21.04.2010 | Personal & Tarifrecht

Sprachtest mit einem Bewerber per Telefon: unangemessen

Ein kurzes Telefonat reicht nicht aus, um die Deutschkenntnisse eines Bewerbers zu beurteilen. Werden Bewerber aufgrund eines solchen Telefontests abgewiesen, können sie Schadenersatz geltend machen.

Was war passiert?

In einem Fall vor dem Arbeitsgericht Hamburg (Az.: 25 Ca 282/09) ging es um einen gebürtigen Afrikaner, der in Deutschland lebte und sich bei der Deutschen Post als Briefträger bewarb.

Schon nach einem ersten Telefonat mit einer Postangestellten wurde seine Bewerbung abgelehnt. Sie war zu dem Ergebnis gekommen, dass der Mann sich auf Deutsch nicht klar und deutlich ausdrücken könne. Laut Stellenausschreibung sollten Bewerber die deutsche Sprache in Wort und Schrift beherrschen. Nachdem er sich noch zweimal vergeblich beworben hatte, klagte der Mann auf Schadenersatz.

 

Die Entscheidung der Richter: Der Bewerber erhält Schadensersatz

Die Richter sprachendem Bewerber eine Entschädigung von mehr als 5000 EUR zu. Ein kurzes Telefonat reiche nicht aus, um die Deutschkenntnisse eines Stellenbewerbers zu prüfen. Vor allem benachteilige diese Vorgehensweise Bewerber, deren Muttersprache nicht Deutsch sei.

Die Anforderung, klar und deutlich deutsch sprechen zu können, sei für die Tätigkeit eines Postzustellers außerdem nicht angemessen. Hierfür reiche es vollkommen aus, wenn er sich mit Kunden, Vorgesetzten und Kollegen verständigen könne.

 

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