitgeber - der Bund und die Kommunen - haben drei Prozent mehr Lohn und Gehalt für zwei Jahre geboten. Die dritte Verhandlungsrunde findet am 28. und 29. April in Potsdam statt.

Bsirske bestritt die Darstellung der Arbeitgeber, dass dieses Angebot drei Prozent für zwei Jahre betrage. Da die drei Prozent in zwei Stufen angeboten würden und jede der beiden Erhöhungen erst jeweils im Juni wirksam werden solle, betrage es auf zwei Jahre gerechnet nur 1,8 Prozent. Die Inflation werde jedoch in diesem und im nächsten Jahr zusammengenommen zwei Prozent betragen.

Schlagworte zum Thema:  Streik, Tarifverhandlung, Ver.di

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