| Unfallversicherung

Sturz einer Lehrerin von einer Bierbank ist Arbeitsunfall

Besuch eines Volksfests gehörte zum Klassenfahrtprogramm.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Stürzt eine Lehrerin bei dem Besuch eines Volksfestes, der offizieller Programmpunkt einer Klassenfahrt war, im Bierzelt von einer Festzeltbank und verletzt sich dabei, ist dies ein Dienstunfall, so das Verwaltungsgericht Stuttgart. Die Lehrerin überwachte im Bierzelt u.a. das gegenüber den Schülern ausgesprochene Alkoholverbot.

Der Besuch des Frühlingsfestes endete für eine Lehrerin im Krankenhaus, als im Mai 2012 eine Bank im Festzelt umkippte. Der als Ausklang einer Klassenfahrt in München gedachte Programmpunkt, den die Lehrerin als eine von zwei Begleiterinnen betreute, machte sie bis Juni dienstunfähig - nachdem sie von der Bank stürzte, auf der sie mit mehreren Schülerinnen und Schülern gestanden hatte und sich eine schwere Rückenverletzung zuzog.
Ihr Antrag auf Anerkennung des Vorfalls als Dienstunfall wurde von den Stuttgarter Schulbehörden mit der Begründung abgelehnt, es bestehe kein Zusammenhang zwischen dem Tagesausklang im Bierzelt und den eigentlichen Dienstaufgaben einer Lehrkraft. Der Aufenthalt im Bierzelt sei somit Teil des privaten Lebensbereiches gewesen.

Verwaltungsgericht: Besuch im Bierzelt war offizieller Programmpunkt der Klassenfahrt

Das Verwaltungsgericht jedoch, bei dem die Lehrerin gegen das Regierungspräsidium Stuttgart klagte, erkannte den Sturz von der Bierbank als Dienstunfall an.
Da der Besuch des Frühlingsfestes und damit auch der Besuch des Bierzelts ein Teil der Dienstaufgabe gewesen sei, habe sich der Unfall „in Ausübung des Dienstes“ ereignet. Als verantwortliche Begleit- und Aufsichtsperson sei sie dienstlich verpflichtet gewesen aktiv am Fest teilzunehmen, insbesondere um das in diesem Zusammenhang ausgesprochene Alkoholverbot durchzusetzen und zu überwachen, was ihr auch gut gelungen sei.
Zudem sei der Besuch des Bierzelts als Tagesausklang mit geselligem Beisammensein gedacht gewesen, bei dem es der pädagogische Gesamtauftrag einer Lehrerin gebiete, sich dem nicht zu entziehen, sondern bei den Schülern zu sein.

Kollektives Tanzen auf Bänken war Teil der Gruppendynamik

Dieser pädagogische Gesamtauftrag – so das Gericht - beinhalte auch das übliche, kollektive Tanzen auf den Bänken zu Livemusik, dem sich die Lehrerin aus gruppendynamischen Gründen nicht entziehen konnte und sollte. Wenn die gesamte Gruppe auf den Bänken gestanden habe, habe die Lehrerin praktisch nicht anders gekonnt, als sich diesem Verhalten anzuschließen. Wäre sie als Einzige sitzen geblieben und hätte sie sich dem Gruppenzwang verweigert, hätte sie sich demonstrativ von ihren Schülern distanziert, was mit ihrem pädagogischen Gesamtauftrag aber nicht zu vereinbaren gewesen wäre (Verwaltungsgericht Stuttgart, Urteil v. 31.1.14, 1 K 173/13).

Gegen das Urteil steht den Beteiligten die Berufung zu, wenn sie vom Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg in Mannheim zugelassen wird.

Schlagworte zum Thema:  Alkohol, Klassenfahrten, Dienstunfall, Schule

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