02.11.2011 | Personal & Tarifrecht

Tarifkonflikt im Nahverkehr schwelt weiter

Für Zehntausende Pendler im Südwesten herrscht weiterhin Ungewissheit: Im Tarifkonflikt des Kommunalen Nahverkehrs haben Arbeitnehmer und Arbeitgeber auch am Montag keinen Durchbruch erzielt.

Die Gewerkschaft Verdi und der Kommunale Arbeitgeberverband KAV vertagten sich auf Donnerstag. «Es ist einfach noch nicht gelungen, die großen Brocken aus dem Weg zu räumen», sagte ein Sprecher der Arbeitnehmerorganisation am Montag in Stuttgart.

   Joachim Wollensak, Hauptgeschäftsführer des Kommunalen Arbeitgeberverbandes, erklärte, dass der Öffentliche Nahverkehr in Baden-Württemberg bundesweit und gegenüber den anderen Sparten des Öffentlichen Dienstes keine Sonderstellung einnehmen und keine Extrawurst außer der Reihe erhalten könne. «Im Nahverkehr wedelt sonst der subventionierte Schwanz mit dem bis auf die Knochen abgemagerten Hund.» Wollensak appellierte an Verdi, die Sonderstreiks in Stuttgart einzustellen und das weitreichende Angebot anzunehmen.

   Verhandlungsführer und Personalvorstand Reinhold Bauer sagte nach den Verhandlungen: «Wir erwarten, dass Verdi sich in den Punkten Weihnachtsgeld Beschäftigungssicherung und Laufzeiten für einzelne tarifvertragliche Regelungen am Donnerstag kompromissbereit zeigt und keine weiteren Forderungen wie zum Beispiel die zusätzliche Bezahlung von Wegezeiten wieder einbringt.»

   Verdi-Verhandlungsführer Rudolf Hausmann ließ erklären: «Was heute auf dem Tisch lag, reicht einfach noch nicht für eine Einigung. Wir starten nun am Donnerstag einen letzten Versuch.» Sollte eine Einigung auch dann nicht zustande kommen, droht die Gewerkschaft mit neuen Streiks: «Gelingt dann kein Durchbruch, muss am Wochenende mit den nächsten Aktionen gerechnet werden», kündigte Hausmann an.

   Damit harrt die Lösung in dem Tarifstreit für die etwa 7500 Angestellten in den Betrieben aus Heilbronn, Karlsruhe, Esslingen, Baden-Baden, Freiburg, Konstanz und Stuttgart weiterhin einer Lösung.

   Verdi lässt derweil die Streiks in den Stuttgarter Verkaufsstellen und Kundencentern für den Nahverkehr weiterlaufen. Die Busse und Straßenbahnen sollen aber ohne größere Einschränkungen verkehren. In dem Ringen der Tarifparteien geht es unter anderem um 30 Urlaubstage für alle, ein volles Weihnachtsgeld und kürzere Schichten.

   Laut Verdi hakt es unter anderem noch bei der Forderung, die sogenannten «betriebliche Wegezeiten» zu entlohnen. Sie kommen etwa dann zustande, wenn ein Bus- oder Straßenbahnfahrer seine Schicht im Depot beginnt, sie aber dort nicht beendet - sondern beispielsweise an einem Endpunkt. Die Zeit, um von dort zurückzukommen, gilt bisher als Freizeit, wird also nicht bezahlt. Ein anderer Knackpunkt sei es, dass die Arbeitgeber die Forderung nach höherem Weihnachtsgeld nur dann mitmachen wollten, wenn im Gegenzug das Urlaubsgeld sänke.

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