| Sozial- und Erziehungsdienst

Flächendeckende Kita-Streiks beginnen

Viele kommunale Kindertagesstätten bleiben ab Freitag geschlossen.
Bild: Haufe Online Redaktion

Viele Eltern müssen in den nächsten Tagen mit geschlossenen Kitas rechnen. Die unbefristeten Streiks beginnen in einigen Bundesländern bereits am Freitag.

Grundlage ist ein bundesweites Votum der Verdi-Mitglieder bei der Urabstimmung von mehr als 93 Prozent. Beim dbb gab es 96,5 Prozent Zustimmung für Streikmaßnahmen.

Nach fünf Runden hatten die Gewerkschaften die Tarifverhandlungen für die bundesweit 240.000 Erzieher und Sozialarbeiter in kommunalen Einrichtungen für gescheitert erklärt. Sie fordern eine finanzielle Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe unter anderem durch eine höhere Eingruppierung. Nach Angaben der kommunalen Arbeitgeberverbände würde dies 1,2 Milliarden Euro kosten.

Streiks in den einzelnen Bundesländern

In Nordrhein-Westfalen sollen rund 1.000 kommunale Kitas ab Montag, 11.5., unbefristet bestreikt werden, teilte der Landesverband der Gewerkschaft Verdi in Düsseldorf mit.

Entgegen dem letzten großen Ausstand 2009 wollen die Gewerkschaften dieses Mal ununterbrochen streiken, um ein schnelles Ergebnis zu erreichen. NRW ist einer der Schwerpunkte des Streiks. Rund 10.000 Mitglieder werden nach Verdi-Angaben in NRW in den Ausstand gehen. Schwerpunkte der Aktionen in NRW sind das Ruhrgebiet, das Rheinland und Ostwestfalen. In besonders hart betroffenen Städten und Gemeinden will Verdi mit den zuständigen Verwaltungen für die Einrichtung von Notgruppen sorgen.

Auch in Baden-Württemberg wird ab Freitag gestreikt. Verdi-Landesbezirksleiterin Leni Breymaier sagte: «Wir werden diesen Arbeitskampf sehr breit beginnen, damit so viele Arbeitgeber wie möglich im Land spüren, dass sie in der Verantwortung stehen.»

Ab Montag, 11.5., beginnt auch in Bayern ein unbefristeter Streik in kommunalen Kitas. In Nürnberg, Fürth, Erlangen, München und Augsburg seien die Beschäftigten zu Arbeitsniederlegungen von mindestens 14 Tagen aufgerufen, teilte Verdi Bayern mit. «Wir haben aber Notdienstvereinbarungen und –absprachen mit den Trägern getroffen», sagte  der stellvertretende Landesbezirksleiter der Gewerkschaft, Norbert Flach.

In Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Bremen, Rheinland-Pfalz, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt wird ab Freitag gestreikt.

Verdi wirbt um Verständnis

Der Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Frank Bsirske, sagte: «Keine Frage, der Streik wird Eltern hart treffen.» Aber viele Eltern hätten in den vergangenen Wochen durchaus Verständnis dafür gezeigt, dass der Beruf der Erzieherinnen und Erzieher aufgewertet werden müsse. Davon hänge auch die Zukunft ihrer Kinder ab. «Und Wertschätzung drückt sich nun mal auch im Gehalt aus», sagte Bsirske. Gutes Geld bringe wiederum gute Kräfte.

Die Arbeitgeber kritisierten die angekündigten Kita-Streiks. Der Tarifkonflikt dürfe nicht auf dem Rücken von Kindern und Eltern ausgetragen werden, erklärte der VKA. Die Arbeitgeber forderten die Fortsetzung der Verhandlungen.

Bsirske seinerseits sagte, die Arbeitgeberseite habe es jetzt in der Hand, wie lange der Streik dauere. Sobald ein Angebot auf dem Tisch liege, das eine akzeptable Aufwertung bringe, könne der Streik beendet werden.

Schlagworte zum Thema:  Kita, Streik, Tarifverhandlung, Erzieher

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